Zeitreise in den Sylter Süden: Ein Wochenende in Hörnum #1

19 Jahre ist es her. Ich war 16 und erstmals richtig verliebt. So verliebt, dass es für mich nur infrage kam, meine Eltern in den Urlaub zu begleiten, wenn mein Freund mitkommen dürfte. So sollte es dann auch sein: Meine Eltern fuhren vor, wir hinterher. Auf die Insel Sylt. Nach Hörnum um genau zu sein. Ein Reetdachhaus im Pidder-Lüng-Wei war meiner erste Sylter Unterschlupf, nur einen Steinwurf vom breiten Strand entfernt mitten in den Dünen.

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Herbst 1996 in Hörnum. Der Beginn meiner Sylt-Liebe. Vor vier Wochen bin ich nach langer Zeit mal wieder zurückgekehrt an den Ort, an dem mich Amors Nordsee-Pfeil traf. Lasst Euch erzählen, von großen Veränderungen der letzten Jahre und von den wohlbekannten Momenten, die sich zum Glück nie ändern.

Hörnum – bodenständig und wieder en vogue

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Hörnum also. Es ist zwar nicht so, dass ich in den vergangenen Jahren nie am südlichsten Zipfel der Insel gewesen wäre, doch gewohnt hatte ich dort tatsächlich lange nicht mehr. Der kleine Ort, in dem man von nahezu jeder Stelle aus den rot-weißen Leuchtturm sehen kann, war in meiner Beliebtheitsliste seit meinem ersten Besuch zunehmend nach hinten gerutscht. Das hatte auf der einen Seite einen ganz pragmatischen Grund: Ich war fast nie mit Auto auf der Insel und daher war für mich eine Unterkunft im Herzen der Insel schlichtweg praktischer. Auf der anderen Seite waren in Hörnum seit 1996 zunehmend die „Lichter ausgegangen“. Im vergangenen Jahrzehnt standen viele Gebäude leer, der alte Kursaal war ein gespenstischer Makel in der Landschaft und alles wirkte recht vernachlässigt. Und so fuhr ich meist nur noch für den obligatorischen Spaziergang um die Südspitze hinunter, widmete mich ansonsten aber anderen Orten auf Sylt.

Was bin ich froh, dass ich mir Hörnum jetzt mal wieder genauer angeschaut habe. Es hat sich nämlich verdammt viel zum Guten gewendet in den letzten Jahren. Die Einheimischen – und von denen scheint es in Hönum noch deutlich mehr zu geben als auf dem Rest der Insel – sind sich einig: die Eröffnung der Hotel- und Golfanlage „Budersand“ hat für einen Aufschwung gesorgt. Durchaus auch für ein touristisches Publikum, das nicht immer zum bodenständigen Hörnum passt, aber das nehmen die Menschen in Kauf. Denn vieles ist ja noch wie früher – und das kommt in einem freundlichen Ambiente auch wieder besser zur Geltung.  Aber jetzt mal in medias res: Was hat Sandra denn das Wochenende über in Hörnum getrieben?

Ankunft in Hörnum und Erinnerungen an früher

Nach meiner Anreise mit dem Zug in Westerland hab ich mir erst einmal einen fahrbaren Untersatz geschnappt. Denn den kann man wirklich brauchen, wenn man nur wenige Tage auf der Insel ist und von Hörnum aus auch andere Orte besuchen möchte. Zum Glück gibt es inzwischen einige Elektroautos zu mieten, denn ein schlechtes Gewissen habe ich dann doch, wenn ich motorisiert durch die wunderbare Landschaft fahre. Also gab es dieses Mal ein Elektrofahrzeug von Nissan, das über syltcar.com gebucht werden kann. Den Schlüssel gibt´s im Infopavillion auf dem Bahnhofsvorplatz, das Auto selbst steht im Parkhaus hinterm Bahnhof. Ziemlich easy also.

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Und das war gut so, entpuppte sich mein Sylter Freitag doch als einer der ersten sommerlichen Tage in diesem Jahr. Der Himmel zeigte sich strahlend blau, die Sonne gab ihr Bestes und ich wollte nur noch eins: Das Meer sehen. Also düste ich mit Sonnenbrille auf der Nase runter zum Syltzipfel und strahlte bereits auf dem Weg hinter mit der Sonne um die Wette. Hat man Rantum hinter sich gelassen geht es ein ganzes Stück lang durch die wunderbar hügelige Dünenlandschaft. Hier und da ein Blick aufs Wattenmeer, das von links durchblitzt.

Und irgendwann kommt sie dann: die letzte Kurve. Ein letzter Schlenker, bevor der rot-weiße Leuchtturm einem dann „Willkommen in Hörnum“ entgegenruft.

