Was klemmt da eigentlich?

Jüngst hörte ich beim Radeln um den Werdersee folgenden Dialog zwischen zwei ca. 15jährigen Jungs:

„Und, was macht Du noch?“
„Joah, noch ne Runde drehen und Muschis checken.“

Muschis checken? Ist das das neue Synonym für „eine Freundin suchen“? Scheinbar ja. Von Tabuwörtern oder Schamgefühl keine Spur. Eine ZDF-Reportage unter dem Titel „Generation Porno“ zeigte, dass 14jährige Mädels heutzutage manchmal schon mit 7 Jungs geschlafen haben und die Porno-Sammlung auf dem Handy die Mix-Tapes im Kinderzimmer ersetzt hat. Und es wurde deutlich, dass Sexualität in dieser Generation genauso ein Zeitvertreib geworden ist wie Chatten, Playstation spielen oder bei McDonalds rumzuhängen. Dort, in der berühmten Fast-Food-Bude, sind mir letztens drei Mädchen aufgefallen – aufgedonnert, als würden sie in die Disco gehen wollen. Es war allerdings 18 Uhr am ersten Ferientag. Trotzdem mußte viel Schminke ins Gesicht, viel Haarspray in die Frisur und wenig Stoff an den Körper. Wer hat, der zeigt. Manchmal mehr als man es als wirkliche Frau später tut. Das ist das irre: Schülerinnen wollen durch tiefe Dekoltees und High Heels so tun, als seien sie schon erwachsen. Aber ganz ehrlich: So krass laufen erwachsene Frauen doch meist gar nicht rum. Es ist also vielleicht keine Kopie des erwachsenen Äußeren, sondern das Spiel mit dem, was zum Erwachsenenalter dazu gehört, man als Heranwachsener aber erst noch begreifen muss: Intimität und Sex. Mit den kurzen Röcken und den PushUp-BHs wollen die jungen Mädels beweisen, dass sie schon Frau sind. Dass sie Reize haben und diese auch gekonnt in Szene setzen. Jugendliche, die heute nicht über Analsex, Dildos und SM-Spiele sprechen möchten – oder besser noch: es nicht ausprobieren möchten, geraten schnell in die Spießer-Langweiler-Walldorfschüler-Schublade. „Mann, bist Du verklemmt!“ heißt es dann.

Verklemmt. Paßt dieses Wort in diesem Zusammenhang eigentlich? Wenn etwas klemmt, dann heißt das nichts anderes, als dass der erwartungsgemäße Ablauf blockiert wird. Wenn ein Schloß klemmt, dann ist das eine ungewünschte und unerwartete Situation. Es geht weder vor noch zurück. Ist es ein Zustand des Stillstandes, wenn ein Jugendlicher sich den Besuch im Sex-Shop für die Zwanziger aufhebt oder Gefühl und Körperlichkeit nicht trennen möchte? Wohl kaum. Das ist schlicht eine gesunde Entwicklung, die noch Respekt vor dem Geheimnis der Sexualität, der Fortpflanzung und dem anderen Geschlecht hat. Arm dran sind die, die das alles auf eine Stufe mit einer Playstation-Konsole stellen. Wobei ich glaube, dass Kinder dies auch aus einer gewissen Hilflosigkeit machen. Die Gesellschaft ist zu sehr sexualisiert, als dass sie dem Thema ausweichen können. Irgendwie ist es ja auch gut, dass das alles nicht mehr tabuisiert wird, sondern man den Spaß daran mehr und mehr betont, aber das fatale ist ja, dass die offensive Kommunikation darüber nicht mit Mut und Souveränität einhergeht, wenn es vom Reden ins Tun geht. Scheu und Unsicherheit gibt es nach wie vor – vielleicht noch mehr. Weil das viele Reden darüber den Anschein erweckt, das wäre alles so normal, das man es problemlos in die Tat umsetzen kann. Aber so ist es nicht.

About Sandra

Ich schreibe hier über drei Dinge, die mich jeden Tag aufs Neue beschäftigen: meine Heimatstadt Bremen, meine berufliche Selbständigkeit und mein Alltag als Mutter eines Kleinkindes. Was mir am Herzen liegt: Euch anzustiften! Zu Unternehmungen an der Weser, zu Mut im Berufsleben und zu einem humorvoll-offenen Herzen für Eure Kinder. Allen Herausforderungen zum Trotz. Dass es nicht immer einfach ist, Familie und Job zu vereinbaren, darum geht es hier nämlich auch ab und zu.

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