Die Klimax im PR-Alltag

Halb zwölf hatten sie gesagt. Oh Mann, jetzt ist es zehn nach 11. Nun gut, hilft nichts, so sind sie eben die Fernsehleute, kommen dann, wenn man nicht damit rechnet. Sie beißt die Zähne zusammen, setzt ein Lächeln auf und geht dem SAT1-Team entgegen.
Es ist der große Tag, auf den sie so lange hingearbeitet hat. Der Abschluss einer intensiven Arbeitsphase, der zugleich den Auftakt der Kampagne markiert. Es ist der Tag der Pressekonferenz. Alle haben sich angesagt: die Fernsehsender, die Radiostationen, die Zeitungen. Das Feedback war überwältigend. Erwartungsgemäß stand ihr der bislang größte Pressetermins ihrer PR-Laufbahn bevor. Erwartungsgemäß ging schon im Vorfeld etwas schief. Sie war krank und fühlte sich fiebrig. Egal, lächeln!
„Wir würden den O-Ton mit Ihnen gern schon jetzt machen“, sagt der SAT1-Redakteur sogleich. Er hat eine prägnante unverwechselbare Stimme. Sie ist im späteren Beitrag sofort wiederzuerkennen. „Na klar, kein Problem“, klingt es aus ihrem Mund. „Um Gottes Willen, der Raum für die PK ist noch nicht fertig, in 50 Minuten geht´s los, ich habe dafür nun echt keine Zeit“, tönt es in ihrem Kopf. Es bleibt ihr nichts anderes übrig: Ab vor die Kamera und auf das Können des Azubis hoffen!
Nach und nach kommen die Schreiberlinge, Interviewjäger und Fotografen. Projektbeschreibung für die ansässige Zeitung, Einweisung der Fotografen in den Ablauf, Begrüßung für den Senator.

12 Uhr. Rauf aufs Podium, letzte schnelle Absprache mit dem Geschäftsführer: Go!

Es ist die ruhige halbe Stunde der Pressekonferenz. Die halbe Stunde, in der gesprochen wird. In der nur das Klicken der Kameras aus dem Publikum zu hören ist. Es läuft gut, alle sind in ihrem Element. Sie auch. Fühlt sich allerdings heute strenger und ernster bei ihrem Vortrag als sonst. Keine Pointen, keine Schmunzeln im Publikum. Für humoristische Ausflüge reicht die Kraft doch nicht mehr. Aber für das Nötigste ist gesorgt.
Kaum ist die letzte Frage beantwortet, beginnt die Hektik jedoch von vorn. Die Journalisten strömen wie auf Befehl plötzlich alle aufs Podium zu, stellen andere Fragen, äußern ihre Drehwünsche, zerren an den Beteiligten. „Wir bräuchten Sie hier nochmal.“ „Ich würde noch gern einen O-Ton aufnehmen.“ „Wo ist denn der Senator?“ „Können wir die Szene mit einer Angestellten nachstellen?“ Wusel, wusel, wusel. Keine Chance, durchzuatmen und sich den Menschen zu widmen, die man gern noch sprechen würde. Die sind dann auch verschwunden, als sie eine Stunde später den Beamer abbaut. Plötzlich steht ein Mann neben ihr. „Ich hätte da mal eine Frage. Haben sie das extra gemacht? Das Podium vor eine Spiegelwand zu stellen? Ich bin auch Pressesprecher und habe mir diese Frage gestellt.“

Nein, hat sie nicht. Denn bei aller PR-Strategie sind manche Antworten dann doch ganz einfach: Es war der einzige freie Raum an diesem Tag.

About Sandra

Ich schreibe hier über drei Dinge, die mich jeden Tag aufs Neue beschäftigen: meine Heimatstadt Bremen, meine berufliche Selbständigkeit und mein Alltag als Mutter eines Kleinkindes. Was mir am Herzen liegt: Euch anzustiften! Zu Unternehmungen an der Weser, zu Mut im Berufsleben und zu einem humorvoll-offenen Herzen für Eure Kinder. Allen Herausforderungen zum Trotz. Dass es nicht immer einfach ist, Familie und Job zu vereinbaren, darum geht es hier nämlich auch ab und zu.

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