Cast Away. Oder auch: Wie mir ein Heliumballon durchs Wochenbett half.

Denke ich an die erste Zeit im Wochenbett, dann denke ich augenblicklich an den Film „Cast Away“ mit Tom Hanks in der Hauptrolle. Genauer gesagt an Wilson. Den aufgeplatzten Fußball, der im Film mit seinem angedeuteten Gesicht innerhalb kürzester Zeit zum best buddy des auf einer einsamen Insel gestrandeten Geschäftsmannes wird. Ich hatte im Wochenbett nämlich einen ähnlich skurrilen best buddy. Einen, der wie Wilson nicht sprach, aber mir mit seinem stets optimistischen Gesichtsausdruck in verwirrten Momenten wortlos Zuversicht vermittelte.  Haltet mich für verrückt, aber dieser best buddy war: ein Heliumballon.

Na, lest Ihr noch weiter oder habt ihr in diesem Moment entschieden, dass Sandra voll einen an der Murmel hat? Falls Ihr noch unentschlossen über die Beurteilung meiner geistigen Verfassung seid, lasst Euch kurz die Geschichte hinter diesem Heliumballon erzählen.

Blitzgeburt – und dann ab nach Hause

Die Geburt des Lütten, sie war ein Raketenstart. Um 2 Uhr nachts kamen wir im Krankenhaus an, wenige Minuten später waren wir schon im Kreißsaal, drei Stunden später war der Lütte da und um 10 Uhr morgens lag ich bereits wieder bei uns Zuhause in meinem eigenen Bett. Dort, wo ich mich ungefähr 11 Stunden vorher allein (bzw. mit dem Mann) hingelegt habe, lag ich plötzlich mit einem Neugeborenen im Arm. Mit meinem Kind. War gefühlt in Lichtgeschwindigkeit Mutter geworden.

Es war gut, dass kein Familienzimmer im Krankenhaus frei gewesen ist und wir uns entschlossen hatten, direkt wieder nach Hause zu fahren. Allen, deren Gesundheit den Umständen entsprechend unversehrt ist und die eine nachsorgende Hebamme an ihrer Seite haben, kann ich wirklich empfehlen, ambulant zu entbinden. Es ist einfach prima, sein eigenes Bad, alle Klamotten, das gewohnte Umfeld und stets vertraute Gesichter um sich herum zu wissen.

Ich war also ab Tag 1 zuhause – und bin von da an durchaus in einige Fallen getappt, die im Wochenbett so lauern. Ich wollte schnell wieder funktionieren, brachte es nicht übers Herz, zwei Wochen lang komplett auf Besuch zu verzichten und hatte unnötigerweise auch einen gewohnten Anspruch an Ordnung. Obwohl ich im Vorfeld so häufig gelesen hatte, wie sensibel man als Mutter in dieser Zeit ist und was man besser lässt – ich hab dann doch einiges „falsch“ gemacht. Und  zwei Wochen nahezu nicht geschlafen. Nicht etwa, weil das Baby neben mir mich permanent forderte, ganz im Gegenteil. Der Lütte schlief im ersten Monat wirklich viel und unerwartet gut – ich lag trotzdem wach. Ergriffen von den Geburtserfahrungen, umgeben von einem emotionalen Feuerwerk aus Glück, Freude, Irritation, Liebe, Sorge und einer ganz großen Menge Hormone.

Die ersten Wochen mit Baby, sie sind tatsächlich eine Zeit, in der das Raum- und Zeitgefühl völlig aus den Angeln gehoben wird. Die Welt draußen dreht sich weiter – aber davon bekommt man eigentlich nichts mit. Schön ist das, oft. Verrückt ist das, immer. Schwierig ist das, manchmal.

Das beste Geschenk zur Geburt? Dieser Heliumballon!

In dieser unwirklichen Zeit freute ich mich sehr auf den Besuch meiner Freundin Svenja. Ich weiß noch genau, wie ich mit dem einige Tage alten Baby auf dem Arm, das an diesem Tag noch viel mehr als sonst gestillt werden sollte, nach dem Klingeln an der Tür die Treppe runterlief, Svenja die Tür öffnete und sie in Begeleitung vor der Haustür stand. In Begleitung eines Smilie-Heliumballons. In meiner Lieblingsfarbe übrigens.

Svenja und ich aßen Kuchen in meinem Bett. Und ich fragte meine Freundin, die schon einige Jahre länger als ich Mutter ist, immer wieder etwas, das mit „Ist es eigentlich normal, dass…“ begann. Es war nämlich einer der schwierigen Tage, an denen Svenja mich besuchte. Einer der Tage, an denen ich bei vielen Dingen nicht wusste, ob ich sie richtig machte. Meinem Mutterinstinkt noch nicht blind vertraute.

