Logbuch unserer Kita-Eingewöhnung. Oder auch: Ran an den Frühstückstisch.

Im „Logbuch unserer Kita-Eingewöhnung“ erzähle ich ein bisschen davon, wie es dem Lütten (18 Monate beim Schreiben dieser Beiträge), aber vor allem mir beim Kita-Start ergeht. Auch wenn jede Eingewöhnung so individuell ist wie das jeweilige Kind, tut der Erfahrungsaustausch auf diesem Wege anderen Eltern vielleicht gut. Heute geht´s um die Phase, in der der Zeitraum des Kita-Besuches deutlich erweitert wurde und der Lütte bereits zum Frühstück kam. Um Tag 7 und 8.

Tag 7: Essen und rausgehen – perfekte Kombi

Hoppla. Normalerweise sitzen der Lütte und ich gegen 8 Uhr in der Küche und frühstücken. Heute müssen wir um diese Zeit fast ausgehbereit sein. Nachdem wir sechs Tage lang um 10 Uhr mit der Eingewöhnung starteten, geht es heute zur regulären Zeit los. Zum ersten Mal Morgenkreis, zum ersten Mal Frühstück mit den anderen. Zum ersten Mal „Husch husch, heute dürfen wir nicht trödeln“. Ich fürchte, wir Eltern müssen künftig doch ein Viertelstündchen eher aufstehen – grmpfh.

Die Ankunft klappt gut, der Lütte hat wie immer Lust auf das Kita-Getöse. Wir gehen gemeinsam hinein, er schnappt sich einen kleinen Puppenwagen, mit dem er durch die Gegend schiebt, dann nimmt er anderes unter die Lupe. Um 9 Uhr setzen sich alle Kinder mit den Erzieherinnen in den Morgenkreis. Stillsitzen? Dicht an dicht mit den anderen Kindern? Neee, nichts für den Lütten. Wir beobachten die Situation erst aus der Ferne. Als gesungen wird, findet mein Sohn es dann doch ganz spannend und ich merke, dass er zu den anderen möchte, sich aber allein nicht traut. Also setzen wir uns gemeinsam zur Gruppe. Dann folgt das Magnet-Ritual.  Für Euch zur Info: Im Morgenkreis wird immer gemeinsam geschaut, welche Kinder heut da sind und ob jemand fehlt. Dafür gibt es ein Körbchen mit Fotomagneten, für jedes Kind einen. Nacheinander werden die Magneten hochgehalten und wenn das jeweilige Kind da ist, darf es seinen Magneten an die Wand hängen. Am Ende wird gezählt, wie viele Kinder heute da sind.

Der Lütte bekommt große Augen, als das erste Kind einen Magneten anbringt und stellt sich mitten in den Kreis und reckt seinen Arm in Richtung des Körbchens. Am liebsten würde er jeden selbst anbringen, versteht dann aber, dass er das nicht soll. Umso mehr freut er sich, als sein Foto dran ist und geht zielstrebig zur dafür vorgesehenen Wand.

Überhaupt staune ich an diesem Tag, wieviel er prompt versteht: Als nächstes ist gemeinsames Händewaschen dran, danach schnappt sich jeder seinen Rucksack von der Garderobe, um ihn an den Frühstückstisch zu bringen. Der Lütte macht mit, als wäre das alles vollkommen normal für ihn.

Ich sitze neben ihm am Frühstückstisch und freue mich, dass er wie zu Hause alles verputzt. Neugierig lässt er den Blick über das kreisen, was die anderen dabei haben. Ich auch. Von zuckrigen Frootloops bis hin zu selbstgebackenen Pancakes ist alles dabei. Von der Kita gibt es Obst, Gemüse und Milch, Tee bzw. Wasser.

