Knuddeln verboten. Oder auch: Warum ich unter dem Attachment Parenting-Diskurs leide.

­

Ich erinnere mich noch gut, wie ich vor einigen Wochen im Wartezimmer meines Zahnarztes saß und ich unglücklich auf die Titelseite eines Elternmagazins starrte. Je länger ich die großen Buchstaben anschaute, umso hilfloser und unzulänglicher fühlte ich mich:  „Warum Nähe so wichtig für die Entwicklung ihres Kindes ist“ prangte da in bunten unübersehbaren Letter. Daneben zu sehen: ein inniglich verbundenes Baby-Mutter-Gespann.

Ich blätterte zum dazugehörigen Artikel. Mit jeder gelesenen Zeile über die wohltuende Wirkung von körperlicher Nähe beim Stillen, im Familienbett, beim Tragen und beim liebevollen Kuscheln überhaupt, schickte der irrationale Anteil meiner Persönlichkeit Gedanken wie „Dein Kind wird niemals so gut gedeihen wie andere“ oder „Tja, bei der Bindung zum Lütten ist wohl einiges von Anfang an falsch gelaufen“ in meinen Kopf. Und das Gefühl, eine komplette Versagerin zu sein, in mein traurig vor sich hinpochendes Mutterherz. Denn diese inniglich-körperliche Verbindung, die haben der Lütte und ich nicht.

Weil er sie nicht will.

Ich so: „Attachment Parenting? Von mir aus gern!“

Ein Blick zurück: In der Schwangerschaft hatte ich natürlich angefangen, Elternblogs zu abonnieren und einschlägige Berichte zum Thema Erziehung zu konsumieren. Das dort vermittelte Konzept von Attachment Parenting traf dabei genau meinen Nerv. Dem Kind unendliche Liebe schenken, keine Angst vorm Verwöhnen haben, nach Bedarf stillen, mit Tragetuch umherlaufen, Schreien möglichst vermeiden und das Kind rund um die Uhr ganz nah bei mir haben – das alles fand ich ne angemessene und zu meiner Idee von Mutterschaft passende Sache. „Babys sehnen sich nach Nähe und Schutz“ – wie oft habe ich diese Aussage in unterschiedliche Formulierungen verpackt gelesen und gehört. Und wie stark hat sich dabei die Vorstellung in mir verfestigt, dass a) wirklich JEDES Kind, das nicht krank oder wesensauffällig ist, kuscheln möchte und b) zu wenige Nähe dem Kind Schaden zufügt.

Jede/r von Euch, der sich viel ausgiebiger und tiefergehend mit dem Konzept von „Attachment Parenting“ auseinandergesetzt hat, wird  an dieser Stelle vielleicht gequält mit den Augen rollen und ein „Herrje, da hat es ja eine mal wieder nicht verstanden“ ausschnauben. Aber auch diejenigen von Euch, bitte ich weiterzulesen, denn ich glaube, dass dabei eine Falle deutlich wird, in die viele tappen und die Müttern von Kindern, die meinem ähneln, ganz schön zusetzen können.

Erst einmal zurück zu meiner Geschichte: Der Lütte kam gesund und termingerecht zur Welt, wurde gleich auf meine Brust gelegt, dockte supergut zum ersten Stillversuch an und durfte in den kommenden Wochen im Tragetuch die Welt entdecken. Die Nächte verbrachte er im Babybay, zum Einschlafen hielten wir Händchen. Alles so, wie es im öffentlichen Diskurs zum Attachment Parenting geschildert wird.

Das Stillen klappte allerdings bald nicht mehr so, wie erhofft. Das Fläschchen kam ergänzend hinzu. Zudem hatte ich beim Stillen nie den Eindruck, dass der Lütte sich da länger aufhält als irgendwie nötig. Ihm ging es um Nahrungszufuhr, nicht um den Herzschlag von Mama und die wohlige Wärme im Arm. Diese Unabhängigkeit von körperlicher Nähe trat dann immer weiter zum Vorschein. Er schlief nach sechs Monaten hervorragend im eigenen Bett und jedes Angebot, doch auch mal bei uns Eltern zu schlafen, wurde massiv abgelehnt. Auch getragen werden wollte er irgendwann nicht mehr, der Kinderwagen war für ihn völlig in Ordnung. Kuscheln, auf meinem Schoss sitzen, in den Arm genommen werden oder auf mir schlafen – um Himmels willen, bloß nicht. Empörtes Abwenden ist dann die Reaktion des Lütten. Und das ist ganz schön schwer zu ertragen, kann ich Euch sagen.

