Individualisten-Scheibe

Die Kaiser Chiefs werfen ein neues Album auf den Markt. Eine außerordentlich erfreuliche Nachricht. Doch muss es tatsächlich sein, dass die neue Scheibe zur individualistischen Bastelstunde wird? Muss ein CD-Cover jetzt tatsächlich selbst gestaltet werden, weil es technisch die Möglichkeit dazu gibt? Und ist es serviceorientiert, wenn der Musikfreund sich im Vorfeld aus 20 Liedern zehn aussuchen darf, die dann auf die in der eigenlayouteten Hülle befindliche CD gepresst werden? Ich sage: Nein!

Ich finde das nicht nur nicht gut, sondern sogar unglaublich traurig. Ich will, dass die Band mich an die Hand nimmt und mir zeigt, wie sie ihr neues Album versteht. Indem sie ein für ihre Begriffe passendes Cover auswählt und die Trackliste mit ihrer Dramaturgie aufbaut. Ich will ins Musikgeschäft gehen, die neue Scheibe kaufen, zuhause einlegen und mich über tolle Lieder freuen und über nicht so gelungene kritisch äußern können. Das, was die Kaiser Chiefs da vermeintlich Gutes für ihre Fans – also auch mich – tun, ist fad, weichgespült und leidenschaftslos. Ein zaghaftes Angebot statt eines selbstbewussten Comebacks. Vielleicht teilen meine Meinung viele junge Menschen nicht. Vielleicht erwarten sie sogar, dass sich alle Disziplinen der Dialog- und Mitmachkultur öffnen. Vielleicht gehöre ich in diesem Sinne schon zur konservativen Generation. Absurderweise will der Albumtitel „The Future is medieval“ so gar nicht zu diesem Web 2.0-Schnickschnack passen…

Offen bleibt für mich die Frage, ob es das neue Album überhaupt ganz schlicht und einfach bei SATURN zu kaufen gibt oder ob ich bei diesem kreativen Allerlei online mitmachen muss. Darauf habe ich so gar keine Lust. Mensch Kaiser Chiefs, ich hatte mich so auf neue Musik von Euch gefreut, aber doch bitte nicht so!

Infos zu The Future is medieval

About Sandra

Ich schreibe hier über drei Dinge, die mich jeden Tag aufs Neue beschäftigen: meine Heimatstadt Bremen, meine berufliche Selbständigkeit und mein Alltag als Mutter eines Kleinkindes. Was mir am Herzen liegt: Euch anzustiften! Zu Unternehmungen an der Weser, zu Mut im Berufsleben und zu einem humorvoll-offenen Herzen für Eure Kinder. Allen Herausforderungen zum Trotz. Dass es nicht immer einfach ist, Familie und Job zu vereinbaren, darum geht es hier nämlich auch ab und zu.

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