Fastenbrechen

Wann haben Euch ein Apfel und eine kleine Portion ungesalzener Kartoffelbrei zuletzt so richtig glücklich gemacht? Mich gestern. Die ersten „Mahlzeiten“ nach fünf Tagen Heilfasten sind einfach wunderbar!

Ja, ich hab´s tatsächlich geschafft. Ich würde lügen, wenn ich jetzt kühn behauptete, dass ich daran keinen Zweifel gehabt hätte. Und ganz ehrlich: Hätte der Liebste nicht so tapfer mitgemacht, wäre ich bestimmt zwischendurch eingebrochen. Daher kann ich jedem, der so etwas noch nicht gemacht hat und Angst vorm Durchhalten hat, nur empfehlen, sich einen Mitstreiter zu suchen.

Zwangsläufig habe ich mir in dieser Woche sehr viel Gedanken ums Essen gemacht. Was ich esse, wann ich esse, wozu ich esse, wo ich essen gehe… Eines wurde schnell deutlich: Essen passiert in meinem Leben häufig beiläufig und alles, was damit zu tun hat, ist für mich meistens lästige Pflicht. Damit meine ich das Einkaufen, das Kochen, das Einräumen des Geschirrspülers, das Im-Blick-Halten des Kühlschrankinhaltes. Da all das viel Zeit einnimmt, vor allem im Verhältnis zum Akt des Essens an sich, täte ich gut daran, ein anderes Verhältnis dazu zu entwickeln. Und eine Woche Verzicht hilft da durchaus. Denn plötzlich freue ich mich darauf, wieder etwas einkaufen zu dürfen. Wieder den Abendbrottisch einzudecken. Aus der Pflicht wird auf einen Schlag ein Geschenk. Nun gilt es, das nicht in ein paar Tagen wieder zu vergessen.

Wie sehr wir verführt werden, Dinge zu uns zu nehmen, die unseren Stoffwechsel unnötig belasten, ist mir auch schnell aufgefallen. So ist es ja immer: Wer schwanger ist, sieht plötzlich nur noch Kinderwagen. Und wer wie ich Lust auf essen hat, sieht überall Bäckereien und Schokoriegel an der Drogeriekasse. Schaut auch mal genau hin, wie viele Angebote Euch auf Eurem täglichen Weg begegnen. Dönerbuden, Kioske, Suppenbars, Sushi-Bars, Inder, Griechen, Bratwurststände…. Es sind unfassbar viele. Darunter auch gute, keine Frage, aber eben mehr, deren Angebote den Körper belasten. Und wir haben eben keine Not, etwas zu bekommen. Für uns ist es zu jeder Uhrzeit ein Leichtes, sich etwas reinzuschieben. Und sei es, dass man ein Du darfst-Mikrowellen-Gericht an der Tanke kauft. Wie privilegiert wir sind. Wie gequält hingegen Menschen, die stets Hunger leiden.

Ich esse keine Döner, mache mir so gut wie nie Fertiggerichte und kaufe auch nicht jeden Tag was Süßes. Eigentlich ernähre ich mich zufriedenstellend. Aber ich back mir durchaus mal eine Fertigpizza, esse gern Chips und will am Wochenende Kuchen. Das war mir immer ein Dorn im Auge. Am Ende der Fastenzeit habe ich dazu eine überraschende Haltung entwickelt: Ich erlaube mir dieses Soulfood künftig. Nicht häufiger und möglichst auch in kleineren Portionen, aber ohne schlechtes Gewissen. Ich brauch das hier und da! Und solange ich an anderen Stellen den Geist dieser Woche bewahre, ist das vollkommen okay.

Denn natürlich hab auch ich mir etwas vorgenommen. Ich möchte gesünder frühstücken und am Abend weniger schwer essen. Erstes wird leicht gelingen, für Zweites muss ich mir noch irgendwas einfallen lassen. Denn das Abendessen ist immer Paarzeit, wo man gemütlich zusammensitzt und sich austauscht. Da passt Rotwein und Pasta eben immer ganz gut. Und manchmal eben auch eine Pizza oder Gulasch mit Spätzle. Irgendwie eben die schweren leckeren Sachen. Außerdem sind die Tage manchmal so anstrengend und lang, dass man wenig Lust hat, sich noch ewig an den Herd zu stellen. Womit sich der Kreis schließt: Statt lästiger Pflicht müsste das schon Teil des Genusses werden. Tipps dazu und zu leckeren Frühstücksrezepten nehme ich übrigens SEHR gern entgegen. Meine erste Amtshandlung in Sachen „Damit der Aufenthalt in der Küche zum Vergnügen wird“ war das Stöbern in Kochbüchern. Eines ist dann auch tatsächlich von der Buchhandlung an den heimischen Herd gewandelt, nämlich „schnell, frisch, einfach“ von Donna Hay. Das Layout ist Soulfood für die Augen, das Buch daher ein guter Grund, mehr Zeit in der Küche zu verbringen.

Welche positiven Effekte ich körperlich gespürt habe und welcher Begleiter neben einem Menschen, der motiviert, in solch einer Fastenzeit überhaupt nicht fehlen darf – das berichte ich Euch ganz bald!

About Sandra

Ich schreibe hier über drei Dinge, die mich jeden Tag aufs Neue beschäftigen: meine Heimatstadt Bremen, meine berufliche Selbständigkeit und mein Alltag als Mutter eines Kleinkindes. Was mir am Herzen liegt: Euch anzustiften! Zu Unternehmungen an der Weser, zu Mut im Berufsleben und zu einem humorvoll-offenen Herzen für Eure Kinder. Allen Herausforderungen zum Trotz. Dass es nicht immer einfach ist, Familie und Job zu vereinbaren, darum geht es hier nämlich auch ab und zu.

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