A different kind of sexy. Oder auch: Tizz & Tonic feiert offizielle Store-Eröffnung

Seit Januar hat „Tizz & Tonic“ einen neuen Standort: Das nachhaltige Unterwäschen-Label mit skurillen Prints hat die Räume der „Nur Manufaktur“ an der Bischofsnadel übernommen. Am morgigen Samstag könnt Ihr das Opening ab 18 Uhr kräftig feiern und Euch vor Ort vom „different kind of sexy“inspirieren lassen.  Im Interview erzählen die beiden Macherinnen Imke und Yanna heute , warum sie Tizz & Tonic gegründet haben, wie alt ihre Kundinnen tatsächlich sind und wieso „basic“ für sie niemals „boring“ bedeutet.

Tizz & Tonic: Zwei Kanadierinnen in Bremen

Man hört es sofort: Aus Bremen kommt Ihr nicht. Woher stammt Ihr ursprünglich?

Imke: Wir kommen aus Kanada, aus einem Dorf in der Nähe von Toronto. Unsere Mutter ist Deutsche, aber wir sind in Kanada geboren und aufgewachsen. Leider haben wir als Kinder kein Deutsch gelernt – und holen das nun mühsam nach.

Yanna: An manchen Tagen klappt es gut, aber gestern war so ein Tag, da klappte es bei mir so gar nicht, Deutsch zu sprechen. Es ist wirklich Tagesform abhängig. Und ortsabhängig, Wir verstehen die deutsche Sprache wie sie hier in Bremen gesprochen wird. In Köln oder Süddeutschland hätten wir vermutlich große Probleme, mit Kunden zu sprechen.

Wie hat es Euch nach Bremen verschlagen?

Imke: Ich habe zuvor vier Jahre in Toronto gewohnt. Dort konnte ich nur „Bartending“ als Job finden. Weil wir Familie in Deutschland haben, dachte ich mir: „Okay, ich fliege nach Deutschland, vielleicht nur für einen Monat“. Es gefiel mir schnell, hier zu wohnen. Es gibt so viele andere Länder, die schnell erreicht werden können. In Kanada fliegt man sechs, sieben Stunden  und ist immer noch in Kanada.  Hier sind wir in zwei Stunden in den Niederlanden.  Naja, und Bremen ist  einfach cool.

Wann habt ihr Tizz & Tonic gegründet und warum?

Imke: Ich hatte für zwei Jahre hier in Bremen bei British Airways gearbeitet – was mir überhaupt nicht gut tat. Ich wollte unbedingt etwas anderes tun, etwas mit Mode. In Bremen gibt es dafür nicht so viele Möglichkeiten, also gründete ich selbst eine Marke, die mir den Job verschafft, den ich haben will.

Das war eigentlich im März 2017,  offiziell im Mai 2017. In unserem ersten Jahr war wirklich nicht so viel los, das war unser Probejahr. Wir haben Tizz & Tonic zu der Zeit aus meiner Wohnung heraus aufgebaut. Als wir im März 2018  unser Studio im Citylab bekommen haben,  konnten wir dann richtig Gas geben.

Dass es Unterwäsche war, die ich schon damals in Toronto vorwiegend nähte, hat einen simplen Grund:  Ich hatte nicht genug  Platz, etwas anderes zu nähen. Meine erste Wohnung in Toronto war wirklich so klein, wie unser heutige Studio in der Bischofsnadel. Mit Bad, Küche und allem. Dort  habe ich einen kleinen Tisch gehabt und angefangen, Unterwäsche zu nähen. Dafür braucht man auch nicht so viel Stoff.

Yanna: Ich war zu der Zeit fast fertig mit meinem Studium. Und dann habe ich mich bei der Uni Bremen für einen Master beworben. Dafür bin ich hierher gezogen. Nach einem halben Jahr vom Master habe ich gemerkt „Das ist nichts für mich“. Da haben wir Vollgas mit Tizz gegeben.

Das war dann auch ein großes Risiko oder nicht?

Imke: Ja,  es ist  nicht so einfach, ein Start Up zu günden. Und wir hatten nicht so viel Geld auf der hohen Kante.

Yanna: Und überhaupt ist Deutschland eben nicht unser Heimatland und wir wissen nicht, wie genau es funktioniert, hier ein Start Up zu haben. Die ganze Bürokratie ist aber auch für Leute aus Deutschland schwierig.

