Wilde Geschäftigkeit inmitten von Telefonklingeln, Gesprächsfetzen und Geräuschwirrwarr. Pulsschlag und Aktivitätsgrad wetteifern um die höhere Zahl, 120 Prozent im Dauerrepeat. Schnell in die Jacke mit Blick auf die Uhr, die Füße traben in überschlagendem Tempo die Stufen hinunter, mit den Gedanken schon bei der nächsten Aufgabe, mit den Augen auf dem Handydisplay. Das Lesen der Mails im Treppenhaus stiehlt die Orientierung bei den Stockwerken. Egal, unten ist, wo der Ausgang sich auftut.
Wasserkocher in die Steckdose, eine Hand in die Einkaufstasche gesteckt, mit der anderen noch schnell die Armaturen übergewischt. Zeitungslesen nicht vergessen. Und die Wäsche dürfte gleich fertig sein. Montag hat K. Geburtstag, dringend ein Geschenk besorgen. Auf dem Weg ins Bad schnell noch die Socken eingesammelt und über den nach wie vor ungeschruppten Balkon geärgert. Das Teewasser dann doch vergessen, weil beim Blick ins Schlafzimmer das Beziehen der Betten zwingend nötig erschien und die Waschmaschine dann auch fertig war. Zu spät für Tee, das Abendessen muss langsam mal vorbereitet werden.
In der Mittagspause am besten noch was Sinnvolles erledigen. Die Steuererklärung bei Finanzamt vorbeibringen wäre gut. Ach, kurz noch bei der Bank vorbei, denn ohne Moos nichts los. Irgendwas muss auch schnell noch in den Magen. Was auf die Hand beim Laufen, haps haps haps. Weg ist es schon. Das Handy meldet eine Mail. Die Ampel ist rot, aber kommt denn überhaupt ein Auto? Die Mail bitte, den Absender möglichst schnell anzurufen. Kann ich doch jetzt auf dem Weg zum Finanzamt eben mach. Nummern tippen, über vermeintlich lebendbedrohliche Deadline informiert werden, den Umschlag dabei einstecken – war das jetzt eigentlich der richtige Briefkasten?
PAUSE?
MUßE?
PAUSE!
MUßE!
Mein Leben ist zu schnell. Zu voll. Durch Multitasking zur Oberflächlichkeit verdammt. Ich kann gar nicht mehr langsam. Drei Minuten auf dem Balkon in der Sonne – und was jetzt? Dasitzen und nichts tun – das geht doch nicht. Schnell, mehr, weiter. Pflichten abarbeiten. Husch husch!
Mein Leben soll langsamer werden. Bewusster. Gesünder. Entspannter. Entspannt? Wie geht das eigentlich noch mal? Angespannt, ja, das kann ich hervorragend. Aber mahnend standen die Worte gestern in einem kleinen Büchlein, das verschenkt werden soll:
Anspannung ist das, was du denkst,
was du sein solltest.
Entspannung ist das, was Du bist.
Den Kontakt zu dem, was wir sind, verlieren wir so häufig im Alltagsstress. Stress all over. Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Ich beneide die Menschen, die in einem Straßencafé sitzen. Nur sitzen. Nicht lesen, nicht telefonieren, nicht rauchen. Einfach nur dasitzen und zufrieden aussehen. Mache ich dies länger als 5 Minuten, bekomme ich Fluchtgefühle. Beklemmungen. Verfolgungswahn, alle würden mich beim Nur-Dasitzen irritiert und abschätzig beobachten.
Entspannung finden ist die derzeitige Aufgabe. Das Nichtstun aushalten lernen. Herumschildkröten. Und am Ende die Freude darüber genießen, dass der Körper und Geist plötzlich mehr Kraft haben.


Ich habe mehrere dieser Büchlein käuflich erworben.