Saure Gurken und süße Schnuller. Oder auch: Hier gibt´s in Bremen eine bunte Tüte.

Es ist Freitagnachmittag, 16 Uhr. Elly steht hinterm Tresen von Hampi´s Stop Shop. „Oh, nachher muss ich echt dringend noch ein paar Tüten packen.“ Elly schaut auf den kleinen Verkaufstisch, auf dem noch rund zehn durchsichtige spitze Tütchen liegen, die mit allem gefüllt ist, was Zahnärzte fluchen und Kinderherzen höher schlagen lässt: mit Weingummi in unterschiedlichen Formen und Farben!  Wie immer, wenn das Wochenende beginnt, geht bei Hampi´s der Vorrat dieser Tüten rasch zu Ende. Bunte Tüten – ob fertig gepackt oder selbst zusammengestellt – sind im Neustädter Kiosk nämlich ein echter Kassenschlager.

Als ich vor einer Weile meine Instagram-Community fragte, wo in Bremen ich denn noch bunte Tüten bekommen könne, wurde Hampi´s daher auch am häufigsten genannt. „Wir nehmen uns hier noch Zeit für bunte Tüten“, bestätigt mir auch Elly. „Und genau deshalb verkaufen wir sie hier in Hülle und Fülle.“ Sie zeigt auf einen fast leeren Karton mit weißen Tüten. „Siehst Du den? Der war heute morgen noch fast voll.“

Der Kult-Kiosk in der Pappelstraße – er wird für mich in diesem Moment zum Kindheits-Paradies. Seit einigen Wochen habe ich nämlich Lust auf eine bunte Tüte. „Japps“ oder „Jieper“, wie man auch so schön sagt. Und zwar auf eine, die ich mir selbst zusammenstellen darf. Und bei Hampi´s darf man das.

Wie früher, beim Kiosk am Ende unserer Straße. Früher, als zwei Groschen zehn Brausetaler bedeuteten und alles, was nicht fünf, sondern zehn Pfennige kostete, schon als teuer galt. Früher, als mein Taschengeld dort donnerstags für die neueste Zeitschrift meiner derzeitigen Wahl draufging und der Rest in Wassereis und saure Gurken investiert wurde…

60 Weingummis zum Aussuchen

Für alle, die wenig Zeit haben, bereiten Elly und ihre Kiosk-KollegInnen regelmäßig fertige Tüten vor. Wer mehr Zeit und besondere Wünsche mitbringt, der kann sich vor die Süßigkeitenwand mit rund 60 verschiedene Weingummis und Lakritzbonbons  stellen und in aller Ruhe auswählen: „Zweimal die 42. Einmal 19. Drei von der 38….“

Die Fächer sind nummeriert, welch Glück. Denn um ehrlich zu sein, habe ich bei den meisten Weingummis keine Ahnung mehr, wie sie heißen. Manche sehe ich sogar zum ersten Mal. Colakracher in grellblau zum Beispiel. Sicher schmecken die auch nicht nach Cola, sondern nach… tja… vielleicht nach Schlumpf.

Mein Mischung fällt wie immer sauer und hart aus. Lakritz wandert mir nicht in die Tüte, saure Schnuller dafür umso lieber. In der kommenden Stunde vertilge ich die Hälfte meiner so lang ersehnten bunten Tüte, danach legen meine Geschmacksnerven ein Veto ein. Der Rest wandert daher im Büro ins Vorratsglas.

Man muss sich mal was gönnen können

Ich frage mich einen Moment lang, was das eigentlich soll – ungesunden Zuckerkram zu essen, während es an den Obstständen frische Himbeeren und im eigenen Garten Brombeeren gibt. Dass die Hüften nicht schlanker und die Zähne nicht besser werden, jeder weiß es. Im Dezember und Januar habe ich extrem zuckerreduziert gelebt, Süßigkeiten komplett weggelassen. Und ja: Mir ging es damit sehr gut. Ist es also richtig, mich mit solch einem Zuckerschock einzudecken? Ich frage mich außerdem, wie ich es wohl finden werde, wenn mein Sohn damit anfängt, sich Süßigkeiten vom Taschengeld zu kaufen.

