Krank mit Baby. Oder auch die Frage „Was tun für Superabwehrkräfte?“

Mamas haben Superkräfte. Aber nicht immer sind auch die körpereigenen Abwehrkräfte durch und durch super. Meine haben derzeit jedenfalls die Power und Schlagkraft einer lange Zeit im Regen gelegenen Moosgummiplatte: schlabbrig und löchrig rufen sie gerade jedem Bakterium und Virus ein gelangweiltes „Ach, kommt ruhig rein, wir haben den Kampf eh schon verloren“ zu. Seit nunmehr vier Wochen schleppe ich mich durch die Gegend und weiß nun, wie furchtbar schwierig das ist:

Krank sein mit Kind!

Ich gehöre von jeher leider zu denen, die es immer so richtig aus den Latschen kippt, wenn sie mal krank werden. Was beneide ich die Menschen, die sich mit Erkältung  einfach ein, zwei Tage schonen, auf dem Sofa literweise Tee trinken und dann zumindest wieder alltagstauglich sind. Bei mir heißt „dick erkältet“, dass ich mindestens eine Woche im Bett liege, mir die Erschöpfung in alle Fasern meines Körpers kriecht und ich wirklich lange brauche, bis ich wieder einsatzfähig bin.

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Tja, und nun gibt´s da den Lütten, dessen nicht mehr genutztes Babybay ich zwar prima als Ablage für mein Krankenlager nutzen, aber den ich nicht wie einen Arbeitskollegen oder einen Auftraggeber anrufen und nach einer neuen Deadline fragen kann. Die täglichen Baby-Deadlines sind zahlreich und nicht zu verschieben. Spätestens eine volle Windel oder ein leerer Magen zwingen zur eisernen Diszplin und zum Verlassen des Bettes. Es ist ein Kraftakt, bei dem zusätzlich zu Husten, Schnupfen und Heiserkeit  noch einige Beschwerden hinzukommen:

Das permanente schlechte Gewissen

Babymusikgarten? Können wir nicht hin. Eine großer Spaziergang durch den Bürgerpark? Die Kraft reicht nur für einen kleinen durch die Nachbarschaft. Selbstgekochter Brei? Heute mal nur ein Fertiggläschen. Geduldiges gemeinsame Spielen auf dem Boden? Dass er sich mal eine halbe Stunde allein beschäftigen würde, während ich auf dem Sofa döse, wäre mir eigentlich lieber…. Alle meine guten Mutter-Vorsätze werden durch Krankheit ausgehebelt. In allen Tagen, die ich mich bisher zwischen Inhalationsgerät und Spielteppich umherschleppe, komme ich mir fast schon vor wie eine Rabenmutter, die ihrem Kind schöne Erlebnisse und kleine Fortschritte raubt. Was liebt der Lütte den Babymusikgarten und wie gern geht er zum Babturnen! Wie traurig macht es mich dann, wenn er statt dessen mit mir stundenlang im Wohnzimmer verbringt, weil ich nicht mit ihm hingehen kann. Dauerhaftes Spielen mit Medikamenten-Verpackungen oder permanentes aus dem Fenstergucken ist schließlich kein Burner. Und so bemühe ich mich, ihm das an Beschäftigung zu bieten, was mir möglich ist. Habe dabei aber stets das Gefühl, das mehr  nötig wäre.

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Und dann gibt es da ja auch noch das schlechte Gewissen dem Mann gegenüber, der seit lange Zeit nach der Arbeit und am Wochenende vor allem eins erlebt: Eine müde, blasse Kranke, die ihm das Kind übergibt und sehr früh am Abend schlafen geht. Wie sexy ist das denn?