Er so: „Körperliche Zuwendung? Och, lass mal!“

Klar, es ist verdammt praktisch, wenn man ein Kind nicht stundenlang auf dem Arm in den Schlaf wiegen muss und während des Mittagsschlaf desselbigen den Haushalt machen kann statt es auf dem eigenen Körper zu beherbergen – aber es fehlt etwas. Es fehlt das Gefühl, mehr zu sein als ein Versorger.  Wie häufig habe ich mit ausgebreiteten Armen irgendwo gestanden, wenn mir der Lütte entgegenlief – und er bog dann vor mir ab. Wie oft nehme ich ihn morgens aus dem Bett und wünsche mir, dass sich der warme kleine Körper an meine Schulter kuschelt, der sich dann aber statt dessen in meinem Arm windet, um schnellstmöglich heruntergelassen zu werden. Das schmerzt, glaubt mir.

Und es schmerzt dann besonders heftig, wenn Titelseiten von Baby-Drogerie-Magazinen, Instagram-Bilder oder Buch-Cover die innigliche Verbundenheit von Mutter und Kind zelebrieren. Als gäbe es nur das und alles andere sein nicht denkbar. Es schmerzt dann, wenn eine oberflächliche oder eine dem Mainstream bzw. der verfügbaren Zeilenanzahl verpflichtete verkürzte Betrachtung von Attachment Parenting suggeriert, dass nur mit viel Nähe eine bestmögliche Entwicklung ermöglicht. Es schmerzt wirklich gewaltig, auch wenn die Ratio beschwichtigt.

Durch mein Nicht-Kuschler-Kind (es gibt wenige Ausnahmen, gerade jetzt zum Kita-Start, aber die sind wirklich an einer Hand abzuzählen) bin ich gezwungen, mich kritisch mit Attachment Parenting auseinanderzusetzen. Mich zu fragen, welche Bedürfnisse es anstelle von Nähe gibt, die ich meinem Kind erfüllen kann. Ich bin froh, dass es Menschen wie Susanne, Nora oder Jeannie gibt, die genauer hinschauen und mir neue Gedankenanstöße geben.

Mein Wunsch: Berücksichtigt die Nicht-Kuschler!

Was ich mir  – für mich, aber auch für andere Eltern von distanzbedürftigen Kindern – wünsche, ist eins: Dass in Diskussionen um Attachment Parenting und ähnliche Themen nicht uneingeschränkt vorausgesetzt wird, dass jedes Kind körperliche Nähe möchte. Bedürfnisorientierte Elternschaft sollte nicht so stark auf diesen körperlichen Aspekt zugespitzt werden. Ich wünsche mir, dass aufgezeigt wird, was es im Alltag noch bedeuten kann, sich als Eltern bedürfnisorientiert zu verhalten. Das Thema, dass manche Kinder mit den 8 Baby-Bs nichts anfangen können, vielleicht sogar abwehrend reagieren, braucht Raum – denn ich vermute, das ist gar nicht so selten, kommt aber wenig zur Sprache. Ich habe jedenfalls viel gegoogelt und wenig dazu gefunden. In Zwiegesprächen bekomme ich aber durchaus mit, dass es einige Nicht-Kuschler gibt.

Ich weiß: Mit dem Lütten ist alles in bester Ordnung, der tickt einfach so. Die Enttäuschung, wenn er sich mal wieder nicht knuddeln lassen möchte, lindert das inzwischen ein bißchen. Über zusätzliche emotionale Entlastung in Form von einer deutlich mehrdimensionalen  Betrachtung des Begriffs „bedürfnisorientiert“ würde ich mich aber sehr sehr freuen.

Nutzt die Kommentarfunktion doch gern für einen Erfahrungsaustausch. Das würde mir gut tun und sicher auch allen anderen googelnden Nicht-Kuschler-Müttern, die ihn in der Zukunft mal finden!

Sandra

Sandra

Seit 2008 blogge ich nordisch-frisch über meine Heimatstadt Bremen und alle Regionen, in denen eine steife Brise weht und man lieber in Strandkörben als auf Designermöbeln Platz nimmt. Für Nordseeinseln schlägt mein Herz dabei besonders laut. Noch lauter allerdings für den Lütten, der seit Februar 2016 mein Leben auf wunderbare Weise auf den Kopf stellt.

28 thoughts on “Knuddeln verboten. Oder auch: Warum ich unter dem Attachment Parenting-Diskurs leide.