Nach dem Frühstück geht es nochmal Hände waschen – und dann endlich zum ersten Mal raus. Normalerweise macht die Krippengruppe das immer erst, wenn die neuen Kinder drinnen fertig eingewöhnt sind, aber ich hatte dem Team schon gesteckt, dass mein Kind viel lieber draußen als drinnen ist. Daher machen sie es dieses Mal früher. Und tatsächlich lässt sich der Lütte ohne Weiteres in seine Outdoor-Klamotte und seine Gummistiefel stecken, um anschließend mit rauszustapfen. Mama? Wird nicht benötigt.

Ich lümmle mich in ein paar Kissen in der Spielecke und lese ein bißchen. Die erste halbe Stunde inspiziert das Kind draußen das Gelände, erst danach erinnert er sich an mich. Er kommt an die Terrassentür, von der aus man vom Gruppenraum nach draußen kommt, um nach mir zu schauen. Ich setze mich anschließend für ihn sichtbar in die Tür, er stiefelt wieder davon. Kommt immer mal wieder, will nach drin, düst dann aber wieder weg. Nach einer Stunde kehrt die Gruppe zurück und ich merke, dass es für heute für den Lütten genug ist. Schuhe an, Tschüss sagen, ab nach Hause.

Wie jeden Abend der Eingewöhnung klappt das Einschlafen auch an diesem Abend nur schwer. Normalerweise sind wir mit einem „Zähne putzen, Gute-Nacht-Geschichte, 5 Minuten am Bett sitzen und rausgehen, wenn das Kind noch wach ist“- Ablauf in der wirklich wunderbaren Situation, immer noch etwas vom Abend zu haben. Momentan klappt das gar nicht. Mama wird immer wieder verlangt, am Ende liege ich häufig mit ihm in meinem Bett und schlafe in der langen Zeit, in der er dann noch wach vor sich hinsinniert, selbst fast ein. Meist ist es 22 Uhr, bis er tief schläft. Zum Glück sind die Nächte dafür gut. In 2 von 3 Fällen schläft er komplett durch.

Tag 8: Mamas Lagerkoller

8:35 Uhr. Mir ist zum Heulen zumute. Der Lütte tut sich heute enorm schwer, sich auf die Gruppe einzulassen. Hängt sehr an mir, reagiert nicht auf Ansprache der Erzieherinnen, macht immer zwei Schritte hinein in den Krippenraum und dann wieder welche rückwärts zurück. Ich fühle mich hilflos und elend. Liegt auch an der kleinen Erkältung, die ich mit mir rumschleppe, und der nahezu schlaflosen Nacht (nein, der Lütte hat durchgeschlafen, an ihm lag es nicht).

Okay, also gleiches Spiel wie in der Woche zuvor: Wir gehen Hand in Hand hinein. Ich setze mich mal wieder auf den bereitstehenden Stuhl und hoffe sehnsüchtig darauf, dass mein Sohn ein bisschen auftaut. Vergebens. Er weicht nicht von meiner Seite, ergreift angebotene Spielzeuge nur kurz, um gleich wieder auf etwas anderes zu schauen.

9 Uhr, Morgenkreis, wie immer mit Gesang. Als die fröhlichen Melodien erklingen, sehe ich das erste Lächeln im Gesicht meines Kindes. Er beobachtet die Situation, stapft zur im Kreis sitzenden Gruppe, läuft dann aber wieder zurück zu mir. Traut sich nicht. Wir lassen ihn. Dann plötzlich: mitten rein in die Gruppe. Was war geschehen? Aaaaahhh, die Magnetwand! Dieses Ritual fand der Lütte ja bereits am Vortag große Klasse, heute will er dabei unbedingt wieder mitmachen. Eh ich mich versehe sitzt er auf dem Schoß seine Bezugserzieherin, die das Körbchen in der Hand hat, und verteilt die Magnete an seine Gruppen-MitstreiterInnen.

Das Eis ist gebrochen, ab jetzt geht alles gut voran. Hände waschen, Frühstücken, wieder Hände waschen, Regenhosen und Gummistiefel anziehen, ab nach draußen. Der Lütte macht alles gut mit, lässt sich an der Hand einer Erzieherin nach draußen führen. Ich bin mehr oder weniger überflüssig. Halte mich heute sowieso sehr zurück und sitze in einer Ecke, in der ich nicht immer zu sehen bin.