Die Angst, das Kind anzustecken

Dass der Lütte selbst noch nicht krank ist, grenzt an ein Wunder. Denn auf meiner aktuellen Erkältungs/Bronchitis/Grippe/Achwasweißichdenn-Welle ist auch der Mann ein paar Tage mitgesurft. Ständiges Händewaschen, Taschentücher außerhalb der Reichweite des Kindes liegen haben, möglichst nach rechts husten, wenn links auf dem Arm das Kind getröstet wird, viel lüften – das alles ist der verzweifelte Versuch, das Baby nicht anzustecken. Aber ganz ehrlich: Wie viele Liter Desinfiktionsmittel sollte ich täglich versprühen, um den Lütten seine Gesundheit zu garantieren? Ich glaube, das ist schier unmöglich. Daher lauert im breits verspannten Nacken auch rund um die Uhr die Angst, dass mich am nächsten Tag nicht nur meine eigenen Beschwerden, sondern auch  ein krankes Baby erwarten. Das täte mir für den Lütten so irre leid. Und das oben besprochene schlechte Gewissen würde ins Unendliche wachsen, weil ich mich krank natürlich nur halb so gut um ihn kümmern könnte wie sonst. Und doppelt anstrengend wäre es natürlich auch, klar.

Die Scham, Hilfe anzunehmen

Zum Glück habe ich einen Mann, der geduldig nach der Arbeit und am Wochenende die Betreuung des Kindes übernimmt. Ja, ich weiß, das sollte nicht als etwas Besonderes betont werden, aber es gibt eben auch Alleinerziehende, die selbst abends und am Wochenende völlig auf sich gestellt sind. Und ich habe glücklicherweise auch eine Mutter, die ich morgens um 7 Uhr notfallmäßig anrufen kann und die sich dann für zwei Stunden in den Zug setzt, um zwei Tage auszuhelfen. Das hat nicht jeder! Innerhalb der engen Familie Hilfe anzunehmen, das krieg ich hin, wenn es richtig schlimm wird.

Aber Freunde miteinbeziehen? Nein, das traue ich mich tatsächlich nicht. Dabei hilft es sicherlich, wenn mal jemand für zwei Stunden mit dem Lütten spazieren geht oder ähnliches. Aber zum einen weiß ich, dass alle wahnsinnig viel zu tun haben. Und zum anderen bilde ich mir dann ein, dass ich so, wie ich selbst und die Wohnung aussehen, hier gar keinen Besuch empfangen sollte. Bei objektiver Betrachtung ist das natürlich Quatsch, denn ich schleppe den Staubsauger auch dick erkältet jeden Tag aus dem Keller an seine Einsatzorte und halte bestmöglich Ordnung, aber Fenster sind eben ungeputzt, Blumen in der Vase vertrocknet und das Bad staubig. Die Wäscheleine nicht leer, der Kühlschrank hingegen schon und die Haare nicht gewaschen. JA, ICH WEISS! Selbstgemachte Leiden. Aber ich wette, die meisten von Euch kennen diese Gedanken. Die Scham, Hilfe, die mir durchaus angeboten wird, anzunehmen, macht so eine Krankheitsphase jedenfalls auch nicht enstpannter.

Die Trauer um verlorene Tage

Der Lütte wird in einigen Tagen zehn Monate alt. Mir bleiben also noch rund neun Wochen, bevor sich unser gemeinsamer Alltag komplett verändern wird, weil ich wieder arbeite. Dann werde ich mit ihm nicht mehr dienstags zum Babymusikgarten und donnerstags ins Hamam gehen. Dann werde ich morgens um halb 10 nicht mehr dabei zuschauen, wie die Hälfte seines zweiten Frühstücks in Bröseln unter den Esstisch fällt. Und ihn nach seinem Vormittagsschläfchen nicht mehr die zerzausten Haare aus der zerknautschten Stirn streichen. So sehr ich mich auch auf die spannenden Projekte im nächsten Jahr freue, so traurig bin ich auch, dass die Babypause so verdammt schnell dahingegangen ist. Demenstprechend schrecklich finde ich es, dass mir von den wenigen verbleibenden Tage nun noch welche durchs Kranksein geklaut bzw. erschwert werden. Draußen sind gerade frühlingshafte Temperaturen und ich könnte mit dem Lütten Schaukeln erobern. Aber nein, ich liege im Bett, während der Zwerg mit Oma spazieren geht. Gönne ich den beiden, würde ich aber selbst auch gern machen.