  1. Ich hatte auch so ein Baby, das nur selten kuscheln wollte. Alles andere war meist interessanter als ich. Im Tragetuch stemmte es sich, sobald die Ärmchen kräftig genug waren, so weit wie möglich von mir ab, um in die Welt zu gucken. Und auch später war das Kind kein Kuschler und Schoß-Sitzer. Inzwischen ist das Kind verheiratet und hat sich mit seinem Ehepartner zu einem großen Schmuser vor dem Herrn entwickelt. Manchmal bin ich eifersüchtig und frage mich, was ich dermaleinst wohl falsch gemacht habe…
    Grüßle
    Ursel

  2. Aber genau das ist doch bedürfnisorientiert, oder?! Dein KInd zeigt Dir das Bedürfnis des Nichtkuscheln und du gehst darauf ein und nimmst es an! Tolle Mama !

    1. Lustig, genau diese simple Erkenntnis schoss mir nach Veröffentlichen des Beitrags vorhin auch durch den Kopf: das Bedürfnis der Distanz zu respektieren ist auch bedürfnisorientiert. Genau.

      Ich frag mich nur ganz oft: Was braucht er statt dessen? Erkenne ich das ausreichend?

      1. Vielleicht hat euer Kennenlernen in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt einfach so viel Urvertrauen im Kind aufgebaut, dass er fast keine körperliche Rückversicherung mehr braucht, denn er WEISS einfach, tief in sich drin, dass Du da bist, dass er Rückhalt und Geborgenheit hat, auch wenn er die Welt entdeckt und losläuft – da muss er dann weniger kuscheln und auf dem Schoß sitzen – denn es ist so verinnerlicht, dass es ist, als wenn er das die ganze Zeit täte. Sein – jetzt wird es eventuell etwas kitschig -Herz und seine Seele sind bei Dir, in Dir, um Dich herum, da braucht er das vielleicht einfach äußerlich nicht auch noch zusätzlich.

        Liebe Grüße,
        Tine

  3. Ich stimme Dmummy total zu. Du gehst super auf dein Kind ein,auch wenn du manchmal traurig bist.
    In einer Ausgabe der ‚Eltern‘ gab es mal einen Artikel darüber. Vielleicht kriege ich noch raus welche Ausgabe das war. Ich bin mir sicher du wurdest oft um dein ‚unkompliziertes‘ Kind beneidet. Aber das ist halt nur eine Seite der Medaille. Ich finde es gut, das du auch mal die andere Seite zeigst.
    Liebe Grüße, und mach weiter so

    1. Oh ja, ich bekomme immer gespiegelt, welch großes Glück ich damit habe, dass er allein einschläft, dass er nicht immer auf den Arm möchte etc. Und natürlich ist das auch weniger kräftezehrend – aber zugleich fehlt eben auch etwas sehr sehr Schönes.

      Danke für Dein Feedback und die netten Worte!

  4. Ich kann mir vorstellen, wie schwierig das ist. In meinem Bekanntenkreis gibt es mehrere Kinder, die wirklich wenig kuscheln wollen und am liebsten überall sind, nur nicht bei der Mama. Immer unterwegs und mutig. Mein Sohn ist da das ganz andere Extrem, ich konnte ihn bis er ein Jahr alt war weder ablegen noch absetzen. Aufstehen wenn er schlief? Fehlanzeige. Hörbücher hören war die Lösung für mich . Auch ich hatte und habe das Gefühl, dass ich ihm irgendwie nicht gerecht werden kann, dass ich irgendwie daran schuld bin, dass er so klammert. Wenn doch selbst die Einjährigen
    schon die Welt erkunden und mein Dreijähriger immer noch auf dem Spielplatz auf meinem Schoß sitzt und da auch nicht weg will. Die Mütter der Wenig-Kuschler beneiden mich da manchmal, diese Nähe, diese innige Beziehung. Und ich beneide sie, weil sie einfach auch mal ohne Kind sein können, ohne es dazu „wegschicken“ zu müssen. Ich denke beide Extreme sind sehr anstrengend, vor allem wenn man viel denkt und viel grübelt, und seinem Kind nur das beste mitgeben möchte. Doch Kinder sind nicht genormt und jedes Kind erfährt und versteht Liebe anders ( dazu gibt es auch eine Theorie, weiß gerade nur nicht wie sie heißt) . Ein Kind braucht Nähe, ein anderes viel Aufmerksamkeit, das nächste freut sich über er ein Lob am meisten.. Wichtig ist doch, das anzuerkennen und nichts zu erzwingen und das tust du. Damit bist du auf dem richtigen Weg.

