Familienfeier im Hause Hermansson. Hausherr Karl-Erik und Frau Rosemarie haben eingeladen und die Sprösslinge folgen: Tochter Ebba und Leif zusammen mit den jugendlichen Söhnen Kristoffer und Hendrik, Kristina und Jakob mit Kleinkind Kelvin sowie das kinderlose schwarze Schaf der Familie, Wichs-Walter. Der ganze Familienclan, aber auch die verschiedenen Beziehungen zwischen Ehepaaren und Verwandten ringen mit feinseligen Gefühlen und Verletzungen der Vergangenheit und Gegenwart. Mordphantasien wechseln mit unterdrückten sexuellen Sehnsüchten, belegte Brote mit viel zu viel Alkohol. Es sind nur noch wenige Tage bis Weihnachten und alle bemühen sich um den Schein von Besinnlichkeit. Vergebens.
Fast schon erlösend scheint es, dass sich plötzlich ganz konkrete Probleme auftauchen, mit denen sich die Versammelten beschäftigen können: Walter verschwindet spurlos, einen Tag später sein Neffe Hendrik. Zufall oder Zusammenhang? Das bleibt auch für den Leser lange unklar, obgleich er immer ein bißchen mehr weiß als Inspektor Barbarotti. Und gerade das ist eine der Stärken des über 500 Seiten starken Romans: gerade der Wissensvorsprung verführt zum Weiterlesen. Der kapitelweise Sprung von einer Romanfigur zur anderen erzeugt währenddessen keine Unruhe, sondern einen abwechslungsreichen Spannungsbogen, der am Ende dann an Geschwindigkeit zunimmt. Mir ist das auf den letzten 50 Jahren im Vergleich zum Rest zu schnell und gewollt, aber viel mehr gibt es an „Mensch ohne Hund“ von Hakan Nesser nicht zu meckern.
Lesen lohnt sich! Für die ARD wurde der Stoff übrigens verfilmt.