Svenja ging irgendwann, der Heliumballon blieb. Und mit ihm Zuversicht und Gelassenheit. Wann immer ich mir in den kommenden Wochen, die ich wie angeraten häufig im Bett verbrachte, verwirrt zumute war, schaute ich hinüber zu dem freundlich lächelnden Gesicht, das sich über der Schlafzimmerkommode leicht in der Luft hin und herwiegte. „Alles ist und bleibt gut“ – hätte er ene Stimme gehabt, hätte er wohl genau das geflüstert. (Nein, gesprochen habe ich nicht mit ihm, keine Sorge. Ganz so verschollen wie Tom Hanks in Cast Away fühlte ich mich dann doch nicht ;-))

Mehrere Monate hielt der Ballon durch, bevor er langsam aber sicher zusammenschrumpelte und irgendwann nur noch knapp über dem Boden taumelte. Jetzt liegt seine Hülle in einem Erinnerungskarton, in dem ich Erinnerungen an das erste Jahr mit Kind gesammelt habe.

Heliumballons in Bremen kaufen

Durch Svenjas Geschenk habe ich Heliumballons als Dekoelement übrigens überhaupt erst richtig entdeckt. Seitdem gehören sie zu Geburtstagen und in Rentierform an Weihnachten nun zu unserem Familienleben dazu. Für Bremen kann ich Euch zwei Orte nennen, an denen Ihr eine gute Auswahl an Heliumballons, die vor Ort gefüllt werden, bekommen könnt:

Das Dekoschloss

Das Dekoschloss in der Nähe des Weserparks hat eine riesen Auswahl an Partydekoration. Viel Kitschiges, aber eben auch eine breite Palette an Heliumballons. Leider sind die Öffnungszeiten nicht gerade bombig; mittwochs bis freitags, 9 bis 18 Uhr.

Website Das Dekoschloss

Articolo

Articolo ist ein Spielwarengeschäft, das ihr in Schwachhausen und in Borgfeld findet. Ich kenne  nur die kleine Filiale in der Wachmannstraße, in der man trotz der kleinen Ladenfläche gut sortiert Schöne Dinge für Kinder bekommt. Auch Heliumballons.

Website Articolo

Außerdem bieten inzwischen auch einige 1 Euro-Shops Heliumballons an, dort ist die Auswahl allerdings deutlich eingeschränkter.

So, und nun liegt es an Euch: Haltet Ihr mich für spinnert oder habt Ihr in Eurer eigenen Wochenbett-Zeit vielleicht auch Rituale oder Dinge gehabt, die Euch rückblickend Halt und Kraft gegeben haben -außer Eurer Hebamme? (Über meine phantastische Hebammenerfahrung habe ich hier ausführlich berichtet.) Vielleicht habt Ihr ja ebenfalls Anekdoten, die Ihr teilen könnt? Ich bin gespannt!

Ich werde nun gleich mal zwei Heliumballons aufhängen, die morgen hoffentlich für große Auge sorgen werden: Dann feiern wir hier nämlich bereits den zweiten Geburtstag. Wahnsinn!

Sandra

Sandra

Seit 2008 blogge ich nordisch-frisch über meine Heimatstadt Bremen und alle Regionen, in denen eine steife Brise weht und man lieber in Strandkörben als auf Designermöbeln Platz nimmt. Für Nordseeinseln schlägt mein Herz dabei besonders laut. Noch lauter allerdings für den Lütten, der seit Februar 2016 mein Leben auf wunderbare Weise auf den Kopf stellt.

One thought on “Cast Away. Oder auch: Wie mir ein Heliumballon durchs Wochenbett half.

  1. Liebe Sandra,

    so ein schöner Text! Und ich fühle mich direkt in diese seltsame Zeit vor etwa einem Jahr zurückversetzt. Wir hatten einen ähnlichen „Raketenstart“: um 4:45 Uhr die erste Wehe, um 10:45 waren wir im Kreißsaal, um 13:20 Uhr war das Fräulein da. Und ich habe mir so gewünscht mehr oder weniger direkt wieder nach Hause gehen zu können. Leider mußte das Fräulein aber überwacht werden, hatte dann noch ein Infektion und somit waren wir 8 Tage im Krankenhaus. Ich glaube so einen Mutmacher hätte ich gut gebrauchen können… Die ersten vier Wochen waren schwierig, es gab immer wieder Situationen in denen ich dachte, ich mache alles falsch oder ich bin einfach am Ende meiner Kräfte. Aber man kann ja doch mehr als man denkt. Und irgendwann ist der Knoten geplatzt. Ich hatte dann nach 2-3 Monaten nochmal einen Durchhänger, weil die Zeit einerseits so rasend schnell verging, auf der anderen Seite aber jeder Tag gefühlt gleich war und nichts passierte…
    Also, nein ich halte Dich nicht für spinnert und glaube solche „Kleinigkeiten“ können ganz viel für einen tun;-).

    Liebe Grüße,

    Stephi

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