Belächelt habe ich sie. Gespottet. Den Kopf geschüttelt. Es kann doch nun wirklich nicht sein, dass sich Menschen am Kosmetikregal oder der Joghurttheke von Schlagworten wie „Nur diesen Sommer“ oder „by Heidi Klum – nur solange der Vorrat reicht“ blenden lassen. Pff, es ist doch offensichtlich, dass da eine Marketingabteilung händeringend nach einer Möglichkeit gesucht hat, Altbewährtes in neuem Outfit an den Mann zu bringen. Lächerlich, da mitzuspielen und wohlmöglich noch mehr Geld dafür zu bezahlen.
Und dann kommt der Moment, in dem Du weißt: Ab heute wirst Du niemals mehr spotten dürfen. Nie mehr von oben herab die unüberlegten Kaufhandlungen anderer verurteilen können. Es ist der Moment, in dem Du selbst in die Konsumfalle tappst. In dem Dein Unterbewusstsein auf die eigentlich so durchschaubaren Impulse reagiert. Und dann sogar noch bei einem Produkt, das in der Hierarchie der Alltagsgegenstände zwar einen wichtigen, aber eben doch einen ästhetisch unbedeutenden einnimmt.
Es ist der Augenblick, in dem Du einen DM-Markt verlässt. In der Hand eine Packung Toilettenpapier. Die „Denk mit“-Sommeredition. Limitiert, versteht sich. Und das nur, weil Du in einem schwachen Moment vor dem Regal diesen Gedanken hattest: „Wow, die Farben passen ja hervorragend zu meinem Duschvorhang.“ Und dann weißt Du, es kann nur eines geben, was noch schlimmer ist: Eine Jubiläums-Reise bei Adler buchen, weil Birgit Schrowange vermeintlich persönlich das Werbeanschreiben signiert hat!