Ein Sommerabend mit Charly. Damals, in den 90ern…

In vier Wochen wird man seinen Augen nicht trauen, wenn man rund um die Bürgerweide unterwegs ist: Hunde, so weit das Auge reicht. Einmal im Jahr, in der Regel am ersten Augustwochenende, findet in den Messehallen die große Veranstaltung „Bremen tierisch“ statt. Dieses Jahr ist es am 2. und 3. August soweit. So kurz vor dem Start hat sich Bremen tierisch eine Blogparade für Hundebesitzer einfallen lassen: „Ein tierisch guter Sommer“. Was immer man damit verbindet, darf in Form eines Blogbeitrags bei der Aktion dabei sein.

Nun fragt Ihr Euch sicher: „Hä? Sandra hat doch gar keinen Hund?“ Stimmt! Aber ich hatte einen: Charly. Charly war mehr als ein Hund. Er war ein relaxter Kumpel, ein pfiffiges Familienmitglied, ein treuer Begleiter, ein lebhafter Glücksbringer. Mehr als sechs Jahre müssen wir inzwischen ohne ihn sein. Und noch immer fühlt sich das falsch an. Die Erinnerungen an ihn? Frisch und greifbar. Auch die Erinnerungen an einen typischen Sommerabend.

Sandra Charly

Ich war 13, als Charly im Herbst zu uns kam. Im folgenden Sommer begann ein Ritual, das sich gerade in den Anfangsjahren häufig wiederholte: Abends, wenn die Hitze langsam nachließ, aufs Fahrrad steigen, Charly an der Leine mitlaufen lassen und zur Kieskuhle fahren, die nur rund 2 Kilometer entfernt war. Der Weg dorthin führte durch ein Weizenfeld. Rechts und links schimmerten die unzähligen Halme zart-golden in der Abendsonne. Und es roch toll. Ein Geruch, der mich noch heute zurückversetzt in die Zeit, in der Sommer  noch war, was man darunter versteht. Wo man in dem Schulferien tagein, tagaus im Freibad war und abends mit chlorroten Augen im heimischen Garten Grillgut auf den Teller bekam. Wo der Rasensprenger häufig lief und die Regentonne irgendwann leer war. Sommer am Stück statt tageweise wie heute.

Nach dem Abendessen ging es dann also zur Kieskuhle. Auf dem Weg im Weizenfeld angekommen, wusste Charly schon, worüber er sich gleich freuen kann: ohne Leine zu laufen! Und kaum schnappte der Verschluss auf, startete Charly auch schon durch: Mitten hinein ins Weizenfeld. Ich weiß nicht, ob das etwas ist, was andere Hundehalte auch kennen oder ob es eine Eigentümlichkeit unseres Hundes war: diese Lust, im Weizenfeld umherzuspringen. Ja, springen. Charly verschwand nicht einfach darin, er hüpfte wie ein Känguru durch das Feld. Wenn der Weizen hoch stand, sah man nur noch eins fliegen – seine schwarzen Schlappohren, die dann senkrecht in den Himmel zeigten. Auf und nieder, rechts und links, hin und her. Und immer nur ein Bild: fliegende Hundeohren, wo blauer Himmel und goldenes Weizenfeld zusammenstoßen. Wenn ich an einen Sommer mit Charly denke, dann habe ich dieses Bild sofort vor Augen.

charly und sein großer stock

Der Sprung ins kühle Nass machte ihm im Anschluss ähnlich viel Freude. Spätestens, wenn ich einen Stock ins Wasser fliegen ließ, sprang er hinterher und paddelte, was das Zeug hielt. Manchmal sprang auch ich hinein, doch schon bald merkte ich, dass das keine so gescheite Idee war. Charly fand es nämlich ganz prima, wenn er mitten im Gewässer zu mir heranschwamm und sich mit seinen Beinen an mich klammerte. Da musste ich schauen, dass ich den Kopf noch über Wasser hielt.

Irgendwann dann der traditionelle Abschluss: Ich werfe einen Stock ins Wasser, Charly springt hinterher. Ich warte, bis er auf dem Rückweg zum Ufer ist, nehme mein Rad, steige auf und radle durch die Böschung zurück auf den Weg, der an der Kieskuhle entlangläuft. Ich rolle langsam voran, drehe mich um. Und irgendwann kommt er dann wie ein Blitz aus dem Gebüsch geschossen. Plitschenass und tropfend. Mit dem Stock im Maul rast er mir hinterher: Unser Charly. An einem Sommerabend in den 1990ern.

Es ist, als wäre es gestern gewesen.

Er fehlt!

 

Wer ebenfalls bei der Blogparade mitmacht, darf gern den Link zum Beitrag als Kommentar hinterlassen. Freue mich auf Eure Sommererlebnisse.

About Sandra

Ich schreibe hier über drei Dinge, die mich jeden Tag aufs Neue beschäftigen: meine Heimatstadt Bremen, meine berufliche Selbständigkeit und mein Alltag als Mutter eines Kleinkindes. Was mir am Herzen liegt: Euch anzustiften! Zu Unternehmungen an der Weser, zu Mut im Berufsleben und zu einem humorvoll-offenen Herzen für Eure Kinder. Allen Herausforderungen zum Trotz. Dass es nicht immer einfach ist, Familie und Job zu vereinbaren, darum geht es hier nämlich auch ab und zu.

4 thoughts on “Ein Sommerabend mit Charly. Damals, in den 90ern…

    1. Ach, das sieht wunderbar aus. Solche Ausflüge fehlen ohne Hund doch gewaltig.

      Vielen Dank für diese Extraportion Sommerlaune!

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