Eure Hilfe ist gefragt: Wir pimpen Sandras Abwehr!

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So, diese kleine Jammerrunde musste jetzt mal sein. Irgendwann bin auch ich wieder fit und bis dahin muss ich mich eben durchkämpfen. Dennoch hat mich der Instagram-Kommentar von Nina heute darüber nachdenken lassen, wie ich dafür sorgen kann, meine schwache Abwehr langfristig anzukurbeln. Sie schrieb aus ihrer Mama-Erfahrung „Es wird so nach drei, vier Jahren besser“.

Und ja, ich glaube auch, dass in den ersten Jahren nach der Geburt eines Kindes das Thema Kranksein den Alltag sehr prägen wird. Spätestens ab Kita-Eintritt bringt das Kind Krankheiten nach Hause und gleichzeitig ist das elterliche Immunsystem vom Stress, den der Kampf um Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie schlafarme Nächte verursachen, auch nicht das stabilste.Nun habe ich in gewisser Weise das Glück der Selbständigkeit und werde mich nicht den stregnen Blicken eines Chefs aussetzen müssen, wenn ich mich wegen eigener Krankheit oder krankem Kind aus dem Büro abmelden muss (dieses Dilemma und andere Probleme in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie fasst dieser Beitrag auf littleyears hervorragend zusammen), aber auch in der Freiberuflichkeit macht sich die Arbeit nicht von allein und der Terminkalender ist voll, so dass Krankheits-Ausfälle letztlich auch bemerkbar machen.

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Daher möchte ich mich in den kommenden Monaten und Jahren mehr um meine Abwehrkräfte kümmern, damit es mich wenigstens nicht immer so schlimm erwischt. Ich muss mein Yoga-Programm wieder intensivieren, meine Eisenpräparate wieder regelmäßig nehmen und … tja… und was noch? Habt ihr Tipps für den Alltag, wie man über lange Zeit etwas für seine Abwehr tut? Kleine Kniffe, die sich berwährt haben? So was wie „Ich trinke zu jeder Jahrezeit einen Liter Ingwertee“ oder „Dasunddas aus dem Reformhaus ist ein Zaubermittel“ oder „Zink ist das beste Mittel überhaupt“ oder „Seit ich einen Luftbefeuchter neben dem Bett stehen habe, werde ich weniger krank“ oder „Kurkuma, nichts geht über Kurkuma“. Ratschläge aus allen erdenklichen Richtungen wären toll, damit ich mir eine tägliche Routine erarbeiten kann, die vielleicht dafür sorgt, dass es mich nicht immer so dermaßen umhaut.

Also, was sind Eure langfristigen Geheimwaffen, um als Mama oder auch ohne Kind für Superabwehrkräfte zu sorgen?

Freue mich auf Eure Kommentare.

 

 

Sandra

Sandra

Seit 2008 blogge ich nordisch-frisch über meine Heimatstadt Bremen und alle Regionen, in denen eine steife Brise weht und man lieber in Strandkörben als auf Designermöbeln Platz nimmt. Für Nordseeinseln schlägt mein Herz dabei besonders laut. Noch lauter allerdings für den Lütten, der seit Februar 2016 mein Leben auf wunderbare Weise auf den Kopf stellt.

6 thoughts on “Krank mit Baby. Oder auch die Frage „Was tun für Superabwehrkräfte?“

  1. Huhu Sandra,
    boar, ich kann’s ja so nachvollziehen alles. Als Mutter kann man es sich nicht leisten krank zu sein. ;o)
    Ich war noch nie so oft krank wie dieses Jahr seit unsere Maus da ist. Ich hatte zwei Brustentzündungen, richtig mit Fieber und Schüttelfrost und einmal die Hand-Mund-Fuß-Krankheit (die meine Kleine VIEL besser weggesteckt hat als ich. Ich lag drei Tage schmerzverzerrt im Bett und hab am Ende noch zwei Fingernägel verloren). Na ja, wie du siehst, ich kann auch gut jammern. 😀 Aber es war auch echt hart.
    So zu deiner Frage: Ich glaube an häufiges Händewaschen, möglichst wenig desinfizieren, im Winter vielleicht Vitamin C als Zusatz (Sanddornsaft z.B.), ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse.
    LG Clara

