Mein „Nein!“ zu Hochzeit 2.0

Es ist kein Geheimnis – ich heirate. Und das ist gar nicht mehr so lang hin, gute acht Wochen nur noch. Ich befinde mich in der zeitlichen Abfolge also langsam an dem Punkt, an dem jeden Tag Päckchen von DaWanda und Amazon mit kleinen Bastelutensilien bei mir eintrudeln sollten. Oder aber meine Kreditkarte vor lauter Gimmick-Shopping glühen müsste. Wo ich ständig Papierproben und einen Farbfächer mit mir herumschleppen könnte, um jederzeit in der Lage zu sein, zarte Bänder oder Strohhalme für die Candy Bar darauf zu prüfen, ob sie zur Farbe der für die Gastgeschenke vorgesehenen, in Photoshop-Nachtschichten selbstgestalteten Embleme passen. Ich befinde mich aber gerade an einem ganz anderen Punkt. An dem nämlich, wo ich lerne, zu diesem ganzen Zirkus „Nein“ zu sagen! Auf die perfekte, blogtaugliche Konzepthochzeit mit allem Zipp und Zapp zu verzichten. Vielleicht gibt es nur Zipp. Oder nur Zapp. Vielleicht aber auch nichts von beidem, sondern schlicht und ergreifend nur das eine, das Wichtigste: eine gutgelaunte Braut! Denn die strahlt auf jeden Fall heller als tausend Lampions im Park.

Monatelang habe ich mich durch Hochzeitsblogs und Pinterest-Boards geklickt. Nicht ständig und stundenlang, ich war von Beginn an keine übereifrige Braut in spe. Während bei einigen monatelang der Hochzeitstag den Mittelpunkt des Denkens und Handelns bildet, während Beruf- und Sozialleben so nebenherläuft, konzentriere ich mich nach wie vor auf Job, Freunde und … bitte, liebe Leute, nicht vergessen in all dem Vorhochzeitswahn! … den Liebsten. Dennoch, ich bin von Hause aus Perfektionistin und das utopische Ziel lautete: Das soll eine unvergesslich tolle Konzepthochzeit werden, bei der alles wunderbar miteinander harmoniert. Eine besonders gefährliche Mischung, Perfektionismus plus Konzepthochzeit. Vor allem für eine, die in Sachen Inneneinrichtung und DIY eher zu den minderbegabten Menschen gehört. Denn während diese Mischung mit dem Zusatz „Spaß an der Sache“ noch halbwegs erträglich ist, wird sie mit dem Bestandteil „Frust über mangelndes Talent“ hochexplosiv. Eine Belastung.

Unnötiger Ballast auf der Seele sollten aber tunlichst kein Bestandteil der Hochzeitsvorbereitungen sein. Das Standardprogramm ist schon stressig genug. Ich habe wirklich unterschätzt, was die ganz normalen Organ-Dinge wie Hotelkontingente buchen, Hochzeitskarten gestalten, Autoschmuck bestellen, Locations anschauen, Schuhe zum Kleid suchen, Trauzeugen über Programm auf dem Laufenden halten, Probetermin bei der Visagistin vereinbaren, Kuchenbuffet überlegen, DJ briefen und Hotel für die Flittertage reservieren schon für Zeit in Anspruch nehmen. Denn allem gehen Entscheidungsprozesse und Recherche vorweg. Und Entscheidung trifft an als Brautpaar im Idealfall zu zweit. Und bei zwei berufstätigen Menschen sind die Zeitfenster für Entscheidungen noch kleiner als bei einem allein. Berücksichtigt man dann noch, dass  wir uns tatsächlich noch einiges anderes abends zu erzählen haben als die neuesten prae-Ja-Wort-Erkenntnisse, kommt man grob gesagt zu folgendem Ergebnis: Werktags passiert nichts Nennenswertes, lediglich an den Wochenenden findet man mal Gelegenheit, größere Entscheidung zu treffen. Wohlgemerkt: nicht an jedem. Daher möchte ich allen Bräuten2014ff an dieser Stelle mal eines zurufen: Ihr seid bereits toll, wenn ihr rechtzeitig alle Standardelemente einer Hochzeit parallel zu Job und Alltag organisiert habt. Echt! 

Aber das kann doch jeder, mögt Ihr entgegnen. Nein, kann nicht jeder. Wir orientieren uns immer an den wunderschönen Fotos, die uns auf Papeterie-Websites oder Hochzeitsflugs gezeigt werden. Aber das liegt schlichtwert daran, dass uns die hässlichen, lieblosen Hochzeiten niemand zeigt. Die, wo rote Papierservietten neben billigem Herzkonfetti liegen. Wo der Bräutigam ein eierschalenfarbenes Hemd zum weißem Sakko trägt. Und das Essen an die Amtskantine erinnert. Und ich glaube, davon gibt es mehr, als wir denken.