    1. Liebe Inga,
      ich musste gerade bei dem Lesen von deinen Worten ein paar Tränen verdrücken. Bei mir ist das Kind zwar erst zwei, und es löst sich, aber gerade heute wo wir in der Kitaeingewöhnung einen Megarückschritt hatten, da trifft mich das „dass ich irgendwie schuld daran bin, dass er so klammert total“. Nein, sind wir nicht. Ich habe gestillt, ein wenig getragen und das Kind schläft immer noch neben mir, aber wie viele Kinder gibt es, bei denen das aus passiert und die überhaupt nicht so klammern. Die bringen ganz viel selbst mit, eine eigene Persönlichkeit.
      Danke!

      Liebe Sandra,
      ich hab dich ja mit dem zehn Wochen alten Lütten erlebt – und du bist einfach eine klasse, liebevolle Mama und ich glaube, dass begleitet ihn auch, auch wenn er vielleicht die Nähe nicht braucht. Und jetzt lehn ich mich bisschen aus dem Fenster, weil Bewertungen oder Beurteilungen aus der Ferne find ich eigentlich nicht so toll – wenn es unnormal bei ihm wäre, dann wäre die Eingewöhnung einfacher verlaufen. Aber er ist ja sicher gebunden, es war ja nicht egal, ob du dabei warst oder nicht!!!
      Ja, und ich habe dich schon mehrfach beneidet, aber einfach weil das andere Extrem manchmal auch so weh tut, und so schmerzt. Weil ich ein zweites Jahr zuhause geblieben bin, und nochmal zurückgesteckt habe, weil ich kaum noch ein Leben neben dem Kind habe, alte Freundinnen nicht sehe, weil ich abends nur beschwerlich vom Kind weg kann (und nein, ich habe keine Lust, dass der Mann und das Kind um 22 Uhr abends fertig vom Schreien, Weinen und dessen Begleiten sind – den Preis mag ich halt nicht zahlen). UNd ich weiß immer: Wenn Neid da ist oder zu groß wird, ist es definitiv an der Seite für nur Mamazeit. Dann muss was bei mir passieren.

      Übrigens ist mir das Buch Elterncoaching von Jesper Juul eingefallen, da gibt es ein (oder mehrere) Beispiele zu Kindern, die „autonomer“ sind. Das gibt es auch in der Bibliothek, guck da doch mal rein. Das ist ganz kurzweilig geschrieben.

      und wirklich danke fürs Aussprechen – ich finde das Thema Kind & Privatsphäre immer sehr, sehr wichtig, aber solche Artikel wie dieser sind es auch.
      (Und der Link hinter Susanne funktioniert nicht – da landet man bei Mini and Me).
      Liebe, liebe Grüße!

      1. Danke für Deine Zeilen und den Hinweis auf Jesper Juul. Danach schau ich mal.

        Wieder einmal zeigt sich: Es gibt wohl kaum eine Mutter, die nicht mit irgendetwas hadert/ sich Sorgen macht/ ihre eigenen Bedürfnisse wiederfinden muss. Mutterschaft ist und bleibt ein verrücktes Ding und es ist tatsächlich ein Geschenk, wenn offen über Sorgen und Fragestellungen gesprochen wird. Ich habe diesen Artikel schon lange im Kopf und nie geschrieben – weil ich das Thema sehr intim finde und nicht sicher bin, ob der Lütte es in zehn Jahren toll findet, dassüber sein mangelndes Kuschelbedürfnis diskutiert wird. Aber ich haben ihn am Ende doch geschrieben. Weil ich selbst so traurig darüber war, zu diesem Thema so wenig im Netz zu finden. Und ich hoffe, dass irgendwann eine frischgebackene Mama diesen Artikel liest und sich getröstet fühlt.

        Euch wünsche ich einen Weg, der sich bald auch wieder für Dich gut anfühlt. Toi Toi toi!!!

  5. Hey 🙂
    Ich kann dich sehr gut verstehen!
    Meine Große 2 1/2 Jahre alt, wollte zwar als Baby immer nur getragen und viel gestillt werden, sie ist aber heute, nur wenn sie es ausdrücklich wünscht, zum kuscheln bereit 🙂 aber erst seit etwa einem halben Jahr beim ins Bett bringen. Zwischen dem ersten und zweiten Geburtstag wars gar nix mehr mit Nähe. Mache mir auch oft deshalb Gedanken warum sie so selten meine Nähe sucht. Auch beim Kita verabschieden oder abholen springt sie mir nicht wie andere in die Arme. Wenn man ihr zu nah kommt, sagt sie: Stopp, geh bitte weg. ( Früher hat sie gehauen, als sie sich nicht ausdrücken konnte) . Aber sie ist ein fröhliches Mädchen und sie ist wie sie ist.
    Ich selbst bin auch nicht so nähebedürftig und das ist auch ok so.

