Überseestadt – inklusive Routenplan

„Achtung, Achtung! In Bremen ist derzeit mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen durch Bollerwagen zu rechnen. Betroffen ist besonders die Strecke zwischen Weserstadion und Wilhelm-Kaisen-Brücke.“ Diese Warnung hört man im Radio zwar nie – sinnvoll wäre sie aber Anfang des Jahres hier in Bremen durchaus. Die Kohlfahrtsaison hat begonnen und an allen Ecken sieht man aktuell Menschengrüppchen mit Schnapsgläsern um den Hals kleine Spielchen absolvieren. Auch am heutigen sonnigen Samstag war das typische winterliche Treiben wieder zu beobachten. Doch was tut man an so einem Tag, wenn man eine ganz andere Frischlufttour unternehmen möchte? Fernab des urbanen Treibens, aber doch mitten in der Stadt? Ganz einfach: Man radelt in die Überseestadt.

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Die Überseestadt ist für Bremen das, was für Hamburg die Hafencity ist. Wer an einem Schiffsanleger die Nase in den hanseatischen Wind halten oder auf alten Gleisen zwischen hohen backsteinroten Speichern balancieren möchte, ist hier goldrichtig. Man hat die Wahl: Soll es modern-chice Eleganz mit Weserblick sein oder doch rostige Industrieromantik? Denn in der Überseestadt findet man beides.

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Der gediegene Teil des Quartierst erstreckt sich rund um den Europahafen und führt von dort bis hin zum alten Molenturm. Wenn hier die Sonne scheint, dann gleich doppelt hell, denn die modernen Glasgebäude reflektieren gleißend das Licht und bringen die an der Marina liegenden Segelschiffe und Yachten zum Strahlen. Hochpreisige Lofts, innovative Co-Working-Places und moderne Gastronomien sind in diesem neuen Teil der Überseestadt zuhause. Im Winter ist es hier vergleichsweise ruhig, nur wenige Radfahrer, Jogger und Ausflügler kreuzen den Weg. Und Bollerwagen habe ich hier heute auch nicht gesehen. Im Sommer, wenn die Cafés ihre Tische herausstellen und der Sonnenuntergang zum Spektakel wird, sieht´s anders aus. So oder so, der Weg ans Ende der Überseepromenade lohnt sich immer: Dort wartete nicht nur ein alter steinerner Leuchtturm mit grünem Kopf, der Molenturm, sondern auch der phantastischer Blick in Richtung Walle, auf die Getreidespeicher und in den Holzhafen.

Kurz gesagt: auf den alten industriell geprägten Teil der Überseestadt. Man mag darüber streiten, wo „neu“ aufhört und „alt“ anfängt. Für mich beginnt „alt“ am Hafencasino. In der kleinen Imbissbude hinter der Alten Feuerwache kommt nicht wie am Europahafen „lauwarmer Lachs am Limonen-Thymian-Crème“ auf den Teller, sondern „5 Rostbratwürste mit Püree“. Ein Ort, wo sich Hafenarbeiter genauso wohl fühlen wie Studenten der Kunsthochschule, die gleich ums Eck im Speicher XI zu finden ist. Vom Hafencasino aus radelt man dann über das Fabrikenufer hinein in das Herzstück maritimen Malochens. Conatinerberge und Kräne ragen in den Himmel, alte Loks warten auf ihren nächsten Einsatz. „Hochspannung – Lebensgefahr“ und „Betriebsgelände“ rufen alte Schilder – und doch darf man weiterfahren. Umzukehren wäre tragisch, denn erst wenn man an Lloyd Kaffee im ehemaligen Kaffee HAG-Gebäude vorbei ist, hat man den schönsten Blick. Hier im Sonnenschein an der Hafenkante sitzen – ein hanseatisches Vergnügen erster Klasse. Authentisch schmuddlig und zugleich unübertroffen in seinem Charme.

Lagekarte

 

Sandra

Sandra

Seit 2008 blogge ich nordisch-frisch über meine Heimatstadt Bremen und alle Regionen, in denen eine steife Brise weht und man lieber in Strandkörben als auf Designermöbeln Platz nimmt. Für Nordseeinseln schlägt mein Herz dabei besonders laut. Noch lauter allerdings für den Lütten, der seit Februar 2016 mein Leben auf wunderbare Weise auf den Kopf stellt.

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