Sie hatte etwas Zeit, sich zurechtzumachen. Vorsichtig zog sie den Lidstrich und war wieder einmal überrascht, wie effektvoll so eine schwarze Linie entlang des oberen Wimpernrandes sein kann. Tiefer werden die Augen. Präsenter. Ihr gefällt´s. Ein wenig Rouge, ein bißchen Lippenstift, die Wimperntusche nicht zu vergessen. Zufrieden schaut sie in den Spiegel, in dem sich plötzlich etwas bewegt. Sie selbst ist es nicht, aber im Abbild des Gartens, das sich auf der blanken Fläche zeigt, herrscht plötzlich Leben. Sie dreht sich um Fenster, neigt den Oberkörper etwas nach unten, um einen freien Blick durch das vom Plissée freigegebene Glas zu haben. Ein Eichhörnchen. Quietschzufrieden huscht es über den Rasen, hält inne, dreht sich in die andere Richtung, kraxelt auf den Baum, von dem es später wieder hinunterflitzt. Idylle inmitten der Großstadt. Flink wie das Eichhörnchen huscht das zufriedene Gefühl, ein Zuhause zu haben, durch ihren Brustkorb. Einen Ort, der Rückzug und Freiheit zugleich ist. Wo sich die Liebe wohl fühlt und der Müßiggang einlädt.
Eine Heimat.
Das ist wunderschön geschrieben…