  6. Liebe Sandra,
    bunte Hochglanzblättchen geben doch nur die Eckpfeiler des AP im Schnellversteherformat wieder. Klar, stillen, co-sleeping, tragen gehören dazu, aber das ist nur das, was auf eine Doppelseite draufpasst und auch dem weniger intelligenten Leser schnell beigebracht werden kann.
    Aber AP ist ja vor allem bedürfnisorientiertes Elternsein. Und dein Kind weiss ja, dass es ins Elternbett dürfte, wenn es wollte. Das ist halt anders, als Eltern die ihr Kind konsequent im Kinderbett haben wollen.
    Vielleicht kommt er ja dann im Alter von 11 bis 15 zu euch. 😛

    Ich war auch so ein „bloss-weg-von-Mama-Kind“ und sie hat drunter gelitten. Trotzdem haben wir ein super Verhältnis.

    LG, Miri

  7. Vielen Dank für deinen tollen Artikel. Wir Mütter vergleichen uns ja leider so viel, da kommt ganz schnell das Druckgefühl von außen. Sich davon frei zu machen, fällt mir auch immer mal wieder schwer. Daher schön, dass du deine Gedanken aufgeschrieben hast. Wir sind eben alle vielfältig… Liebe Grüße

  8. Liebe Sandra!

    Ich lese deinen Blog schon sehr lange (und sehr gerne, Kompliment!!). Über deine ersten Artikel rund um den Lütten habe ich mich besonders gefreut – vor allem, weil ich selbst im Juni letzten Jahres ein Kind bekommen habe (und ‚Mama-Blogs‘ nicht so gerne mag).

    Jetzt aber zu deinem Artikel hier. Nicht nur ganz toll geschrieben, sondern er spricht mir auch sehr aus der Seele. Mein Sohnemann ist so ein Mittelding: Er kuschelt ganz gerne (zum Beispiel seit ein paar Monaten zum Einschlafen), schläft aber seit der Geburt alleine (erst im Babybay, seit er 10 Monate alt ist in seinem Kinderbett im Kinderzimmer). Auch als Baby hat er lieber im Kinderwagen als in der Trage geschlafen. Und ich hab mir manchmal auch Sorgen gemacht, dass ich ihm zu wenig Nähe gebe. Andererseits war ich froh, dass er ich so etwas „unabhängiger“ war und er diese ständige Nähe nicht „brauchte“.

    Mir stoßen die vielen Artikel über AP in letzter Zeit (v.a. die Diskussion um diesen Artikel in der SZ oder ZEIT, weiß ich grad nicht…) auch etwas übel auf, da sie häufig so dogmatisch und oberflächlich daherkommen. Ich war als frisch gebackene Mutter doch ziemlich geschockt, wie krass es sich anfühlt, Mutter zu sein. Wie viel da dran hängt! Und wie unsicher ich war. Ich, die beruflich fest im Sattel sitzt, für alles eine Lösung hat und eigentlich immer guter Dinge ist. Ich habe während der Schwangerschaft und in den ersten Wochen auch sehr viel gelesen und meinen Freundinnen Löcher in den Bauch gefragt, aber ich habe schnell festgestellt, dass mir das gar nicht gut tut. Mittlerweile habe ich raus, auf meinen Bauch zu hören – zumindest meistens.

    Übrigens geht es mir mit dem Thema Kaiserschnitt wie dir mit dem Thema Nähe. Überall wird die natürliche Geburt glorifiziert und der Kaiserschnitt als unnatürliche Entbindung kritisiert. Ich hatte einen ungeplanten Kaiserschnitt und leide immer noch sehr darunter – jedes Mal neu, wenn ich Artikel darüber lese…

    Viele Grüße aus Köln
    Julia

    1. Deinen Hinweis auf die „Glorifizierung“ der natürlichen Geburt finde ich an dieser Stelle sehr angebrach. Danke dafür, Julia.

      Es ist doch letztlich so: Hinweise auf (vermeintlich) schädliche Dinge, auf die wir ALLEIN mit unserem Verhalten Einfluss nehmen können, sind angebracht. Wenn jemand viel raucht und ihm vorgebetet wird, welche guten Effekte das Nichtrauchen hat, dann ist das grundsätzlich konstruktiv. Derjenige könnte es aus eigener Kraft ändern. In Sachen Elternschaft gibt es aber immer zwei Menschen: das Elternteil und das Kind. Und in Sachen Geburt natürlich noch die Ramenbedingungen. In diesem Zusammenhang sollte man immer bedenken, dass dogmatische Empfehlungen an den Erwachsenen eigentlich total Humbug sind. Weil er/ sie allein es nicht vollständig in der Hand hat, was passiert.