Mir machen die styled shoots Kopfweh und Druck. Und deshalb nehme ich Abstand von all dem. Und zwar nicht nur, weil ich dadurch von To Dos befreit werde, sondern weil man sonst auch Gefahr läuft, das zu vergessen, worauf es wirklich ankommt: Den Mann, den man heiratet. Die Beziehung zueinander und die gemeinsame Geschichte. Und all das ist nicht weniger wert, wenn keine farblich abgestimmten Cupcakes mit selbstgebastelten Fähnchen auf dem Tisch stehen.

Findet übrigens auch Lieschen, deren Beitrag ich allen, denen es ähnlich geht wie mir, dringend empfehle!

About Sandra

Ich schreibe hier über drei Dinge, die mich jeden Tag aufs Neue beschäftigen: meine Heimatstadt Bremen, meine berufliche Selbständigkeit und mein Alltag als Mutter eines Kleinkindes. Was mir am Herzen liegt: Euch anzustiften! Zu Unternehmungen an der Weser, zu Mut im Berufsleben und zu einem humorvoll-offenen Herzen für Eure Kinder. Allen Herausforderungen zum Trotz. Dass es nicht immer einfach ist, Familie und Job zu vereinbaren, darum geht es hier nämlich auch ab und zu.

7 thoughts on “Mein „Nein!“ zu Hochzeit 2.0

  1. Als ich gerade begann zu lesen musste ich schmunzeln. Vor noch gar nicht zu langer Zeit sprachen mein Freund und ich auch über diese Hochzeitssache und eines der ersten Dinge die ich äußerte war, dass ich gerne Poltern würde, dass es auf jeden Fall Kuchen geben müsse und Brautjungfern fände ich auch ganz schniecke. Natürlich darf da der Mustang als Hochzeitsauto nicht fehlen und wenn man dann gerade durch den Sonntäglichen 4 Hochzeiten und eine Traumreise Marathon gestolpert ist weiß man natürlich das die eigene Hochzeit so viel besser wird als alle anderen auf dem Planeten und am Ende bleibt der fade Nachgeschmack das man vielleicht auch einfach zu große Erwartungen an sich selbst stellt.

    Sich zu besinnen und bewusst alles mal ruhiger angehen halte ich für die beste Idee und wenn der Plan dann erstmal steht, dann wird es schon die beste Hochzeit der Welt werden und dafür braucht es kein Konzept oder keinen künstlichen Glitter. Ersticke dich und deinen Liebsten bloß nicht im Stress, denn wer will schon in der Hochzeitsnacht todmüde in die Federn fallen und froh sein das alles vorbei ist? Wobei man letzteres wahrscheinlich trotzdem nicht vermeiden kann ;D

    Ich wünsche euch ganz viel Glück und Spaß und Kram.

    1. Hihi, diese VOX-Sendung holt mich auch immer zurück in die Realität.
      Danke für die guten Wünsche – ich hoffe, das „Ruhiger angehen“ wird die nächsten Wochen klappen.

  2. Liebe Sandra, genau richtig! Niemand sollte sich danach richten, was andere machen oder was vielleicht irgendwer erwartet oder sich nachher auf den Bildern gut macht. Nur so viel Zipp und Zapp, wie es Spaß bringt! Es kommt darauf an, einen wunderschönen Tag mit den allerliebsten Menschen zu verbringen – das ist einzigartig! Und das ganze Drumherum ist gut und schön, aber sobald es in Stress ausartet: unbedingt weglassen. Ich wünsche Euch eine ganz tolle Hochzeit! Unsere ist heute genau ein halbes Jahr her 😉
    Liebe Grüße
    Astrid

  3. Liebe Sandra,
    ich habe beim Lesen die ganze Zeit immer nur ja, ja, ja, ja gedacht. Wir haben im letzten Jahr geheiratet und uns gegen ziemlich viel entschieden. Ohne dabei einen wunderschönen Tag aus den Augen zu verlieren, der genau das war, was wir wollten. Kein Fotograf, kein Brautstrauß, keine speziellen Autos, keine Visagistin. Ein Standesamt, ein kleiner Frühshoppen und abends eine nette kleine Feier in einem hübschen Restaurant. Viele Menschen waren im Vorfeld skeptisch „Aber du brauchst doch einen Strauss!“ oder „Wie es gibt keine Tischordnung?“ waren oft gehörte Sätze. Aber dann waren alle ganz begeistert und am wichtigsten wir zwei zu allererst! Es war locker, wir hatten Zeit für alle, wir hatten einen Nachmittag nur für uns und alle hatten einen schönen Tag.
    Also: konzentrieren, alle reden lassen und einfach nur genießen.
    Alles Gute!

    1. Das bewundere ich wirklich. Die „Klassiker“ wie Tischordnung und Strauß gibt es bei uns durchaus auch. Aber es tut gut zu hören, dass das schon mehr als Nötig ist 😉

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