  2. Liebe Sandra,

    erst einmal vorweg GUTE BESSERUNGSWÜNSCHE an dich, sodass es dir bald besser geht. Ich kann dich sehr gut verstehen, mit all deinen Gedanken, dem schlechten Gewissen. Aber ich muss auch sagen, dass ich irgendwann einfach versucht habe, über meinen Schatten zu springen, vor allem darauf bezogen, Freunde miteinzubeziehen. Unsere Kleine wurde dann einfach abgeholt und spazieren gefahren, eins, zwei Stündchen haben völlig gereicht, um etwas durchzuatmen und einfach ein wenig zur Ruhe zu kommen. Dazu sollte ich aber erwähnen, dass besagte Freunde selbst angeboten haben, mir die Kleine etwas zur Entlastung abzunehmen und mit mir rauszugehen. Ich habe also einfach angenommen und würde es immer wieder tun! Wir haben leider keine Familie in der Nähe, sonst würde ich wohl auch diese mehr mit einbeziehen.
    Und die Scham vor der unaufgeräumten Wohnung? Oh ja, kenne ich nur zu gut! Aber auch hier habe ich irgendwann gelernt einfach lockerer damit umzugehen. Du bist einfach krank, da fällt es jedem schwer, sich um Haushalt und co zu kümmern. Und dann noch mit Baby? Ich bin mir ganz sicher, dass jede Freundin/jeder Freund Verständnis für Chaos und Staub hat. Und mal abgesehen davon: Meistens fällt es anderen die Unordnung oder etwas Staub nicht einmal auf;)

    Ich hoffe es geht dir bald besser!
    LG aus Aachen
    Hanna

  3. Ich kenne Ähnliches (aber ohne Kind :D), wenn man den Arbeitsplatz wechselt. In fremden Umgebungen fliegen immer so viele unbekannte Erreger rum, die muss man irgendwie alle einmal durchmachen, bis man genügend Abwehrkräfte dagegen aufgebaut hat.
    Ich schwöre inzwischen aufs Hände wäschen. Immer vorm Essen und immer nach dem Nutzen von Straßenbahn/Bus.
    Ich wünsch dir gute Besserung und viel Kraft bis die Krankheit ausgestanden ist.
    Liebe Grüße

  4. Oh weh, ich wünsche dir ganz schnell gute Besserung. Ich habe mir letzte Woche einen Hexenschuss zugezogen. Merke: Die Kinderwagenwanne mit einem 3-Monats-Baby drin zu tragen ist nicht ratsam.
    Ich gehe schon seit ein paar Jahren zur traditionellen chinesischen Medizin Behandlung (TCM). Meine Heilpraktikerin hat mich gelehrt, dass Wärme sehr wichtig ist. Gerade im Winter. Also morgens nichts kaltes essen, sondern eher was warmes. Z. B. Müsli mit warmer Milch oder Porridge. Wenn ich Wasser trinke, dann immer warmes Leitungswasser. So braucht dies im Magen nicht erst erwärmt werden. Zudem trinke ich jeden Morgen eine heiße Tasse Wasser mit einer halben gepressten Zitrone und einer Prise Cayennepfeffer. Für die Süße Honig oder Agavendicksaft. Das hält die Viren auch gut fern und entschlackt dabei noch;)
    Sobald ich mit unserer kleinen Rakete jetzt draußen bin, ziehe ich mittlerweile eine Strumpfhose / Leggings unter der Jeans an und bei einem Rock dann eine Thermostrumpfhose. So bleibe ich gut warm. Von Oktober bis April nehme ich zusätzlich noch Vitamin D zu mir.
    Vielleicht ist ja das eine oder andere dabei was dir auch hilft.

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