Ich brauche erstmal was für die Nerven. Wie gut, dass im Kinderwagen noch ein Notfall-Schokoriegel wartet. Überhaupt brauche ich seit Kita-Start eine Menge Soulfood. Ich sehe den Lütten draußen in Gummistiefeln herumstapfen und überlege währenddessen, was mit mir heute – zusätzlich zur Müdigkeit – eigentlich los ist. Ich komme zu dem Ergebnis: Lagerkoller! Seit eineinhalb Wochen verbringe ich die Vormittage zwischen Ein- und Zweijährigen. Weiß nicht so recht, was ich in der Zeit machen soll. Ich will den Erzieherinnen nicht das Gefühl geben, sie kritisch zu beäugen, daher schaue ich seit einigen Tagen viel in ein Buch oder höre am Ohr Sprachnachrichten ab. Wenn ich das Handy in der Hand habe, komme ich mir allerdings total blöde vor und habe Angst, dass das Team mich für so eine handysüchtige Mutter hält, die dem Kind bereits jetzt ein Tablet zum Spielen in die Hand drückt – was natürlich nicht so ist. Parallel dazu schaue ich natürlich auch immer, wie sich der Lütte so macht. Und bin mal stolz wie Bolle, mal ein bißchen enttäuscht über sein äußerst reserviertes Verhalten. Dann meldet sich die Mutterliebe in mir, dass ich zu viel von meinem kleinen Knirps erwarte und er doch bei genauer Betrachtung schon richtig viel meistert. Gefühlwirrwarr. Gedankenchaos. Und das alles, während ich mich ein bißchen wie ein Eindringling fühle und extrem kalte Füße habe. Nicht im übertragenen, sondern im ganz konkreten Sinne (Notiz an mich: Endlich mal Schuhe und Socken auf dem Weg in die Kita tragen, damit ich im Gruppenraum nicht immer barfuß stillsitze).

Lange Rede, kurzer Sinn: ICH bin mehr als bereit für eine Trennung. Wie gut es sich da doch passt, dass unsere Bezugserzieherin und ich am Ende des heutigen Tages zu einer gemeinsamen Einschätzung kommen. Wir sind beide der Meinung, dass ich mich morgen zu Beginn des Frühstücks verabschiede. Bis zum Morgenkreis scheint mich der Lütte noch zu brauchen, aber wenn der ritualisierte Ablauf beginnt, könnte er vermutlich gut ohne mich zurecht kommen.

Dafür spricht vor allem, dass der Lütte sich heute in einer Situation, in der er zu weinen begann, weil er mich von draußen kurz sah, aber nicht zu mir konnte, von seiner Bezugserzieherin trösten ließ. Ich habe jedenfalls ein gutes Gefühl und glaube, dass er das morgen meistern kann.

Die bisherigen Beiträge des Eingewöhnungs-Logbuchs verpasst? Hier findest Du sie!

Sandra

Sandra

Seit 2008 blogge ich nordisch-frisch über meine Heimatstadt Bremen und alle Regionen, in denen eine steife Brise weht und man lieber in Strandkörben als auf Designermöbeln Platz nimmt. Für Nordseeinseln schlägt mein Herz dabei besonders laut. Noch lauter allerdings für den Lütten, der seit Februar 2016 mein Leben auf wunderbare Weise auf den Kopf stellt.

One thought on “Logbuch unserer Kita-Eingewöhnung. Oder auch: Ran an den Frühstückstisch.

  1. Vielen Dank liebe Sandra für diese Serie und die Einblicke in eure Eingewöhnung. Morgen geht’s für uns los und mir geht es heute so wie dir gestern… Es kann also nur besser werden 😉 dir eine hoffentlich ruhige Nacht und einen guten Start in die neue Woche! Liebe Grüße Nina

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