Im Mai auf Borkum. Im Novemer in Bremen. Jetzt bei Spotify. | Aaron Prüßen

Ein Sonntagnachmittag im Mai 2015. Ich sitze auf auf einem kleinen Steinhaufen hinterm Deich der Jugendherberge Borkum. Das Licht bricht gedämpft durch den zartblauen, dunstverhangenen Himmel. Das Wasser der Nordsee bedeckt das verschwundene Watt nur flach und schwappt zaghaft ans Ufer. Möwen kreischen in unregelmäßigen Rhythmus. Eine von ihnen genau in dem Moment, in dem Aaron Prüßen beim gekonnten Zupfen seiner Gitarre vom Hinterherschauen der Möwen singt.

Aaron Prüßen Borkum Video Wortkonfetti Blog 01

Aaron und ich kennen uns in diesem Moment gerade mal zwei Tage. Ach was, von „kennen“ kann eigentlich noch gar keine Rede sein. Wir sind uns schlichtweg begegnet. Am Freitag stieg er mit vielen anderen Musikern in den Tourbus des OLB-MUSIKCAMPS, das ich bloggend begleite. Lediglich eine kleine Reisetasche hatte er geschultert – mehr als Bluejeans, schlichte Pullover, seine Gitarre und ein paar Träume braucht dieser Typ nicht, dachte ich da. Der Eindruck täuschte nicht.

Am Samstag dann hörte ich Aaron und seine Gitarre zum ersten Mal. „Meine kleine Insel“, das Lied, das er gerade auf Borkum geschrieben hatte, berührte mich sofort. Und ich lernte etwas von dem jungen Songwriter kennen, das mir natürlich auf Anhieb gefiel: seine Liebe zur Nordsee. Fasziniert stellte ich fest, dass Aaron etwas kann, was mir wahnsinnig schwer fällt: Gefühle, die lediglich Meer und Möwengeschrei auslösen können, in Worte fassen. Mehr noch: zu vertonen.

Und so fragte ich ihn, ob er sich vorstellen könne, mir am Sonntag etwas mehr über sich zu erzählen und vor authentischer Kulisse einen seiner Songs zu spielen.

Aaron Prüßen Borkum Video Wortkonfetti Blog 03

Ja, da sind wir nun also, Aaron, die Gitarre und ich. Aaron erzählt von seinen ersten öffentlichen Gigs in einer kleinen Kneipe seiner Heimatstadt Cuxhaven, in Janjas Musikbar. 14 war er da, spontane Mini-Auftritte inmitten eines bunten Publikums aus Hartz4-Empfängern bis hin zu Medizinern, die den Freitagabend gesellig am Tresen verbringen. Schon immer, so erfahre ich, war die Nordsee Thema seiner Texte. Allein deshalb, weil er an der Küste aufgewachsen ist und dort seine intimsten Musikmomente am Meer verbrachte. Von Sonnenuntergang bis -aufgang, im Sommer wie im Winter, schrieb er dort seine Liedzeilen. Eine seiner liebsten Lyrics, die diese Zeit einfangen, stammt aus „Delirium“: Der Wind pfeift mir um die Ohren/ ich atme Freiheit ein. Seine liebste Insel: Bornholm.

Als „Beobachter“ beschreibt er sich selbst. Und das passt zu dem, was ich das Wochenende über von ihm mitbekommen habe: Er war immer da, aber eher unbemerkt. Er schaute zu und hörte hin, statt selbst zu agieren und zu reden. Obgleich er, wie er selbst sagt, ein Familienmensch ist, zieht er sich viel zurück und sucht die Einsamkeit. In dieser Zeit spult er das ab, was er zuvor wie ein Schwamm aufgesogen hat: seine Beobachtungen.

Und dann spielt Aaron. Jan filmt. Ich lausche. Diesem wunderbaren Musikmoment am Ufer der Insel Borkum.

Ein Montagabend im November 2015. Ich sitze im KARTON  in einem alten, gemütlichen Sessel inmitten von rund 50 anderen Bremerinnen und Bremern, die gerade gebannt die Ohren spitzen. Auf der Bühne: Aaron und Jan mit ihren Gitarren. Es ist viel passiert seit Borkum: Jan und Aaron haben sich angefreundet und musizieren auch mal gemeinsam. Aaron hat seine erste EP aufgenommen, die in Kürze erscheinen wird. Und ich habe LOVEBREMEN gelauncht. Drei Weiterentwicklungen, die heute zu diesem LOVEBREMEN-Wohnzimmerkonzert führen.

Wortkonfetti-AaronPruessen-Delirium Kopie

Jan und sein Trio spielen im Wechsel mit Aaron. Ich höre Bekanntes und Neues. Freue mich währenddessen über die sich kreuzenden Wege, die das Leben so viel kreativer und spannender machen. Diesen Abend würde es nicht geben, wäre ich nicht mit auf Borkum gewesen. Wäre Jan nicht einer der Organisatoren des OLB-MUSIKCAMPS. Hätte der KARTON nicht sofort „Klar, das Konzert kann bei uns stattfinden“ geantwortet. Hätte meine Nordsee-Leidenschaft nicht dazu geführt, Aaron überhaupt im Gedächtnis zu behalten.

Und ich warte. Auf „Mein Delirium“. Auf eine Klangreise zurück nach Borkum, zurück zum Sonntagnachmittag im Mai. Die Jungs enttäuschen mich nicht, sie spielen den Song gemeinsam. Auch dieses Mal habe ich das Glück, dass eine Kamera mitfilmt:

Im Mai auf Borkum war es noch ein Vorhaben, seit Weihnachten ist die da: die EP von Aaron. Lust reinzuhören? Spotify macht es möglich.

Auf ganz viel Möwengeschrei, Melancholie und Musik in 2016! Happy new year!

About Sandra

Ich schreibe hier über drei Dinge, die mich jeden Tag aufs Neue beschäftigen: meine Heimatstadt Bremen, meine berufliche Selbständigkeit und mein Alltag als Mutter eines Kleinkindes. Was mir am Herzen liegt: Euch anzustiften! Zu Unternehmungen an der Weser, zu Mut im Berufsleben und zu einem humorvoll-offenen Herzen für Eure Kinder. Allen Herausforderungen zum Trotz. Dass es nicht immer einfach ist, Familie und Job zu vereinbaren, darum geht es hier nämlich auch ab und zu.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.