Besser als in den 90ern aufm Parkplatz. Oder auch: Im Viertel hat das „Honigdachs“ eröffnet

Ich erinnere mich noch genau, wie in meiner Geburtsstadt Peine in den 1990er Jahren das Fast Food-Restaurant mit dem Goldenen M eröffnete. Für meine Freunde und mich war das phänomenal – hatten wir sonst doch nur bei Shoppingausflügen nach Braunschweig oder Hannover Gelegenheit, Cheeseburger, Pommes & Co. zu verputzen.

Ich erinnere mich ebenso gut, wie ich mit meinem damaligen Freund, der bereits ein Auto hatte (wow!), regelmäßig zu später Stunde ins Drive-In fuhr, Fritten und Eis bestellte und wir auf dem Parkplatz des angrenzenden Baumarkts abhingen. Ach ja, das waren noch Zeiten…

Heute muss man zum Glück nicht mehr die berühmte Fast Food-Kette besuchen, um einen Burger zu bekommen. Im vergangenen Jahr sind hippen Burger-Läden bundesweit nur so aus dem Boden geschossen  – auch in Bremen. Vor gut vier Wochen kam im Viertel eine weitere Location hinzu: das „Honigdachs„.

Wenn Ihr einen Blick hineinwerft, wird Euch eines sofort auffallen: Inhaber Till Wijnen (ihm gehört auch das „Lu“) legt nicht nur Wert auf das, was zwischen die Brötchenhälften kommt, sondern auch auf einen guten Look. Er hat  sich für eine Einrichtung im Industrielook entschieden: schwarze und graue Wände, freie Rotstein-Wände, Gitter, Betonboden, Holz, Gold und Messing, Gerüstbohlen und alte Schulstühle, frei hängende Glühbirnen… Die portugiesischen Fließen an der offenen Küche sind da nicht ganz konsequent – aber für mich persönlich ein gelungener Hingucker. Wir haben in unserer Garderobe ganz ähnliche, mir gefallen sie daher sehr.

Am Fenster, wo Ihr das Treiben des Steintorviertels beobachten könnt, gibt es zwei einzelne Tische (für 4 Personen, wenn ich mich recht erinnere), der Rest im unteren Bereich ist mit langen Holztischen ausgestattet, an denen ihr mit anderen Gästen sitzt.  Außerdem gibt es noch eine Emporee mit einigen Sitzmöglichkeiten. Insgesamt finden gut 50 Personen im Honigdachs Platz. Kinderwagentauglich? Ja, geht (siehe Foto oben), ist aber nicht optimal. Wickelmöglichkeit gibt´s auch nicht und die Kleinen krabbeln lassen geht auch nicht. Ich empfehle Euch daher, lieber ohne Nachwuchs zum Essen zu kommen.

Ja, und was gibt es nun so zu essen? Ne ganze Menge! Mittags habt Ihr die Auswahl zwischen fünf verschiedenen Burgern (jeweils zusammen mit Pommes oder einem Beilagensalat und eine Limo oder einem Eistee) und Salaten. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Beat-Nutz für 10 €: Rote-Bete-Nuss-Patty, Honey-Badgers-Burger-Sauce, Feldsalat, Babyblattspinat, gebackene Cherrytomate, Crunched Roasted Nuts zwischen Dinkel Bun mit Süßkartoffelpommes und einer Brombeer-Korianer-Limo?

Außerhalb des Lunchs habt Ihr eine deutlich größere Auswahl mit der ein oder anderen kuriosen Kreation. Da wäre beispielweise der Burger „Nordisch‘by‘Nature“ mit Bremer Knipp, kross gebratener Bacon, Spiegelei, Honey-Badgers-Burger-Sauce, saure Gurke rote Zwiebel zwischen Brioche Bun.  Ihr mögt es lieber traditionell? Kein Ding, es gibt auch den klassischen Hamburger. Eins gilt nach Angaben der Betreiber für alles: Die Burgerpatties bestehen zu 100% aus regionalem, täglich frisch gewolftem Rindfleisch und tragen das anerkannte Neuland Qualitätssiegel. Und die eigens für den Honigdachs gebckenenen Buns beziehen sie von einer traditionellen Bremer Bäckerei.

Insa, Stefan und ich bestellen bei unserem Besuch ganz unterschiedliche Burger und sind alle drei zufrieden mit dem, was wir schmecken. Ich fuchtle dabei mit Messer und Gabel herum, denn es gibt eines, was ich jedes Mal aufs Neue schwierig finde: Burger essen, ohne dass das Innere nach draußen purzelt. In den neuen Burger-Läden sie die Exemplare für meinen Mund immer deutlich zu dick – mit den Händen essen fällt daher aus. Messer und Gabel müssen also her. Aber irgendwie ist das nicht dasselbe Feeling, wie beim genussvollen Biss in der Brötchen oder? Naja, aber das tut eigentlich gerade nichts zur Sache… pardon!

Zurück zum Essen! Bei den Pommes gibt es Top und Flop: Die Süßkartoffelpommes mögen wir alle drei deutlich mehr als die normalen. Bei den selbstgemachten Limos und Eistees sind wir uns ebenfalls recht einig: Die sind klasse! An einem lauen Sommerabend vor dem Honigdachs sitzen und davon die ein oder andere schlürfen – ja, das stelle ich mir wunderbar vor.

Und die Honigdachs-Crew scheinbar auch. Daher versteht sie sich abends nicht ausschließlich als Burger-Laden, sondern auch bzw. vor allem als Bar. Dementsprechend umfangreich ist daher die Getränkekarte: Von Bieren aus der Union Brauerei über Gin und Longdrinks bis hin zu zahlreichen Cocktails steht da eine Menge drauf. Da sollte für jeden ein Absacker dabei sein.

Wenn Ihr also einen Burger-Hunger verspürt und nicht wieder im Burgerhaus gegenüber Halt machen sollt, wechselt einfach mal die Straßenseite und gebt dem Neuankömmling namens Honogdachs eine Chance. Vielleicht trifft er ja genau Euren Geschmack!

Fotos: Stefan Harms

Sandra

Sandra

Seit 2008 blogge ich nordisch-frisch über meine Heimatstadt Bremen und alle Regionen, in denen eine steife Brise weht und man lieber in Strandkörben als auf Designermöbeln Platz nimmt. Für Nordseeinseln schlägt mein Herz dabei besonders laut. Noch lauter allerdings für den Lütten, der seit Februar 2016 mein Leben auf wunderbare Weise auf den Kopf stellt.

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