Die Rache der Kosmetikindustrie

Es gab da mal so einen Joghurt. Apfel-Birne im 500 Gramm-Becher. Der Becher war nicht ganz rund und in einem samtigen Gelb gehalten. Ein bißchen Hellgrün für die Schrift und die Ränder zeigt er auch. Ich habe ihn vergöttert. Im Schulranzen immer bei mir gehabt. Beim Einkaufen jedes Mal in den Wagen gelegt. Mittleres Fach im Kühlregal, ganz links. Irgendwann dann Tag X: Griff ins Regal und – ins Leere. Er war nicht da. Verspätete Lieferung, momentaner Engpass, dachte ich einige Tage. Doch irgendwann war klar: er würde niemals mehr zurückkehren.

Noch viel schlimmer war jedoch rund zehn Jahre später die Nachricht, dass „JIL“ von Jil Sander vom Markt genommen wurde. Schnell noch die ebay-Kanäle angezapft, doch irgendwann vertrocknete die Duftquelle vollends. Es gab einige Zeit später zwar eine Neuauflage, allerdings war das Schnupperergebnis ein ganz anderes als zuvor. Inzwischen hat Idole d´Armani den Platz des einzigen und mich täglich umschmeichelnden Parfums eingenommen. Passt genauso gut, wenn nicht sogar besser, zu mir. Dennoch: dass JIL von uns ging, hat mich echt umgehauen.

Gestern nun stehe ich bei Douglas, um das seit langer Zeit im Wortkonfetti-Badezimmer beheimatete Make Up von Givenchy nachzukaufen. Schockschwerenot: „Da gibt es jetzt eine neue Linie, dieses hier gibt es nicht mehr“.

Ich versteh das ja: Menschen ändern sich, Geschmäcker sind verschieden, Entwicklungsabteilungen wollen beschäftigt werden. Und der Blick in diverse Blogs und Foren bestätigt ja auch, dass Neuauflagen und Limited Editions mit offenen Armen, begeisterter Neugierde und monetärer Geberlaune empfangen werden. Aber was ist mit uns? Den Damen, die auf Tradition statt auf Experiment setzen? Die keinen Spaß daran haben, tausend Pröbchen auszuprobieren, sondern froh sind, wenn sie ein passendes Produkt gefunden haben? Sind wir die Marketing-Außenseiter? Werden wir bestraft dafür, dass wir nicht hunderter Euro im Monat bei DM, Douglas und Kaufhof lassen (wollen)? Es ist wohl die Rache der Kosmetikindustrie an der Beständigkeit. Oder ein gutgemeinter Appell, sich öfter mal an etwas Neues zu wagen?

Der Neue im Badezimmer heißt jetzt jedenfalls Dior. Die Messlatte für ihn liegt hoch.

About Sandra

Ich schreibe hier über drei Dinge, die mich jeden Tag aufs Neue beschäftigen: meine Heimatstadt Bremen, meine berufliche Selbständigkeit und mein Alltag als Mutter eines Kleinkindes. Was mir am Herzen liegt: Euch anzustiften! Zu Unternehmungen an der Weser, zu Mut im Berufsleben und zu einem humorvoll-offenen Herzen für Eure Kinder. Allen Herausforderungen zum Trotz. Dass es nicht immer einfach ist, Familie und Job zu vereinbaren, darum geht es hier nämlich auch ab und zu.

6 thoughts on “Die Rache der Kosmetikindustrie

  1. Ja, so was nervt extrem! Ich war mal kurz davor bei MNY einen blau-grau-Lidschatten Panikkauf zu tätigen, in der Befürchtung, er könnte in der kommenden Saison nicht mehr im Sortiment sein 😉
    P.S. Zu Deinem Kommentar – Das ist irgendwie komisch, denn ich lese Deinen Blog gerne und kann mir gut vorstellen, dass die Art Blog auch andere anspricht. Da ich ohnehin gern fotografiere, schmücke ich meine Posts meist mit vielen eigenen Bildern. Seit ich das mache, meine ich, viel mehr neue Leser zu gewinnen. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass sie sich instinktiv angesprochen fühlen und sich dann die Zeit nehmen, meine Texte zu lesen. (Bilder mit Süßkram sind übrigens besonders effektiv ;). Vielleicht wäre das eine Idee?

  2. Ich kann schon gar nicht mehr zählen was mir in meinem Leben schon alles von der bösen Industrie erst schmackhaft gemacht wurde um es mir dann eines Tages völlig unvermittelt wieder zu entreißen! Vor allem der Jade Maybelline MAscara Full’n’Soft schmerzt mich noch heute 🙁 Und mein neu gefundener hellorsa Nagellack von MNY kommt jetzt auch aus dem Sortiment. Davon, dass sich die Konsistenz der Balea AMU-Entferner maßgeblich geändert hat, brauchen wir gar nicht erst anfangen *seufz* Ich bin auch eher für Konstanz und Gewohntes.

  3. Genau das ist mir auch gerade passiert! mit dem langjährigen Lieblingsparfum.
    Was mache ich jetzt nur? Verzweifelte Versuche, einen ähnlichen Duft zu finden, ist an der mangelnden Einfühlsamkeit der Verkäuferinnen und meinem unpopulären Geschmack gescheitert. Nur die Ärmel der Strickjacke zeugen noch von diesem entsetzlichen Unterfangen. Sag Du: Ist Ebayware u.ä. aus Polen zu trauen?
    fragt hoffnungsvoll Frau Herz.

  4. Frau Herz, ich hab mich zweimal an privaten deutschen Ebayverkäufern versucht und das war vollkommen in Ordnung. Je populärer und teurer das Produkt, desto mehr Fakes gibt es aber auch sicherlich. Ich sach mal so: Versuch macht kluch, Probieren würde ich es – wenn es doch so ein Liebling war!

  5. Frau Herzens Herz stimmt völlig zu, nur der Geldbeutel protestiert, da die Preise fast doppelt so hoch wie das Original klettern. Aber ich werds versuchen! Danke für den Zuspruch!

  6. Nachtrag: Herzensparfum ersteigert! Yes! zum Schnäppchenpreis (naja, im Verhältnis zum Rest der Hehlerware). Somit wird das drohende Unglück etwas verzögert.

    wie macht sich denn der Dior in Deinem Badezimmer?

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