Work is not a Kinderspiel #7. Oder auch: Interview mit Lisa von Steinkopf handmade und ichsowirso

So, es ist wieder mal an der Zeit für ein Interview der Reihe „Work is not a Kinderspiel“, meint Ihr nicht auch? Regelmäßig lasse ich selbständige Mütter zu Wort kommen, wann und wie sie ihren beruflichen Wiedereinstieg nach dem Wochenbett gestaltet und welche Tipps sie rückblickend für andere Mompreneurs haben. Heute geht’s gleich doppelt zur Sache: Lisa vom Blog ichsowirso ist nämlich Zwillingsmama. Und, na klar, selbständig. Mit dem Label Steinkopfhandmade und als Kopf vom feingemacht Designmarkt.

Lisa, wie lief es gerade mit Steinkopfhandmade als Du schwanger wurdest?

Meine Schwangerschaft war sowieso eine sehr turbulente Zeit. In den ersten fünf Monaten wusste ich nichts von meiner Schwangerschaft und habe mich mit Herz und Seele in die Vorbereitungen meiner Hochzeit gestürzt und eher so nebenbei gearbeitet. Nein, das stimmt nicht ganz, alles lief weiter wie gehabt aber mit dem Kopf war ich eher beim Brautkleid und der Gästeliste als bei Mützenschnitten und Fotobearbeitung.

Als wir dann von unserem doppelten Glück erfahren und den ersten Schock überwunden haben, stand die Hochzeit quasi vor der Tür und eigentlich erst nach den Flitterwochen wurde uns so richtig klar, dass der Entbindungstermin nur noch wenige Monate vor uns liegt. In diesen Monaten ist der Job dann etwas auf der Strecke geblieben. Bestellungen habe ich trotzdem bearbeitet und unsere angemeldeten Märkte auch noch hochschwanger durchgeführt. Aber natürlich mit Unterstützung.
Ein lang geplantes Projekt für dieses Jahr war der feingemacht Designmarkt, der einmal im Jahr in Hamburg statt findet und dessen Termin auch nicht mehr zu ändern war. Ich dachte, der Markt würde kurz nach der Geburt stattfinden. Bis dann meine Löwenjungs 5 Wochen zu früh kamen und wir alle noch im Krankenhaus lagen als mein Jahresprojekt anstand. Eine aufregende Zeit.

Wusstest Du sofort, wie Du nach der Geburt beruflich weiter machen würdest oder hast Du über diese Frage lange gegrübelt?


Bei mir war das ziemlich klar. Mein Mann hat damals für das eine Zwillingskind Elternzeit genommen und so konnten wir ein Jahr gemeinsam verbringen. In diesem Jahr haben wir viel gegrübelt und uns entschieden, dass mein Mann nach der Elternzeit bei mir mit einsteigt und wir in Zukunft alle Projekte gemeinsam wuppen.

 

Aus welchen Gründen hast Du Dich damals gegen eine klassische einjährige Babypause entschieden?

Die Angst, dass alles, was ich mir in den letzten Jahren aufgebaut habe, in diesem Jahr zunichte gemacht wird. Kundenkontakte, das Netzwerk, die Bekanntheit. Das kann man ja nicht einfach pausieren und nach einem Jahr wieder da anknüpfen, wo man aufgehört hat. Und da ich ein Ein-Frau-Unternehmen bin, konnte ich meine Aufgaben auch nicht übergeben. 

Wie hast Du Dir den Joballtag anfangs vorgestellt und was davon hat so gar nicht geklappt?

Da mein Mann auch Zuhause war, habe ich gedacht, wir kriegen das schon hin. Immer wenn die Kinder schlafen, kann ich ja arbeiten oder der Papa kümmert sich um die Kinder. Das wird schon. Da wusste ich noch nicht, dass ich nachts nicht mehr schlafen, ich tagsüber so gerädert bin, dass mein Kopf nur Matsch ist, und ich selber einschlafe sobald die Kinder schlafen. Meine Energie brauchte ich einfach für mich und die Kinder. Und auch der Papa kann nicht zwei kleine Kerle wuppen, die mit Bauchschmerzen durchs Wohnzimmer getragen werden wollen.

Wie hast Du darauf reagiert? Was hast Du verändert?

