In Karlsruhe hatte ich das schönste Feriengefühl. Warum? Weil ich mit dem Fahrrad durch eine mir fremde Stadt gefahren bin. – das finde ich immer besonders schön. Weil ich mit zwei von den nettesten Mädels, die in meinem Leben sind, einen wunderbaren lustigen Kochabend hatte. Weil ich in Begleitung in der Sonne lag und viel gelesen habe. Weil ich wunderbar schlafen konnte. Weil ich erfahren habe, dass meine Freundin ein Kind erwartet. Weil in der Buchhandlung beim Stöbern in Reisführern meine Lust auf Indonesien genährt wurde. Weil boulen im Schlossgarten Spaß gemacht hat. Weil ich rundum entspannt und ich selbst war.
Meine Freundin wohnt derzeit mit ihrem Freund ganz nah am Stadtgarten, wo wir dann auch einen Tag im Grünen verbracht haben. Der Stadtgarten hat auch einen Zoo-Teil. Giraffen, Pinguine, Elefanten, Flamingos und Co. Ich mag Zoos allerdings nicht besonders. Sie sind für mich immer eine Demonstration der menschlichen Überheblichkeit. Natürlich, für die Arterhaltung mag so ein Zoo manchmal sinnvoll sein. Aber häufiger ist der Ort doch eine stumpfe Qual im Sinne des Entertainments. Beklemmend.
Meine Gastgeber sind – wie viele der Menschen, die ich im Süden getroffen habe – Lehrer. Und so habe ich letzte Woche viel darüber gelernt, welche Charakteristika Schule und Schüler heute so aufweisen. Welche Anforderungen der Beruf erfüllen muss. Wie ätzend Eltern manchmal sein können. Erinnerte mich an eine „Hart, aber fair“-Sendung, wo es um die Sichtweisen von Eltern auf Schule und Lehrer ging. Schon damals wurde deutlich, wie unterschiedlich die sein können. Auf der einen Seite die Eltern, die ihr Kind möglichst eigenständig erleben wollen, auf der anderen Seite diejenigen, die für die Ehre des Kindes mit Briefen ans Bildungsministerium kämpfen. Wer bereitet Lehrer in spe eigentlich auf psychologische Kriegsführung mit anstrengenden Eltern vor? Niemand. Sie müssen aus Erfahrung lernen. So auch meine Freundin, die die Anfeindungen eines Elternpaares gut überstanden hat und sich so schnell wohl nicht mehr aus der Ruhe bringen lassen wird.
So war er, der kurze Trip in den Süden. Viele Eindrücke, viele verschiedene Freundschaftskonstellationen (von vergangen über tragfähig bis hin zu inniglich) und eine tolle graue Wolldecke von Zara Home. Das Geschäft gibt es in Karlsruhe nämlich seit neuestem.
