Ein großes Stück Freiheit mit Hafenblick: Bremens erste inklusive WG

Ach ja, das Leben in einer WG. Wer hat mal wieder den Spüldienst verweigert, zu wem gehört das leicht bekleidete Mädel, das da gerade aus dem Bad huscht, und wann veranstalten wir die nächste Party? Ich erinnere mich noch lebhaft an viele WG-Momente aus meiner Uni-Vergangenheit – das waren noch Zeiten..

Die einen lieben es, mit anderen zusammenzuleben, die anderen hassen es. Manchmal verlangt aber auch einfach der Geldbeutel, sich Wohnraum zu teilen. Was auch immer die Beweggründe sind: Wohngemeinschaften kommen nicht aus der Mode und es ist nicht Ungewöhnliches, Herd und Telefon zu teilen.

Nichts Ungewöhnliches?

Oh doch, für manche ist es etwas Ungewöhnliches. Ein Traum, der sich nur schwer verwirklichen lässt. Ein Vorhaben, für das es bislang im wahrsten Sinne des Wortes keinen Raum gab. Für Neele, die Tochter meine Freundin Daniela zum Beispiel.

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Neele ist 25, leidenschaftliche Tänzerin und Tanzpädagogin, die feste Freundin von Adrian, buntgemusterte Protagonisten des bekannten Aktion Mensch-Werbespots, dreifache Inhaberin des Chromosoms 21 und engagierte Wohnungssuchende. Neele möchte nämlich ausziehen, genau genommen mit ihrem Freund, der ebenfalls eine Beeinträchtigung hat, zusammenziehen.

Während man sich gemeinhin in diesem Alter Gedanken macht, ob das wohl konfliktfrei klappen kann – mit dem Freund unter einem Dach – stand Neele mit ihrem Wunsch vor ganz anderen Herausforderungen. Denn ganz allein, ohne Unterstützung, können die beiden nicht wohnen. Sollen die Eltern immer vorbeischauen? Auch keine Lösung der dem Gedanken von größtmöglicher Eigenständigkeit entspricht.

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Und so entstand die Idee der ersten inklusiven WG in Bremen: 8 junge Menschen teilen sich ein Haus – vier Studenten und vier junge Menschen mit Beeinträchtigung. So normal wie möglich, sich gegenseitig stützend und vielleicht ein bisschen verrückt. Jeder benötigt mal Hilfe und hier haben beide Seiten Möglichkeiten: Die Studenten und Studentinnen übernehmen nach einem geregelten Plan ehrenamtliche Dienste, wie ab einer bestimmten Zeit am Nachmittag und am Wochenende Gespräche, Spiele und andere Freizeitaktivitäten anzubieten. Die Dinge des täglichen Lebens (putzen, kochen und einkaufen) werden wie für eine WG üblich von allen Bewohnern übernommen. Die Studenten können durch das Ehrenamt günstig wohnen, sind nicht alleine und doch frei um ihren Tätigkeiten nachzugehen.

Soweit, so sinnvoll. Doch wer glaubt, ein passenden Haus ist (in Bremen) leicht zu finden, der täuscht sich. Seit geraumer Zeit sind Daniela und alle Unterstützer mit der Suche nach passendem Wohnraum beschäftigt. Denn eins ist klar: Jedes WG-Mitglied soll ein eigenes Zimmer bekommen und Platz für Gemeinschaftsräume und Gästezimmer wird auch benötigt. Ein Bestandsgebäude war zwischenzeitlich gefunden, ein notwendiger Träger allerdings nicht. Der Verein, der daraufhin gegründet wurde, startete wieder bei Null. Im Hintergrund allerdings wurde trotz fehlender Immobilie weiterhin am Konzept und auch an der PR gearbeitet. Asja zauberte beispielsweise das Logo, das sie jüngst bei der ersten „öffentlichen WG-Sitzung“ in der Überseestadt präsentierte.

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Und die Überseestadt ist es auch, in der inzwischen eine Heimat für Bremens erste inklusive WG gefunden wurde. Die GEWOBA baut dort in Kooperation mit der Blauen Karawana bald das Blauhaus. Und dort können – wenn alle Ämter und Entscheider mitmachen-  Neele, Adrian und der Rest der WG einziehen, wenn der Neubau steht. Ein großes Stück Freiheit mit Hafenblick – das könnten sie gewinnen. Einen Entwurf für die Wohnung gibt es bereits.

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Damit beim Endspurt nicht doch noch irgendwas schief geht, sind Unterstützer für die Idee herzlichst willkommen. Der einfachste Weg: Werdet Mitglied im Verein und zahlt einen kleinen (oder gern auch größeren) Beitrag in die Vereinskasse. Das ermöglicht dem Vorstand öffentlichkeitswirksame Aktionen und vieles mehr, was zur Verwirklichung des Projektes beitragen kann.

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Bine und ich haben den Aufnahmeantrag jüngst unterschrieben. Den findet ihr übrigens zum Download bei Facebook. Wie sieht´s aus? Macht ihr auch mit?

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Sandra

Sandra

Seit 2008 blogge ich nordisch-frisch über meine Heimatstadt Bremen und alle Regionen, in denen eine steife Brise weht und man lieber in Strandkörben als auf Designermöbeln Platz nimmt. Für Nordseeinseln schlägt mein Herz dabei besonders laut. Noch lauter allerdings für den Lütten, der seit Februar 2016 mein Leben auf wunderbare Weise auf den Kopf stellt.

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