      Ich wünsche Dir, dass Du euren Kaiserschnitt-Weg irgendwann friedlich akzeptieren kannst. Ich kann mir aber vorstelen, wie schwer das ist. Habe ich schon ganz oft gehört. Umso mehr wünsiche ich Dir inneren Frieden damit!

  9. Liebe Sandra,

    Dein Artikel berührt mich sehr. Mein Kind ist jetzt zwei Jahre alt und hat von Anfang an nicht gerne gekuschelt. Ich habe es lange Zeit nur auf die schwierigen Startbedingungen geschoben und habe furchtbar darunter gelitten, da ich mich sehr um unsere Bindung gesorgt habe und das auch jetzt noch manchmal tue. Leider hatte ich eine traumatische Geburt und ich lag in den ersten vier Monaten mehrmals mit und ohne mein Kind im Krankenhaus. Obwohl ich alles in meiner Macht stehende getan habe, um gut für mein kleines Kind zu sorgen und Geborgenheit zu schenken, hat es natürlich Spuren hinterlassen. Mir tut es daher gut zu hören, dass das Kuschelverhalten auch ganz einfach mit der Persönlichkeit des Kindes zusammen hängt und dies auch ohne die Erfahrungen, die wir hatten, vorkommt. Ich schaffe es so mir weniger Vorwürfe – die auch wenig hilfreich sind – zu machen.

    Ich wünsche euch wunderbaren Müttern (und mir selbst) mehr Nachsicht mit euch und eurem Kind – egal wie es ist, es ist wunderbar und einzigartig so wie es ist.

    Alles Liebe

  10. Liebe Sandra

    Deinen Beitrag habe ich gestern gelesen, und kommentiere jetzt, weil er mir noch immer im Kopf herum geht – v.a. Deine Frage nach, Was, wenn nicht kuscheln?
    Meine erste Tochter hat das volle Bilderbuch-Programm mit Stillen, Tragen, Familienbett mitgemacht und genossen. Meine Zweite (so alt wie der Luette) ist vermutlich ein Mittelding; mit dem Stillen war sie immer fix fertig und im Tragetuch hat es ihr nicht gefallen. Sie schlaeft ganz gern in unserem Bett, mag es aber nicht, wenn ihr jemand dabei zu nahe kommt.

    Im Laufe der letzten Jahre haben mir andere Ansaetze – Montessori, Pickler und REI – zum Teil mehr weiter geholfen als die AP Ideen. Die Sicht auf kindliche Beduerfnisse ist hierbei ja etwas anders. Vielleicht gibt es in entsprechenden Foren Gleichgesinnte, mit denen Du Dich austauschen kannst?

    Meine zweite Tochter liebt es zu raufen und auch den Koerperkontakt dabei. Gemeinsam Buecher anzusehen mag sie auch, genauso wie KnieReiter. Zum Spazierengehen mag sie uebrigens gern die Rucksacktrage. Koerperkontakt gibt es dabei auch nicht, aber immerhin gleiche Augenhoehe. Vielleicht hast Du schon eine oder die Moeglichkeit, eine auszuprobieren.

    Ganz herzliche Gruesse
    Daija

    1. Danke für den Impuls, mich mal mehr mit Montessori, Pickler und REI zu beschäftigen. Vielleicht komme ich darüber auch nochmal auf Gedanken, die unseren individuellen Weg stützen können. Denn inzwischen glaube ich, dass man sich aus allem ein bißchen was ziehen kann – letztlich aber einzig und allein der eigene Bauch die Richtung vorgibt.

      Es ist schön zu lesen, dass Ihr Euren Weg schon gefunden habt. DAfür weiterhin alles alles Gute!

