Ganz in Weiß. Oder auch: Ein White Dinner in Achim

Ende Juli flatterte eine Einladung in unseren Briefkasten, die mir zweimal die Sprache verschlug. Zunächst vor Begeisterung: „Geil, das wollte ich schon immer mal erleben!“ Dann aufgrund der frappierenden Erkenntnis: „Ach verflixt, dafür muss ich ja dann auch was in der Küche zaubern.“

Worum geht´s? Um eine Einladung zu einem privaten White Dinner. Ihr kennt sie sicher alle, die  zauberhaften Fotos solche einer kulinarischen Versammlung im Grünen: lange Tafeln auf grünen Wiesen, geschmückt mit Blumen, Kerzenhaltern, Weingläsern und verspieltem Porzellan. Die weißen Stofftischdecken flattern ebenso im lauen Sommerwind wie die hauchzarten weißen Sommerkleidchen an hübschen Frauen. Die Männer tragen dandymäßig Hüte, die Picknickkörbe sind prall gefüllt mit  Delikatessen in Häppchenform, die Gesichter selig lächelnd. Hach ja – das hat mit jedes Mal gut gefallen.

So gut, dass ich  mir vor Jahren schon mal eine Facebook-Seite mit dem Namen „White Dinner Bremen“ gesichert hatte und immer wieder den Gedanken hegte, so etwas mal am Osterdeich auf die Beine zu stellen. Allen Genehmigungsfallstricken und Wetterunbeständigkeiten zum Trotz. Bei der Gründung von LOVEBREMEN schoss mir die Idee erneut durch den Kopf.

Eine Idee, die im Gegensatz zu vielen anderen in den vergangenen Jahren, niemals verwirklicht wurde. Die Facebook-Seite habe ich inzwischen gelöscht, die Vision von flatternden weißen Stoffen an der Weser vergessen. Umso begeisterte war ich also über die Einladung. So dürfte das Leben gern häufiger spielen: andere machen das, was man selbst nicht auf die Kette bekommen hat, und man darf Teil des Ganzen werden. Perfekt!

Nicht ganz so perfekt sind allerdings meine Talente, solch ein schönes Event mit angemessenen selbstgemachten Leckereien und passender Deko auszustatten. Während andere Menschen mal eben kleine Häppchen aus dem Ärmel schütteln und einen halben Küchenschrank voll von augenschmeichelndem Geschirr und Stoffservietten haben, setzt mich kochen bekanntlich unter Stress und meine Servietten von IKEA liegen in der Regel verwurschtelt in einer kleinen Schublade mit Geschirrtüchern. Aber wenn eine Freundin sich ein standesgemäßes White Dinner zum Geburtstag wünscht, dann geb ich dafür natürlich mein Bestes, zwischen den anderen Gästen nicht als vollkommen talentfrei aufzufallen.

Und das war gar nicht so schwer, sondern am Ende mit deutlich weniger Aufwand zu erledigen als ich dachte. Tomaten-Mozzarella-Spieße gehen schnell und schmecken immer, Blätterteig gefüllt mit Frischkäse und Spinat ebenfalls. Ein bißchen guter Käse vom Wochenmarkt, frische Himbeeren und gekaufte (sic!) Brownies – fertig war das passende Essen. Nur das Rucola-Basilikum-Brot nach diesem Rezept ist nichts geworden. Tja nun. Die kulinarischen Einfachheiten dann einfach auf eine Etagere legen, Käse auf ein schönes Holzbrett, Blümchen daneben – et voilà: Niemand würde auf die Idee kommen, dass das der Tisch ist, an dem eine Frau sitzt, die so gar nicht gern in der Küche steht. Tarnung ist alles. Ha!

