R wie Ravioli in der Blogroll

„Setzt es einen nicht unter Druck, regelmäßig etwas veröffentlichen zu müssen? Immer kreativ zu sein? Gerade, wenn man sich die vielen anderen tollen Blogs anschaut?“ – so fragte mich gestern Jumana Mattukat im Interview. Wie das obige Bild zeigt, bin ich beim Nachdenken über eine Antwort nicht in mich zusammengefallen, obgleich sie lautete:

ABSOLUT!“

Wer von Euch fragt sich nicht hin und wieder, wie es berufstätige Mütter von drei Kindern schaffen, jeden zweiten Tag über aufwändig verzierte DIY-Basteleien oder famose Backwaren zu posten? Woher Berliner Fashionvictims die Energie nehmen, auf jeder hippen Veranstaltung zu sein, phänomenale Videos davon online zu stellen und auf jedem Instagram-Foto blendend auszusehen? Wieviel Geld manche junge Pärchen haben müssen, um sich so gekonnt mit Design-Möbeln einzurichten? Und warum – verflixt noch mal – es bei allen anderen in der Küche immer wie geleckt aussieht und die Geschirrtücher stilsicher auf die Tassen im Regal abgestimmt sind? Also ich frag mich das.

Meine Freundin Svenja auch. „Zwischen Faszination und Frustration“ pendelt ihr seelischer Zustand laut eigenen Angaben, wenn sie 27 Tabs auf dem iPad offen hat, die alle prall mit Kreativität gefüllt sind. Dann wünscht sie sich ein klassisches Kochbuch zurück: „Das hast Du irgendwann durch, klappst es zu und weißt, was drin ist, wenn Du mal was brauchst. Blogrolls sind hingegen teuflisch. Du verlierst Dich völlig und fragst Dich am Ende, was in Deinem Leben nicht stimmt. Bei all den Talenten, die Dir begegnen“. Und das aus dem Munde einer ebenfalls Kreativen. Einer gut organisierte noch dazu, wie ich bescheinigen darf. Haus, Garten, Kind, Beziehung und Job jongliert sie souverän und mit viel Humor – niemand, der sich verstecken muss. Das Haus immer blitzeblank, das Kind gut erzogen. Während ich heute morgen im Bad Spinnweben in der Ecke erblickte und mir manchmal Ravioli aus der Dose machen.

„Setzt es einen unter Druck?“ Ja, wenn man daran glaubt, dass es in der Hochglanz-Blogosphäre keine Spinnweben gibt. Und keine Ravioli. Aber ganz ehrlich – daran glaub ich nicht. Lifestyle und Daily-Blogs sind das „Best of“ unseres Alltags. Oder lest Ihr regelmäßig davon, dass jemand Zimtschnecken erst dreimal backen musste, bevor sie so aussahen, wie man sie haben wollte? Oder dass der kleine Wonneproppen von Sohn sich mal wieder die ganze Nacht übergeben hat? Eher selten, oder? Erfrischende Abwechslung sind Blogs, die auch mal über die Fauxpas des Lebens berichten. Die zugeben, dass sie „Partypupser“ sind (so wie ich es schon immer war). Oder feststellen, dass es mit der inneren Gelassenheit manchmal so gar nicht klappt. Denn diejenigen, die das tun, schreiben das meist mit viel Witz und können über sich selber lachen. Wer nach außen hin Perfektion ausstrahlen möchte, tut das eher nicht.

Ist nun irgendetwas davon zu verurteilen? Nö! Macht alle weiter wie bisher. Wer nicht gelassen mit den Schultern zucken und „Nö, ich kann keine Kommode im Shabby-Chic aufbereiten und anschließend eine exzellent aufeinander abgestimmte Osterdeko drauf drapieren. Na und?“ sagen kann, der sollte keine Blogs lesen. Denn dann ist die Blogroll-Depression vorprogrammiert. Das ist genauso, wie ich jeden Sommertag beim Blick vom Balkon aushalten muss, dass der Garten meiner Nachbarin zigfach schöner ist als unserer. Ist eben auch mein erster Garten. Und wir leben erst ein Jahr mit ihm. Vielleicht sieht er in zwei Jahren schon genauso schön aus?

About Sandra

Ich schreibe hier über drei Dinge, die mich jeden Tag aufs Neue beschäftigen: meine Heimatstadt Bremen, meine berufliche Selbständigkeit und mein Alltag als Mutter eines Kleinkindes. Was mir am Herzen liegt: Euch anzustiften! Zu Unternehmungen an der Weser, zu Mut im Berufsleben und zu einem humorvoll-offenen Herzen für Eure Kinder. Allen Herausforderungen zum Trotz. Dass es nicht immer einfach ist, Familie und Job zu vereinbaren, darum geht es hier nämlich auch ab und zu.

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