  11. Ich habe auch ein, wenn man es so nennen mag, distanziertes und tendenziell ängstliches Kind. Er hat in seinen 13 Monaten Lebenszeit nicht 1x sein Köpfchen bei mir angelehnt. Er schläft im eigenen Bettchen, stemmt sich beim Tragen ab und wendet sich nach vorne, so dass auch jegliche Tragehilfen nicht zum Einsatz kommen können. Aber er ist das glücklichste Kind, wenn wir zusammen auf dem Teppich sitzen, spielen und auf unsere Art im 1 zu 1 Kontakt intensiv miteinander kommunizieren und lachen. Wir starten gerade mit der Eingewöhnung und es ist nicht einfach für mich, mir vorzustellen, wie mein Kind in irgendeiner Not ohne körperlichen Kontakt getröstet werden könnte. Ich habe aus deinen Berichten sehr viele Impulse gewonnen. Sehr beeindruckend war für mich, wie selbstsicher du seinerzeit konstatiertest, dass dein Kind auch abseits auf einem Stuhl sitzend durchaus zufrieden und glücklich sein kann. Same here! Ich denke, dies zeigt eine große Empathie. Beim 1. Kind hatte ich es leider nicht geschafft, mich von diesen Vereinheitlichungsgedanken zu distanzieren. Die Erzieherin wollte die Eingewöhnung erst abschließen, als meine Tochter sich endlich dem Gruppenzwang unterwarf und an ALLEN Gruppen-Aktivitäten teilnahm. Das macht mich im Nachhinein noch ziemlich wütend. Bei meinem Sohn bin ich gewappnet. Wir sind eben nicht alle Herdentiere!

    1. Oh ja, die Eingewöhnung. An der wird in der Tat nochmal deutlich, dass man sehr genau hinschauen sollte, was das eigene Kind braucht, wie es in der Vergangenheit auf Situationen reagiet hat und wie das Eingewöhnungs-Verhalten zu deuten ist. Denn wie Du ja selbst erlebt hast: Wen die Erzierherinnen und/ oder die Eltern dabei ein Standardprogramm durchziehen, kann das total nach hinten losgehen. Ich bin froh, dass unsere Kita da eng mit mir zusammengearbeitet und sich auf unser Tempo eingelassen hat. Inzwischen läuft es supergut und der Lütte ist aufgetaut (da fällt mir auf, ich muss mein Logbuch mal zuenede schreiben, was? ;-))

      Danke für Deine Erfahrungen, Jasmin. Über all die Kommentare hier erden sich andere Mütter, die zu dem Thema recherchieren, sicher sehr freuen!

  12. Hallo Sandra, gut das es mal jemand so auf den Punkt bringt. Ständig denkt man doch, dass man als Mutter was falsch macht.
    Ich habe zwei Jungs, 8 und kurz vor 6. Der große ist der Nicht-Kuschler, der kleine ist ein Ich-will-immer-kuscheln.
    Das hört sich im ersten Moment toll an. Ist dann ja quasi ausgeglichen. Aber, ich habe sehr oft ein schlechtes Gewissen, dass ich den Großen vernachlässige. Der Kleine kommt und fordert Nähe. Bekommt sie. Im gleichen Moment habe ich immer das Gefühl, dem Großen zu wenig zu geben. Die Momente, wo ich nah bei ihm dran bin sind kurz, aber dann auch von ihm gewollt und ich merke, wie er diese kleinen Inseln dann braucht. Sind die aber zu wenig? Muss ich mehr in die Offensive gehen?
    Zwischen zwei Stühlen kommt mir auch mal der Gedanke, dass ich evtl (ungewollt) ein Lieblings Kind habe. Dabei liebe ich beide. Es ist sehr schwer, dieses für mich Ungleichgewicht der Kuschelverteilung auf eine gerechte Aufteilung zu bringen.

    Liebe Grüße
    Corinna

  13. Liebe Sandra,
    als Kinder-und Jugendlichen Psychotherapeutin schüttel ich gerade den Kopf und möchte Dir sagen, alles gut!
    Du folgst offensichtlich dem Tempo Deines Kindes und reagierst darauf angemessen. Es läuft weder etwas falsch noch machst Du etwas falsch, wenn Dein Kind nicht gerne ausgiebig kuschelt.

    Die „Baby-Bs“ finde ich auch eher schwierig, wenn z.B. der Anspruch ist, immer alle Signale eines Säuglings wahr zu nehmen um auf jeden Fall ein Schreien zu verhindern, finde ich das weder realistisch noch besonders Mut machend. Wenn das nämlich trotzdem passiert, und ja, Säuglinge können auch missverständliche Signale senden, ist das Schuldgefühl als Mutter vorprogrammiert.
    Ebenso wie der Umstand, dass nach einem Kaiserschnitt nicht sofort ausgiebing gekuschelt werden kann. Was ist denn dann? Versagt als Mutter? Kind ohne sichere Bindung?

    Wenn Kinder ausdrücken dürfen, dass sie keine körperliche Nähe in bestimmten Situationen wollen, ist das so viel wert und zeigt, dass sie sich sicher gebunden, gesehen und gehört fühlen und sich „trauen“, das zu zeigen. Darauf kannst Du mit Recht stolz sein!