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Nein, nicht der da oben, das ist das angepasste Fähnchen, das mein Hotel zierte. Das Apartmenthotel am Leuchtturm stelle ich Euch noch in einem eigenem Beitrag vor, aber so viel kann ich Euch ja schon verraten: Es hat eine phänomenale Lage – nämlich tatsächlich direkt neben dem Hörnumer Wahrzeichen -, wird in familiärer Weise geführt und hat eines der besten Frühstücksbüffets, das ich seit langem ausräubern durfte. Ich habe mich dort wirklich wohlgefühlt.

Hörnum ist ohnehin sehr klein, so dass die Wege zum Strand von überall aus kurz sind. Von meinem Hotel aus war es ein Katzensprung hin zu, Oststrand, neben dem dann auch der Hafen zu finden ist. Und wie schön es da bei gutem Wetter ist, können Bilder viel besser zeigen als ich erzählen:

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Zum ersten Mal habe ich an diesem Tag einen vollkommen klaren Blick rüber zu den Inseln Föhr und Amrum. Die können übrigens vom Hafen aus auch bei Tagestouren mit dem Schiff angesteuert werden. Ich entscheide mich aber, nichts zu tun. Gar nichts!. Ich haue mich einfach in den weißen Sand und genieße den phantastischen Nachmittag in sattem Blau. Beobachte die vereinzelten Urlauber, schaue den Seglern hinterher, freue mich über Kinder mit nackigen Beinen im Wasser und  stelle fest, wie angenehm unaufgeregt das Treiben an diesem Strandabschnitt doch ist. Das flache Wasser ist perfekt für Familien mit kleinen Kindern, denke ich so bei mir. Für Surf-Anfänger und Stand Up-Paddler auch, denn es gibt eine zeitgemäße Surfschule vor Ort. Gleich neben dem Südkap, dem Strandbistro, in dem wir früher  so einige Male Papas Geburtstag mit einem Frühstück gefeiert haben. Erinnerungsfetzen schwappen durch meinen Kopf.

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Irgendwann höre ich dann auf zu denken und fange an zu spüren: den Hunger in meinem Bauch. Fürs Abendessen ist es deutlich zu früh, eine Kleinigkeit muss her. Schon klar, welche das auf Sylt traditionell ist, oder? Richtig: Crêpes! Und davon bekommt man auf Sylt keinen besseren als am Hafen von Hörnum. Ob es tatsächlich stimmt, dass der Crêpes-Stand der erste überhaupt in Deutschland war, weiß ich nicht. Ist mir aber auch egal, viel wichtiger ist, dass es dort verdammt gut schmeckt, das Team supernett und der Ausblick phänomenal ist.

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Aber Achtung vor den Möwen:  Sie lauern nur darauf, Euch die Leckerei aus der Hand zu schnappen. Ich habe es auch an diesem Tag wieder erlebt, wie sich vier Möwen auf den Arm einer Frau stürzen, die im Nu keinen Crêpe mehr in der Hand hielt…

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Ich verputze meinen sicher und ohne Möwen-Probleme und schlendere dann am Hafen entlang, um mir das sagenumwobene „Budersand“ mal aus der Nähe anzuschauen. Im Abendlicht wirkt der Golfplatz ziemlich idyllisch, muss ich schon sagen.

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Anschließend fahre ich zurück nach Westerland, bestaune vom Beach House Seeblick  (Achtung! Immer frühzeitig reservieren) hinab einen wunderbaren Sonnenuntergang und falle spät abends zufrieden ins gemütliche Hotelbett.

Ja, das war ein guter Tag!

Das war ein guter Tag! #syltkonfetti #sylt #inselliebe #nordsee #maritim #beachhouse #rituale

A video posted by Sandra (@wortkonfetti) on

Wie man einen regnerischen Nachmittag in Hörnum verbringt und ob Seehund Willy auch nach 20 Jahren noch im Hörnumer Hafen zuhause ist, erfahrt Ihr übrigens im nächsten Beitrag.Dann geht´s weiter mit dem Samstagsbericht.

 

Sandra

Sandra

Seit 2008 blogge ich nordisch-frisch über meine Heimatstadt Bremen und alle Regionen, in denen eine steife Brise weht und man lieber in Strandkörben als auf Designermöbeln Platz nimmt. Für Nordseeinseln schlägt mein Herz dabei besonders laut. Noch lauter allerdings für den Lütten, der seit Februar 2016 mein Leben auf wunderbare Weise auf den Kopf stellt.

7 thoughts on “Zeitreise in den Sylter Süden: Ein Wochenende in Hörnum #1

  1. hach ja…. inselliebe. 🙂
    meine heißt juist. es ist immer wie nach hause kommen.
    die doofen möwen sind da mittlerweile leider auch extrem dreist geworden. so sehr ich die nordsee liebe, aber die viehcher dürfen gerne einen bogen um mich machen.
    herzliche grüße
    die frau s.

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