Ich verwerfe meine Gedanken aber schnell und beiße statt dessen nochmal in eine Colaflasche. Es lohnt sich nicht, immer nur alles richtig machen zu wollen. Aus mir, die früher ebenfalls einige Mark beim Kiosk gelassen hat, ist kein übergewichtiger Mensch geworden. Ich habe weder Diabetes noch werden meine Zähne ständig gebohrt. Um nur mal die gängigen Sorgen aufzuzählen. Von daher: Warum sich nicht so etwas mal gönnen?

Eine bunte Tüte – sie ist mehr als Zucker. Sie ist ein Stück Kindheit und das Sinnbild für erste eigene Kaufentscheidungen. Und ich bin froh, dass es in Bremen noch immer ein paar Orte gibt, wo man sie sich zusammenstellen kann. Nämlich unter anderem diese hier:

Bunte Tüten in Bremen: Hier kriegt Ihr sie

Hampi´s Stop Shop (Neustadt / Pappelstraße 79)

Virginia Kiosk und Schreibwaren (Schwachhausen/ Kirchbachstraße 189)

Kino „Cinema“ (Ostertorsteinweg 105/ Viertel)

Kiosk-Shop  (Findorff/ Hemmstraße 103)

Tabak-Shop Roselius (Findorff/ Hemmstraße 185)

Schnoorkrämerei (Altstadt/Lange Wieren 12)

Flaschenpost (Peterswerder/ Hamburger Straße 131)

Kiosk Reeh (Habenhausen/ Ohserstr. 6)

Spielwaren Tschorn (Horn/ Wilhelm Röntgen-Straße 10)

Spielwaren Wichlein (Viertel/ Ostertorsteinweg 57)

Habt Ihr weitere Geheimtipps, wo Liebhaber von buten Tüten ihrer Leidenschaft frönen können? Und wie haltet Ihr es mit Süßigkeiten für Euch selbst und vor allem für Eure Kinder?  Erzählt doch mal!

About Sandra

Ich schreibe hier über drei Dinge, die mich jeden Tag aufs Neue beschäftigen: meine Heimatstadt Bremen, meine berufliche Selbständigkeit und mein Alltag als Mutter eines Kleinkindes. Was mir am Herzen liegt: Euch anzustiften! Zu Unternehmungen an der Weser, zu Mut im Berufsleben und zu einem humorvoll-offenen Herzen für Eure Kinder. Allen Herausforderungen zum Trotz. Dass es nicht immer einfach ist, Familie und Job zu vereinbaren, darum geht es hier nämlich auch ab und zu.

5 thoughts on “Saure Gurken und süße Schnuller. Oder auch: Hier gibt´s in Bremen eine bunte Tüte.

  1. Toller Artikel! ❤ Für mich sind die bunten Tüten auch Kindheitserinnerung pur! Ich glaube ich muss mir heute auch noch schnell eine kaufen
    Liebe Grüße,
    Andrea

  2. Ich hätte noch einen Tipp für Bremen-Nord. Im Aumunder Kiosk (Hammersbecker Str. 142) kann man sich auch ganz tolle bunte Tüten aus einer großen Auswahl zusammenstellen Für mich etwas gefährlich, dass er direkt um die Ecke ist

  3. Hach, das hat jetzt richtig Nostalgie geweckt. Ich war zwar als Kind immer sehr sparsam mit meinem Taschengeld, aber ab und an hat man sich doch am Kiosk um die Ecke mal was gekauft. Genau abgezählt versteht sich. Gibt’s immer noch diese gezuckerten großen Diamant-Lakritze? Die fand ich immer klasse.

    Ich muss mal meine Schwester fragen, wie die das bei ihren Kindern handhabt und ob die auch manchmal zum Kiosk gehen.

    1. In Sachen Lakritz kann ich leider nicht antworten. Ich mag Anis nicht. Gibt es aber bestimmt noch *daumendrück*

  4. Vielen Dank für die Tipps:)
    Ich habe mir gleich heute bei der Falschenpost eine Tüte zusammengestellt.

    Bei Ikea gibt es auch eine kleine Auswahl zum selbstzusammenstellen.

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