Ich habe das Label auf ein Minimum runter gefahren. Anfallende Bestellungen und Anfragen habe ich weiterhin bearbeitet. Einmal die Woche habe ich dann einen Arbeitstag eingelegt und mein Mann hat Unterstützung von meiner Mama bekommen. Aber ich habe nichts voran gebracht, keine neuen Shooting oder Kollektionen. Aber den feingemacht Desginmarkt, den haben mein Mann und ich trotzdem organisiert und durchgeführt. Da waren die Löwen dann aber auch schon ein knappes Jahr.

 

Wie sieht ein typischer Arbeitstag heute bei Dir aus? Gibt es überhaupt einen?

Von de Arbeitszeiten gibt es einen sehr typischen Ablauf. Der Starten gegen neun, wenn die Löwen in der Kita sind und endet gegen drei, wenn ich oder mein Mann die Löwen wieder abholen. Dazwischen ist mein Alltag voller Todo-Listen aus verschiedenen Projekten. Das Label, der Markt und mein Blog sind ein straffes Programm. Ich muss mich wirklich gut sortieren und die Aufgaben alles Projekte priorisieren, damit ich mich nicht völlig verzettel. Das schaffe ich eigentlich ganz gut, und trotzdem habe ich oft das Gefühl nur Zeit für die Nötigsten Dinge zu haben und für alles andere was mal darüber hinaus geht, habe ich einfach keine Kapazität.

Ohne wen oder was würde die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deinem Fall nicht klappen?

Ohne meinen Mann an meiner Seite und ohne meine Mutter würde hier gar nichts gehen. Die Löwen sind jetzt drei und immer noch ist der Alltag mit beiden alleine oft anstrengend und man ist froh, wenn man zu zweit ist. Und mein Mann und ich sind froh auch mal Kraft zu tanken und etwas Zeit zu zweit zu haben, wenn meine Mama im Einsatz ist. Aber nicht nur das, da mein Mann und ich eigentlich alle Projekte zusammen machen, sind wir oft auch gemeinsam beruflich unterwegs und dann ist meine Familie immer die Rettung!

Hat die Tatsache, dass Du Kinder im Doppelpack hast, irgendeinen Einfluss auf Dein Arbeiten?
Ja schon, dadurch, dass es einfach super anstrengend mit den Löwen alleine unterwegs zu sein, versuchen mein Mann und ich die Nachmittage gemeinsam zu verbringen, das bedeutet aber natürlich auch, viel weniger Arbeitszeit zur Verfügung zu haben. Oft sehne ich mich danach, einfach mal das Gefühl zu haben, ohne Stress arbeiten zu können. Ich gucke so oft auf die Uhr und frage mich, ob ich das noch schaffe, bevor wir die Kinder abholen. So macht man irgendwie vieles immer so schnell schnell und das ist ganz schön anstrengend auf Dauer.

Dein ultimativer Tipp an andere schwanger Selbständige, wie der Wiedereinstieg in den Job gut klappt?

Ich glaube gerade für uns Selbstständige ist das Wichtigste, Hilfe anzunehmen und das Kind ein bisschen gehen zu lassen. Sich einen Kreis aus zwei drei Menschen aufzubauen, die das Kind gut kennen und dem man es anvertrauen kann, wenn man selber mal nicht alles schafft! Genauso aber auch zu lernen, die Arbeit einfach mal Arbeit sein zu lassen und sich in der Zeit, in der man zu Hause ist auch ganz darauf einzulassen. Und alle Momente nutzen, um Kraft zu tanken!

Danke Dir, Lisa!

Lisa hat auf ihrem Blog übrigens die zauberhafte Reihe „Schlafgeschichten“ gestartet, in der verschiedene Familien sowohl Einblicke in ihre Zu-Bett-Geh-Rituale geben als auch eigne Gute-Nacht-Geschichten (als Audio) zur Verfügung stellen. Ich finde diese Idee wirklich schön, weil ich immer auf der Suche nach neuen Geschichten zum Vorlesen und seit Neustem auch zum Hören bin. Freue mich daher sehr auf die Fortsetzung von Lisas Serie.

Ihr habt Interviews aus der Work is not a Kinderspiel-Reihe verpasst? Dann schaut einmal in die Übersicht und lest kluge Gedanken von Frauen wie Ninia LaGrande oder  Rike Drust.

 

Sandra

Sandra

Seit 2008 blogge ich nordisch-frisch über meine Heimatstadt Bremen und alle Regionen, in denen eine steife Brise weht und man lieber in Strandkörben als auf Designermöbeln Platz nimmt. Für Nordseeinseln schlägt mein Herz dabei besonders laut. Noch lauter allerdings für den Lütten, der seit Februar 2016 mein Leben auf wunderbare Weise auf den Kopf stellt.

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