  14. Liebe Sandra,
    mein „Nicht-Kuschel-Mädchen“ ist inzwischen fast 18 Jahre alt.
    Ich habe sehr viele Jahre sehr darunter gelitten, dass meine Liebe nicht erwidert wurde, so habe ich es zumindest empfunden. Selten, aber trotzdem ab und an, war ich auch wütend und habe mein Mädchen angeschrien, weil ich so verletzt war. Gerade in Situationen, in denen ich hätte so gern Trost spenden wollen. Als sie größer wurde und andere Kinder immer weniger kuscheln wollten wurde es besser. Heute habe ich mich mit der Situation revanchiert und bin dankbar, denn ab und zu braucht mein Mädchen eine Rückenmassage. Das genieße ich total. Ich bin so stolz auf sie, da sie auch ohne Bedürfnis nach Nähe ein toller Mensch geworden ist. Immer schon sehr selbständig, offen und selbstbewusst. Trotzdem frage ich mich oft, ob ich hätte im Kleinkindalter therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen sollen um zu fördern, dass sie mehr Nähe zulässt. Jetzt ist es dafür zu spät….. Meine Bedenken rühren daher, dass sie auch keine Nähe zu Jungs zulässt. Sie hat viele männliche “ gute“ Freunde, die meine Tochter sehr mögen. Ich weiß nicht in wie weit es für sie ein Problem ist. Leider ist sie auch kein Mensch der bei Problemen das Gespräch sucht.
    Ich wünsche allen Betroffenen einen guten Umgang mit ihren Kindern, richtige Entscheidungen und eine tolle gemeinsame Zeit.
    Ein weiß ich ganz bestimmt, unsere Kinder lieben uns genauso aus vollem Herzen wie andere auch.

  15. Liebe Sandra,

    vielen Dank für diesen tollen Artikel. Endlich mal jemand der das auch „öffentlich“ anspricht.

    Wie du weißt, habe ich mit unserem Kleinen auch keinen Kuschler zu Hause. Am Anfang dachte ich, dass kommt irgendwann. Ist ja bei den meisten anderen auch so. Tja, Pustekuchen. Auch mit 13 Monaten ist er nicht am kuscheln interessiert. Nur ganz selten passiert das mal. Und dann auch nur für maximal eine Minute. Mucki möchte dann lieber schnell runter und sich mit etwas anderem beschäftigen. Gott, was habe ich da lange drunter gelitten. Hab mich gefragt, warum ist das so? Habe ich was falsch gemacht? Muss ich was anders machen?…..
    Unser Mucki schlief nur selten mit uns im Bett. Wir haben relativ schnell gemerkt, dass er (und auch wir) wesentlich besser schlafen wenn er ihm Beistellbett lag. Und seitdem er vier Monate alt ist, schläft er in seinem eigenen Bett. Manchmal wenn ich dann doch ein Bedürfnis nach seiner Nähe habe, lege ich mich für eine gewisse Zeit zu ihm ins Bett. Er schläft dann schon tief und fest und ich kann so ein bisschen Babyduft und kuscheln tanken.:)
    Mich verunsichern diese ganzen Modelle, neue Trends und diverse Blogs oft. Ich habe Mucki ein Jahr lang gestillt, habe ihn viel getragen, bin immer für ihn da usw. Laut „Ratgeber“ alles richtig gemacht. Kuscheln will er trotzdem nicht. Und nü…??

    Allerdings muss ich auch sagen, dass er sich seit der Krippeneingewöhnung etwas verändert hat. Wenn ich ihn abhole dann freut er sich richtig und will sofort auf meinem Arm. Dann kann ich ihn kurz fest drücken und gestern hat er mir zwei Küsse auf die Wange gegeben. Das war so schön. Für andere vielleicht normal für mich eine vollkommen neue Situation.

    Im Grunde weiß ich, dass ich alles richtig mache. So ist er nun einfach. Einige haben ja oben geschrieben, dass die Kinder einfach ein gutes Urvertrauen haben und nicht so sehr auf unsere Nähe angewiesen sind. Dies klingt für mich sehr schlüssig und annehmbar.

    Ach ja, vor ein paar Wochen haben wir Muckis ersten Geburtstag mit der Familie nachgefeiert. Irgendwann wurde er dann extrem quengelig und müde. Er krabbelte dann auf meinen Schoß und kuschelte sich richtig doll in meinen Arm und schloß die Augen. Ich sagte noch ganz erstaunt: „Guckt mal, Mucki kuschelt“. Fünf Minuten später kotzte er mich dann in hohen Bogen an. Nun gehe ich davon aus, dass wenn er sich mal wieder so ankuschelt er krank ist und mich wahrscheinlich gleich wieder anspuckt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.