Imke: Ja,  glaube  ich auch. Unsere Eltern sind selbstständig in Kanada und dort ist es meiner Ansicht nach nicht so schwer wie hier.

Was machen eure Eltern denn?

Sie sind Glaskünstler.  Selbstständigkeit ist also ganz normal für uns. Unsere Eltern arbeiten von zuhause. Unten war das Studio und oben war unsere Wohnung. Wir selbst haben mit acht oder neun Jahren angefangen, Handwerk zu machen. Wir hatten immer einen Platz für Kreativität.

Eure Unterwäsche ist aus Prinzip nachhaltig. Eure Verpackung auch. Warum?

Yanna: Für uns ist das ganz wichtig. Wir sind als Kinder viel gereist, nach Südamerika, nach Asien. Und wir haben gesehen, dass Modefirmen nicht nachhaltig und sozial genug sind.
We didn’t want to be more a part of the problem but more a part of the solution.

Woher kommen eure Stoffe?

Imke: Hauptsächlich aus Indien. Die beiden Firmen sind GOTS (Global Organic Textile Standard) zertifiziert. Das ist die beste globale Zertifikation für Bio-Stoff. Das bedeutet, dass keine Kinder daran arbeiten dürfen, dass sie nicht so viel Chemie benutzen. Wir sind leider nicht GOTS-zertifiziert, weil das im Moment viel zu teuer wäre. Es müsste jedes Band und jeder BH-Träger GOTS zertifiziert sein. Das ist für uns nicht möglich.

Eure Produkte produziert ihr komplett selber, richtig?

Yanna: Ja, Imke näht hier alles selber. Ich schneide die Stücke.

Imke: Ist ein bisschen zu viel zurzeit. Wir sind auf der Suche nach einem kleinen Hersteller, aber das braucht viel Zeit. Wir möchten halt, das unsere Qualität erhalten bleibt. Wenn wir hier mal einen Fehler machen, dann ist es okay, dann schneiden wir es ab. Aber bei einem Hersteller können wir das nicht einfach überprüfen. Wir hoffen trotzdem, dass wir dieses Jahr einen finden. Es wäre natürlich auch cool, wenn wir mehr Leute anstellen können, die mit uns  arbeiten. Aber das ist ein bisschen zu teuer.

Ort der Produktion ist ja tatsächlich auch hier im Verkaufsladen.

Imke: Ja. Das ermöglicht uns sogar, kurzfristig zu produzieten, Im Advent war zum Beispiel unser roter Fever-Slip war in XS nicht mehr da. Wir konnten dann einer Kundin, die ihn suchte, innerhalb einer Stunde herstellen. Das war cool für uns.

Wer sind euer Kundinnen?

Imke: Online waren es zunächst Freunde und Familie. Leute aus Kanada. Hier in Bremen erst ein paar crazy Leute. Heute sind die meisten, die hier reinkommen, über 30. Viele Mütter. Im Citylab hatten wir auch schon eine 84-Jährige. Da haben wir ein Bra Fitting gemacht. Das war cool. Gerade die älteren Frauen lieben unsere High Waist Slips. Aber auch, dass die BHs keinen Bügel haben. Die möchten, dass es bequem ist. Total interessant und überraschend.

Yanna: Ja, Zuerst dachten wir,  unsere Sachen seien für junge Frauen. Aber tatsächlich sind unsere Kundinnen normalerweise zwischen 28 bis 70 Jahre alt. Das war für uns echt eine Überraschung.

Was ist Eure Mission? Was unterscheidet Tizz & Tonic von herkömmlichen Unterwäsche-Labels?

Yanna: „Wir haben drei Ziele:1. Basic is not boring. Man muss Unterwäsche  jeden Tag tragen, die muss nicht langweilig sein. 2. Eco ist das neue Normal. Öko-Optionen sollten kein Luxus-Produkt sein, sondern selbstverständlich. 3. More fun for women. Jeden Tag.

Imke: Spaß soll unsere Unterwäsche difinitiv sein. Vielleicht muss eine Frau auf der Arbeit eine Uniform tragen. Aber darunter? Bananas! Es soll eine Art „Personal Powersuit“ sein. Nicht alle Frauen möchten  jeden Tag sexy Spitze tragen. Ich bin zum Beispiel nicht so sexy, eher goofy und lustig. Es passt  sehr gut zu mir, Prints mit Kiwis und Ananas zu tragen. Zuhause oder auch hier auf der Arbeit. Die meiste nachhaltige Wäsche ist in nude Tönen. Warum? Ich mag Farben wirklich sehr.