Den Weißwein für den Abend habe in der Weinheimat besorgt, ebenfalls das Mitbringsel für das Geburtstagskind. Denn was kann besser als kleine Gabe bei einem White Dinner passen als ein Weißwein auf dem „Weiss? Läuft!“ steht? Falls Ihr auch mal einen Wein mit einem besonderen Etikett und von jungen Winzern sucht, sei Euch an dieser Stelle die Weinheimat nochmal ans Herz gelegt. Gerade haben Kathy und Daniel Einjähriges im Citylab gefeiert – und ich finde, so ein ambitioniertes Projekt sollte noch viele Geburtstag feiern.

Das Schönste an diesem Motto-Geburtstagsabend hat uns aber der Wettergott kredenzt: das Wetter blieb trocken und sogar die Sonne schaute vorbei. Spätsommerlicht garniert mit fluffigen weißen Wolken angerichtet an Weserwasser auf satter grüner Wiese – das meteorologische Menü konnte sich wirklich sehen lassen. Etwas frisch war es, aber hey! In diesem Sommer freuen wir uns doch schon, wenn es bei einem Open-Air-Event mal nicht regnet, oder?

Da die Location knallermäßig für solch ein Picknick geeignet und für die Öffentlichkeit zum Grillen, Faulenzen, Boule spielen etc. explizit freigegeben ist, verrat ich Euch an dieser Stelle auch, wo  das Ganze stattfand: in Achim hinterm Bootshaus. Das Fleckchen bietet so viel Platz, dass auch Kinder sich ordentlich austoben können. Ball kicken, Seifenblasen hinterherspringen, Fangen spielen – alles bestens Möglich. Sogar Parkplätze gibt es in Fußweite. Ein phantastischer Ort für  privat organisierte Freiluft-Treffen.

Fazit: Es ist schon ein deutlich größerer Aufwand, wenn man mit Tisch, Stühlen, Porzellan und Kerzenhaltern loszieht, um ein Picknick zu machen. Und es ist auch eine Herausforderung, sich ganz in Weiß zu kleiden, wenn draußen nur 18 Grad sind. Ja, solch ein White Dinner verlangt etwas mehr Zeit und Gerödel als einfach nur nett essen zu gehen oder mit einem SixPack auf einer Party vorbeizuschauen. Aber für all das wird man eben auch doppelt belohnt. Mit einem malerischen Anblick und einer außergewöhnlichen Atmosphäre. Und letztlich gilt ohnehin die goldene Freundschaftsregel:  Wenn sich eine Freundin zum Geburtstag von Herzen wünscht, ein White Dinner mit ihren Freunden zu erleben, dann realisiert man es ihr. Punkt!

Erzählt mal, habt Ihr auch schon mal ein White Dinner erlebt? Oder gar ausgerichtet? Und wann gibt´s das endlich mal in Bremen? Ich käme auf jeden Fall vorbei.

Sandra

Sandra

Seit 2008 blogge ich nordisch-frisch über meine Heimatstadt Bremen und alle Regionen, in denen eine steife Brise weht und man lieber in Strandkörben als auf Designermöbeln Platz nimmt. Für Nordseeinseln schlägt mein Herz dabei besonders laut. Noch lauter allerdings für den Lütten, der seit Februar 2016 mein Leben auf wunderbare Weise auf den Kopf stellt.

One thought on “Ganz in Weiß. Oder auch: Ein White Dinner in Achim

  1. Meine liebe Sandra,
    ich danke Dir für diesen schönen Bericht und die tollen Bilder. Es war für mich einer der schönsten Geburtstage und ich bin gerührt, dass so viele den Aufwand auf sich genommen und zum Gelingen dieses Nachmittags/Abends beigetragen haben. Und natürlich dass nach dem Hin und Her des Wetters in den letzten Wochen…Tagen…Stunden davor doch tatsächlich um Punkt 17 Uhr die Sonne auf die weiße Tafel strahlte. Ich hoffe, meine Geburtstagsidee, Dein Bericht und die Bilder können einige davon überzeugen, mehr spontane Picknicks ins Leben zu rufen. Und es gibt ja noch soooo viele andere Farben außer Weiß. 😉

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