Gerade erst. Oder auch: Happy birthday, mein lieber Lütter!

Gerade erst stand ich schwanger vor den Regalen und versuchte zu verstehen, was der Unterschied zwischen einem Strampler und einem Body ist. Jetzt habe ich nur noch Schwierigkeiten, mir Deine aktuelle Mützengröße zu merken.

Gerade erst lagst Du im Kreißsaal auf meinem Bauch und ich wusste nicht, wie ich Dich anfassen soll, ohne Dich kaputt zu machen. Jetzt gelingt es selbst in akrobatischster Weise, Deine Arme und Beine in Deine Klamotten zu zaubern.

Gerade erst lag ich in tiefster Nacht googlend wach und versuchte zu verstehen, was die Dinge bedeuten, die mit Dir zwei Wochen zuvor in mein Leben plumpsten. Jetzt ist meine Intuition mein treuester Ratgeber.

Gerade erst liefen wir mit Dir im Tragetuch die Treppen hoch und runter, damit Du es schaffst einzuschlafen. Jetzt liegt das Tuch seit Monaten ungenutzt in der Kommode.

Gerade erst huschte nur im Schlaf ein Engelslächeln über Dein Gesicht. Jetzt begrüßt Du mich Tag für Tag mit einem breiten Lachen, das Deine fünf Zähnchen strahlen lässt.

Gerade erst lagst Du jede Nacht neben mir und wir hielten Händchen, bis Du eingeschlafen bist. Jetzt ist das Babybay fort und Du liegst in Deinem eigenen Bett, in Deinem eigenen Zimmer.

Gerade erst lag in allen Zimmern ein Spucktuch und trotzdem war nie eines in Griffweite, wenn man es brauchte. Jetzt sind Deine Milchfontänen versiegt und die Tücher liegen seit Monaten unangetastet im Schrank.

Gerade erst plante ich all meine Aktivitäten entlang der Stillunterbrechungen. Jetzt wünsche ich mir manchmal, ich könnte Dich unterwegs überhaupt noch an meine Brust nehmen.

Gerade erst war das Babyphone stets dort, wo auch ich war, damit ich sofort höre, wenn Du wach wirst. Jetzt hast Du Deinen festen Rhythmus und keine Hemmungen, erst einmal in Ruhe aufzuwachen, bevor Du dich meldest.

Gerade erst startete ich mit größer Skepsis und einigen Vorbehalten in die typischen Baby-Kurse. Jetzt bedauere ich, dass wir kaum noch zusammen in den Babymusikgarten oder zum Babyhamam gehen können.

Gerade erst schlummertest Du am Nachmittag behütet in meinem Arm ein und ich stahl mich irgendwann wieder raus aus dem Schlafzimmer, nachdem ich dich von rechts und links mit Kissen geschützt habe. Jetzt brauchst Du keine Kuscheleinheiten mehr, um Deinen Mittagsschlaf zu machen.

Gerade erst lagst Du beim Spazierengehen am liebsten bäuchlings im Kinderwagen, um einzuschlafen. Jetzt schaust Du fast immer hellwach aus Deinen Buggy heraus.

Gerade erst stand ich montags am Herd und kochte Brei für die nächsten Tage vor. Jetzt ist das Fach im Gefrierfach nahezu leer und Du isst lieber Unpüriertes mit den eigenen Händen.

Gerade erst freuten wir uns mit Dir, dass Du Dich vom Rücken auf den Bauch drehen kannst. Jetzt stehst Du auf Deinen Füßen stolz am Sofa.

Gerade erst saß ich mit dem Schwangerschaftstest in der Tasche auf dem Spielplatz und schaute verblüfft in meine Zukunft. Jetzt gehen wir gemeinsam auf diesen Spielplatz.

Gerade erst konnte ich nicht glauben, dass sich unter der sich plötzlich auswölbenden Bauchdecke Dein Po gen Himmel streckt. Heute kann ich noch immer nicht  glauben, dass Du mal in meinem Bauch warst.

Gerade erst stand ich dankbar und glücklich mit Tränen in den Augen an Deinem Wickeltisch. Heute hat sich daran nichts geändert – die Liebe ist nur noch viel größer.

Und hört noch immer nicht auf zu wachsen!

Happy birthday, mein lieber Lütter!

About Sandra

Ich schreibe hier über drei Dinge, die mich jeden Tag aufs Neue beschäftigen: meine Heimatstadt Bremen, meine berufliche Selbständigkeit und mein Alltag als Mutter eines Kleinkindes. Was mir am Herzen liegt: Euch anzustiften! Zu Unternehmungen an der Weser, zu Mut im Berufsleben und zu einem humorvoll-offenen Herzen für Eure Kinder. Allen Herausforderungen zum Trotz. Dass es nicht immer einfach ist, Familie und Job zu vereinbaren, darum geht es hier nämlich auch ab und zu.

8 thoughts on “Gerade erst. Oder auch: Happy birthday, mein lieber Lütter!

  1. Ach, was für ein schöner und ergreifender Beitrag! Ich bin so gespannt, wie es für eure kleine Familie weitergeht und ihr alles unter einen Hut bekommt (oder dann und wann auch mal nicht). Ich wünsche euch auf jeden Fall alles Liebe dafür und gratuliere Mama, Papa und Kind herzlich zum ersten Geburtstag (:

  2. Ha, in dem ersten Punkt kann ich mich gerade gut wiederfinden. Was braucht so ein kleines Menschlein an Kleidung? Wie viel wovon? Und was in Kombination? 🙂 Ich frage mich auch noch, wo der Unterschied zwischen einem Strampler und einem Schlafanzug ist, denn klassische Strampler, so wie wir sie selbst früher als Kinder getragen haben, gibt es kaum noch zu kaufen, scheint es mir?

    Liebe Grüße und Happy Birthday an den Lütten!
    Denise

    1. Doch, gibt es. Ich muss mich mal einmischen 🙂 Strampler findet man noch, wir hatten ganz viele davon, weil doch in der ersten Zeit Hosen einfach unbequem sind, der Bauchnabel ist doch noch dran…
      Und ein Schlafi ist ein Schlafi ist ein Schlafi. ^^

      Alles Gute, Denise! <3
      Katja

    2. Haha, mir ging es am Anfang auch so. Kann mich aber Katja nur anschließen: Strampler gibt´s noch ud man sollte sie am Anfang unbedingt nutzen. Denn ab größe 74 findet man sie dann nämlich so gut wie nicht mehr und steht dann vor den kleinen Exemplaren und denkt „Ohhh wie süß!“

      Kombi ist eigentlich meist: Body + Strampler. Oder Body + Hose + Oberteil (+ggf. Strumpfhose)

  3. Sooo schön geschrieben! <3 Ich fühle mich drei Jahre zurück erinnert. Irgendwie ja schade, dass sie soooo fix groß werden.
    Liebe Grüße
    Jessica

  4. Hach, da hab ich doch direkt ganz hemmungslos ein paar Tränen die Wange herunter kullern lassen! Schön, deine Gedanken. Und genau das alles kann ich auch so abnicken.

    Macht’s euch schön und genieße die Zeit, so lange der Lütte noch so klein ist.

    Ich drück dich und sag auch hier nochmal: Happy Birthday! <3

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.