„Mama. Tiere füttern. Ja?“ Oder auch: Urlaub auf dem Bauernhof Liendl in Kärnten [Werbung]

„Wo ist mein Eimer? Mama?!  Wo ist der? Der Eimer?“ Der Lütte schaut erst fragend an die mit vielen Namen versehene Hakenleiste, dann zu mir. Tatsächlich. Die Eimer, die an dieser Stelle sonst jeden Morgen mit Brotstücken gefüllt hängen, sind nicht da. „Mama, wo ist mein Eimer?“ Der Lütte ist ganz aufgeregt. Und ich merke wieder einmal: Es sind die kleinen Dinge, die wiederkehrenden Rituale, die Kinder glücklich machen. Wie das tägliche Füttern der Tiere auf dem Bauernhof Liendl am Keutschacher See, wo wir in diesem Jahr knapp zwei Wochen verbracht haben.

Warum es für uns nach Kärnten ging, das dürfte inzwischen auch der letzte von Euch bei Instagram oder hier auf dem Blog mitbekommen haben. Die Destination war also klar und auch ein Bauernhof als Ort der Unterbringung war für uns ein Muss. Was uns außerdem wichtig war: andere Familien mit Kindern sollten vor Ort sein, ein Frühstück inklusive und der direkte Kontakt zum echten landwirtschaftlichen Alltag mit Tieren für den Lütten möglich. Ich setzte mich also an den Rechner, befragte die Suchmaschine – und fand mich plötzlich im Portalparadies wieder. Denn für genau für solch ein Vorhaben gibt es das qualitätsgeprüfte Online-Verzeichnis „Urlaub am Bauernhof„.

Ein Portal, auf dem nach Zielgruppe, Region und Vorliebe (ich sag nur „Vitalbauernhöfe„, „Baby-Bauernhöfe„, „barrierefreie Bauernhöfe“ und sogar „Almhütten„) sortiert rund 400 bäuerliche Vermietungsbetriebe  in Kärnten zu finden sind. Das entspricht ungefähr einem Drittel alle Bauernhöfe dieser Region, die Gäste beherbergen, womit schon klar sein düfte: In diese Liste schafft es nicht jeder Betrieb, sondern es sind einige Kriterien zu erfüllen.

Ein Bauernhof am Keutschacher See

Der Bauernhof Liendl war ziemlich schnell in unserer engeren Wahl. Vor allem die Lage direkt am Keutschacher See hatte es uns angetan. Und mit „direkt“ am See meine ich DIREKT am See. Wir haben den Lütten und uns selbst immer in unserem Zimmer in die Badeklamotte geschmissen und sind die 50 Meter einfach rübergeschlappt. Sonnencreme vergessen? Das Kind ist reif für den Mittagsschlaf? Solche Momente waren mit keinerlei Stress verbunden. Einfach wieder kurz zurückschlappen – fertig.

Der Keutschacher See, einer von insgesamt – wait for it – 1.200 Seen in Kärnten, hat Trinkwasserqualität. Wer das nicht glaubt, kann einfach die Seerosen fragen, die in Hülle und Fülle am Steg unseres Seeabschnittes zu finden waren. Es gibt Strandcafés, eines betreibt die Tochter von Peter Scheriau, dem Inhaber des Bauernhof Liendl.

Peter, er ist ne echte Type. Klare Ansagen und dabei ein Herz aus Gold. Fleißig ohne Ende und stets präsent. Ob am Jausenabend in traditioneller Lederhose, beim täglichen Sprung in den See in Badehose, bei der Ausgabe der Füttereimer in Jogginghose oder beim jährlichen Dorffest in tanztauglicher Ausgehhose. Peter lebt die Gastgeberrolle und schafft es auf authentische Weise, seine Gäste als Teil des Hoflebens zu betrachten. Er vermittelt die Tradition einer Buschenschänke bei der Ausgabe von selbstgemachter Hirschsalami und sorgt beim Teckerfahren mit den Kindern für glänzende Augen. Er schafft einen Ort für Touristen, die sich dann aber nicht als Touristen fühlen. Das haben ihm sicher seine Eltern vorgelebt, die bereits den Hof besaßen. Hier ist er aufgewachsen, hier hat seine Familie über Jahrzehnte hinweg den Bauernhof immer mehr in ein behagliches Feriendomizil verwandelt.

Und er weiß mit Kindern umzugehen, tut das allem Anschein nach gern. Lautes Kettcar-Getöse rund um die 100 Jahre alte Linde im Hof? Aber klar. Ein Kind möchte zum Füttern nicht die  kleine grüne Schürze umbinden? Dann muss es das natürlich nicht. Peter und sein Team geben Eltern niemals das Gefühl, dass sie mehr als die normale Höflichkeit verpflichtet auf die Kinder achten müssen. Und haben für die Kinder immer ein freundliches Wort.

Tiere füttern auf dem Bauernhof: Ein wertvolles Ritual

Aber zurück zum verschwundenen Futtereimer: Es ist in diesem Moment Sonntagmorgen, 9 Uhr. Jeden Tag um diese Zeit tummeln sich die kleinen Gäste vor dem holzumrahmten Stall des Bauernhofes. Die einen kommen mit Eimer in der Hand hinausgehüpft, die anderen lassen sich von ihren Eltern die Schürze umbinden, wieder andere gucken schüchtern durch die Tür und überlegen, ob sie sich hineintrauen. Heute allerdings fehlen die Eimer. Der Grund dafür ist schnell gefunden: Gestern sind viele neue Gäste angereist, so dass eine Reihe an Namen an den Eimern neu geschrieben und die Regeln erst einmal erklärt werden müssen.

Das macht Peter auf der Bank sitzend. Nein, eigentlich erklärt er nicht, sondern fragt viel. Die Kinder können selbst überlegen, welches Tier wohl wie zu behandeln ist. Schnell wird deutlich: es gibt ein paar „Wiederholungstäter“. Kinder, die bereits zum zweiten Mal auf dem Hof sind und den Gleichaltrigen erzählen können, wie der Hase… äh, das Kaninchen, die Schafe, der Esel, das Pony, die Hühner, die Ziege und die Hängebauchschweine laufen.

Ein alter Joghurteimer und trockene Brotstücke – was obeflächlich keinen großen Wert besitzt, kann für Kinder unermesslich wertvoll sein. Das ist mir nochmal ganz bewusst geworden, als der Lütte so erschrocken darüber war, dass sein Eimer nicht am bekannte Platz zu finden war. SEIN Eimer, ganz genau so fühlte sich das an. Sein Eimer, mit dem er in den vergangenen Tagen die Türe gefüttert hat. Mutig die Brotstücke an den Zaun gehalten hat. Sich selbst überlegt hat, ob er heute lieber den Eseln oder doch der Ziege besonders viel geben möchte.

Eine Aufgabe zu haben, die relevant ist, eine Sache zu haben, die den eigenen Namen trägt, einen Moment zu erleben, in dem Mama oder Papa nochmals als Untertützer/in zur Seite stehen – für Kinder ist das alles eine ganz große Welt, merke ich. Ein selbstwertstärkendes Ritual.

Kettcar, Laufrad & Co.: Im Urlaub genauso beliebt wie zuhause

Es gab innerhalb unserer Zeit auf dem Bauernhof Liendl nur einen Tag, an dem der Lütte keine Lust aufs Füttern hatte. Weil er in diesem Moment unbedingt zum 682. Mal die Einfahrt des Hofes mit dem Laufrad hinabsausen musste. Der Lütte war in der ganzen Zeit nur schwer vom großen „Fuhrpark“ wegzubekommen, den der Bauernhof Liendl Kindern zur Verfügung stellt. Dreirad, Laufrad, Trecker, Kettcar, Roller… Für jedes Alter gab es eine Reihe an fahrbahren Untersätzen. (An denen fanden übrigens nicht nur die Kinder Gefallen, sondern auch viele Eltern und Großeltern düsten mit den großen Kettcars durch die Gegend.) Wenn wir morgens zum Frühstück über den Hof gingen, „verloren“ wir unseren Sohn hier immer. Selbst die Vision von einem Marmeladenbrötchen oder gar einem Kakao vermochte daran nichts zu ändern. Erst musste gefahren werden.

Àpropos Essen: Auf dem Bauernhof Liendl gehört zu einer Übernachtung auch ein Frühstück dazu. Etwas, was mir persönlich wirklich unglaublich wichtig ist, wie ich ja auch in unserer Urlaubs-Podcastfolge ausgeführt habe. Ich möchte mich morgens an einen gedeckten Tisch setzen und nicht selbst wie einer Ferienwohnung erst alles zubereiten müssen. Mach ich im Alltag ja schon permanent…

Das Frühstück besteht aus einer guten Auswahl von Käse, Wurst, Müsli, Obst, Brötchen, Brot, Säften, Marmeladen und Honig. Außerdem wurden wir immer auch gefragt, ob wir noch ein Rührei, ein Spiegelei oder ein gekochtes Ei dazu mögen. Wenn ja, wurde entsprechendes frisch zubereitet. Kaffee, heiße und kalte Milch sowie Kakao gab es natürlich auch.

Bleibt man am Hof bzw. am See, dann kann man bis 19 Uhr noch warme Kleinigkeiten sowie Eis und Kuchen im Café Sunseitn bekommen, der wie bereits erwähnt von Peters Tochter betrieben wird.

Montags- und Freitagsabend öffnet der Bauernhof Liendl außerdem seinen Buschenschank.  Ein Buschenschank- so habe ich gelernt – ist ein Betrieb, in dem ein Landwirt seine eigenen Erzeugnisse ausschenken und servieren darf. Jedes österreichische Bundesland hat sein eigenes Buschenschank-Gesetz, das Öffnungszeiten, Namen und das Angebot regelt. Früher haben Peter und sein Team fast jeden Abend ihren Buschenschank geöffnet, inzwischen ist das „nur“ noch montags und donnerstags der Fall. Uns hat das überhaupt nicht gestört, weil wir ohnehin an vielen Tage abends noch unterwegs waren und dementsprechend anderswo gegessen haben.

Und sonst so?

Mhm, was könnte Euch noch interessieren? Oh ja, die Garage voller Bikes! Für Gäste steheneine Reihe an Fahrrädern jeglicher Größen zur Verfügung. Kindersitze und Fahrradanhänger gibt es ebenfalls. Warum ich das extra erwähne? Zum einen, weil es rund um den Keutschacher See schöne Radstrecken gibt, so dass man einen Tag für eine Radtour gut mal einplanen kann. Zum anderen, weil die Anzahl der Räder und die Qualität wirklich erstaunlich war. Es gab tolle Mountainbikes, ein Rennrad habe ich gesehen, Kindergrößen waren ausreichen vorhanden – und alle Räder waren top in Schuss. Das habe ich an Urlaubsorten echt schon ganz anders erlebt: Klapprige Drei-Gang-Krücken und Anhänger, die schon vollkommen zerfleddert sind? Keine Seltenheit.

Ach, und dann muss ich Euch ja noch abschließend das absolute Highlight des Lütten berichten: Peter hat an einem Tag seinen blauen Trecker vorgefahren, die Kinder in den Anhänger hinten geladen und ist mit ihnen ein bißchen durch die Gegend getuckert. Der Lütte mochte nicht mit hintenrein – zum Glück. Denn deshalb durfte er zusammen mit mir vorn neben dem Fahrersitz mitfahren. Ein großer Spaß, wie ihr Euch vorstellen könnt.

So, und bevor Ihr jetzt erschöpft aufgrund der Länge dieses Textes wegklickt, belasse ich es einfach bei diesen Informationen. Solltet Ihr noch konkrete Fragen haben, stellt sie gern in den Kommentaren oder schreibt mir bei Instagram oder Facebook.

Wir haben uns wirklich sehr wohl gefühlt und sind happy, dass wir aus der Reihe an Bauernhöfen, die das Portal listet, genau diesen ausgesucht haben. Vielleicht sind die anderen auf ihre jeweilige Weise genauso schön – aber wir waren mit diesem wirklich rundum zufrieden. Und das Kind? Das spricht immer wieder im Alltag von Peter. Vom Trecker. Vom Eimer zum Tiere füttern. Und von einigen Dingen, die wir in der Umgebung unternommen habe. Dazu schreibe ich demnächst noch einen eigenen Beitrag.

P.s. Falls Ihr nochmal hören wollt, wie Katarina und ich vor einem Urlaub so drauf sind, dann zieht euch doch einfach nochmal Folge 6 von WORK IS NOT A KINDERSPIEL rein:

About Sandra

Ich schreibe hier über drei Dinge, die mich jeden Tag aufs Neue beschäftigen: meine Heimatstadt Bremen, meine berufliche Selbständigkeit und mein Alltag als Mutter eines Kleinkindes. Was mir am Herzen liegt: Euch anzustiften! Zu Unternehmungen an der Weser, zu Mut im Berufsleben und zu einem humorvoll-offenen Herzen für Eure Kinder. Allen Herausforderungen zum Trotz. Dass es nicht immer einfach ist, Familie und Job zu vereinbaren, darum geht es hier nämlich auch ab und zu.

2 thoughts on “„Mama. Tiere füttern. Ja?“ Oder auch: Urlaub auf dem Bauernhof Liendl in Kärnten [Werbung]

  1. Hallo Sandra, Toller Bericht! Ihr hattet ja dann schönes Wetter und nicht so wie wir eine Woche vorher.
    BTW: Wir sind diejenigen, bei denen ihr am euren ersten Tag am Tisch gesessen seid, und unsere Tochter ist die Kleine, die gerade das Schaf füttert 😉
    LG in den Norden!

    1. Moin Stefan,

      ich freu mich sehr, dass Ihr über diesen Artikel gestolpert seid! Ja, unser Wetter war deutlich trockener und sonniger als in Eerer Woche, obgleich es morgens und abends doch recht frisch war.

      Herzliche Grüße an Euch!
      Sandra

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