Strandkorbversammlung in Utersum: Wenn der Winter nicht mehr fern ist

Dicht zusammengerückt genießen sie die Abendsonne auf Föhr. Still und konspirativ haben sie sich in engen Reihen aufgestellt, solidarisch nahezu. An machen Stellen ein kleiner Spalt, in dem sich jedes Kind wohl gern verstecken würde. Und auch ich schlängle mich hinein in die Strandkorbversammlung und kann kaum glauben, dass sie der unübersehbare Vorbote auf den Winter ist. Dunkle kalte Stunden? Davon ist gerade so gar nichts zu spüren an diesem sonnigen Montag vor der Strandkorbhalle in Utersum. Warmes Licht hüllt uns ein, wir müssen die Sonnenbrillen aufsetzen, um der Sonne entgegen schauen zu können.

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Und dennoch: Wo eine Strandkorbversammlung zu beobachten ist, wartet eine Ecke weiter der Winter. Denn stets wiederholt sich am Ende der Sommersaison auf den friesischen Inseln das gleiche Ritual: die Strandkörbe werden nach und nach vom Strand entführt und vor der kalten Jahreszeit in Sicherheit gebracht. Vereinzelt dürfen Körbe den Nordsee-Gästen und Einheimischen noch Schutz gewähren, aber die Reihen lichten sich von Woche zu Woche mehr. In den Strandkorbhallen bekommen die Körbe dann den Winter über eine Wellnesskur, während draußen der eisige Wind durch das Dünengras fegt. Für manch einen Korb ist das Inselleben am Ende des Sommers aber auch vorbei und er wird in Rente geschickt. Was auf Föhr dann mit den Strandkorb-Senioren passiert, weiß ich nicht – auf Sylt kann man ein ausrangiertes Nordseemöbel für schmales Geld mit nach Hause nehmen.

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Ach Du bunte Strandkorb-Truppe, ich kann nicht glauben, dass der Sommer schon vorbei sein soll. Und wenn das schon der Fall ist, würde ich gern einen von Euch schnappen und als Entschädigung mit nach Bremen nehmen. Doch das gestaltet sich schwierig. So bleibt in diesem Moment nur eins: hinüber gehen zu den verbliebenen Körben am Strand und vielleicht den letzten Insel-Sonnenuntergang in diesem Jahr genießen, bei dem man noch keine kalten Wangen bekommt.

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Aber was tun, wenn es draußen zu kalt wird, um die Sonne am Horizont ohne Schlottern und Frieren verschwinden zu sehen? Dann setzt man sich in Utersum einfach in die Sehliebe. Von dort aus hat man nämlich auch einen wunderbaren Blick aufs Meer – egal obs stürmt oder schneit. Und was gibt es besser, als nach einem Winterspaziergang an der Nordsee ins Warme zu kommen, einen Tee zu bestellen und sich mit einem Wellen-Panorama vor der Fensterscheibe aufzuwärmen? Genau, kaum etwas.

Außerdem machen es die Strandkörbe zur selben Zeit ja nicht anders.  Tun wir also das selbe: beziehen wir ein gemütliches Winterlager und tanken wir darin Energie für die Zeit, in der es wieder nach draußen geht!

About Sandra

Ich schreibe hier über drei Dinge, die mich jeden Tag aufs Neue beschäftigen: meine Heimatstadt Bremen, meine berufliche Selbständigkeit und mein Alltag als Mutter eines Kleinkindes. Was mir am Herzen liegt: Euch anzustiften! Zu Unternehmungen an der Weser, zu Mut im Berufsleben und zu einem humorvoll-offenen Herzen für Eure Kinder. Allen Herausforderungen zum Trotz. Dass es nicht immer einfach ist, Familie und Job zu vereinbaren, darum geht es hier nämlich auch ab und zu.

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