Yanna: Ich glaube, Farben hat man früher oft mit Chemie in Verbindung gebracht. Deshalb ist das alles in Brauntönen. Aber jetzt haben wir die Zukunft und können das digital drucken und es ist farbenfroh und trotzdem öko. Das verbraucht auch weniger Wasser. Und die Firmen drucken auch nur, was wir bestellen. Nicht tausend Meter, sondern nur zwanzig.

Gestaltet ihr die Stoff-Designs auch selber?

Imke: Die Lizenz für die Kiwis, Ananas und Bananen haben wir von Kelly Gillian gekauft. Das ist eine Künstlerin aus den USA. Und dann haben wir auch einen Wettbewerb auf Instagram für ein Print gemacht. Wenn es gut weitergeht, können wir vielleicht nächstes Jahr mehr Geld in Designer stecken.

Was heißt „tizz“ eigentlich? Woher kommt der Name?

Imke: Das war ein Rechtschreibfehler. Ich habe Yanna geschrieben: „Sollen wir ein Bizz machen?“ Und das wurde dann zu „Tizz“ korrigiert.

Yanna: Zuerst wollten wir auch Schlafsachen machen. Und „zzZ“ ist wie Schlafen.

Imke: Also hatten wir zuerst Tizz und nach zwei Monaten haben wir dann Tonic hinzugefügt.

Einfach weil es sich gut anhört?

Ja, wirklich! Es klingt so rejuvenational. Einfach gut. Aber wir haben zunächst nicht bemerkt, das „Tizz“ auf deutsch ausgesprochen klingt wie „Tits“.  Als Logo haben wir ja auch „Boobies“. Als uns der Zusammenhang klar wurde, war es echt magisch.

Welche Plätze und Locations in Bremen sind Eure liebsten?

Imke: Wir lieben Disco. Die kaufen T-Shirts und siebdrucken dann darauf. Die haben auch ein ähnliches Konzept wie wir. Laden und dahinter dann Arbeitsplatz. Vielleicht arbeiten wir mal mit denen zusammen.  Malte von Disco möchte ein Motiv für T-Shirts machen und wir nehmen das dann für unsere Unterwäsche. Disco meets Tizz & Tonic. Aber das dauert noch. Bei zwei kleinen Marken ist das immer schwierig.

Ein anderer Lieblingsplatz ist das Schauburg Kino. Montags. Sneak Peak. Ich finde das
total cool. Ich mag die Filme auch, die wir da bis jetzt gesehen haben. Es gab keinen Film, der mir nicht gefallen hat.

Wir lieben auch Wedderbruk, den Vintage-Möbelladen. Wir haben unseren Spiegel hier im Laden da gefunden, für 48€, das war ein Schnäppchen.

Und wo geht ihr gerne essen?

Markthalle 8 normalerweise. Und Rosali. Jackie Sue. Muchos Mas.

Das Tizz & Tonic-Opening findet morgen, 9. Februar, ab 18 Uhr statt.  DJ, Drinks und die ein oder andere Überraschung warten auf Euch. Bis zum Start der Party gibt es morgen übrigens auch 10 Prozent auf Euren Kauf. Hin da!

Fotos: Shanice Allerheiligen

About Sandra

Ich schreibe hier über drei Dinge, die mich jeden Tag aufs Neue beschäftigen: meine Heimatstadt Bremen, meine berufliche Selbständigkeit und mein Alltag als Mutter eines Kleinkindes. Was mir am Herzen liegt: Euch anzustiften! Zu Unternehmungen an der Weser, zu Mut im Berufsleben und zu einem humorvoll-offenen Herzen für Eure Kinder. Allen Herausforderungen zum Trotz. Dass es nicht immer einfach ist, Familie und Job zu vereinbaren, darum geht es hier nämlich auch ab und zu.

One thought on “A different kind of sexy. Oder auch: Tizz & Tonic feiert offizielle Store-Eröffnung

  1. Danke mal wieder für den Tipp, liebe Sandra, ich habe tatsächlich immer große Probleme gut sitzende Unterhosen zu finden und werde da mal vorbei schauen!
    LG Nadine

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