Lieber Sommer,
ich wollte nicht ungeduldig erscheinen und habe daher lange Zeit gezögert, diese Zeilen zu schreiben. Es schien mir übereilt, Dich für die fehlenden Balkonabende und die verstaubte Sonnenbrille zu verfluchen, ohne Dir eine Chance auf späte Einsicht zu lassen. Ich Depp habe wirklich noch an Dich geglaubt. Doch was tust Du? Spottest. Schickst uns zum Dank wochenlangen Regengüsse. Weckst Sehnsüchte, indem Du die Sonne vereinzelt durch die Wolken blicken lässt, um zwei Stunden später doch wieder alle mit nassen Füßen zu bestrafen, die mit Sandalen auf die Straße gegangen sind. Zeigst uns eine meteorologisch eine lange Nase.
Deutschland ist blass. Die Sonnenmilch-Industrie am Ende. Die Organisatoren von Freilufterlebnissen deprimiert. Kindern sitzen sechs Sommerferienwochen lang in der Bude, glotzen Fernsehen und gehen ihren Eltern auf die Nerven. Meine Sommerkleider müssen schockiert mitansehen, wie ich Tag für Tag Socken und Cardigans aus dem Schrank ziehe. Statt kaltem Bier an einem heißen Tag gibt es heißen Tee an kalten Abenden. Statt Eis am Stiel den Regenschirm in der Hand.
Lieber Sommer, Du bist ein Arschloch!
Du winkst ab? Dann schau einmal in den Spiegel:





