Klassenfahrtfeeling am Wattenmeer | Borkum-Konfetti #5

Geht´s Euch auch so? Für mich hatte bislang jedes Blogger Event einen Hauch von Klassenfahrt. Man macht sich – oft sogar von Beginn an – gemeinsam auf den Weg, lässt den regulären Tages- und Wochenablauf hinter sich  und und erlebt in der Gruppe eine Menge toller Sachen. Ihr könnt Euch also vorstellen, dass dieses Gefühl unendlich viel stärker ist, wenn solch ein Event in eine Jugendherberge führt.“Waaaas? Ihr wart auf Borkum in einer Jugendherberge?„Ja, ganz genau! In einer, die den charmanten Namen „Am Wattenmeer“ trägt.

djh borkum Außengelände

Wann habt Ihr das letzte Mal in einer Jugendherberge übernachtet? Ich weiß es noch ziemlich genau: Vor vierzehn Jahren war das, auf dem Weg nach Italien. Zusammen mit zwei Freundinnen hatte ich ein Auto vollgepackt, um zwei Wochen quer durch Italien von Zeltplatz zu Zeltplatz zu düsen. Da der Weg über die Alpen in einer Tour zu lang war, legten wir in Innsbruck einen Zwischenstopp ein. Schon da war das Glück auf unserer Seite: Während wir in der Jugendherberge übernachteten, steckte im Kofferraum des Wagens noch der Schlüssel. Das merkten wir allerdings erst, als wir am nächsten Tag weiterfahren wollten. Die Innsbrucker waren aber scheinbar gut erzogen: Obwohl das ganze Gepäck im Auto war (inklusive Videokamera), wurde nichts gestohlen.

An mein erstes Mal mit Stockbetten und Pfefferminztee (ja, bis letzte Woche waren genau das meine einzigen Assoziationen) erinnere ich mich auch noch: Siebte Klasse, Fahrt nach Trier. Zu der Zeit war ich unglaublich verknallt in meinen Mathelehrer… Aber darum soll es hier ja jetzt nicht gehen.

Als Katja und ich „Bloggen mit Herz“ auf Borkum planten, entschieden wir uns ganz bewusst für die Jugendherberge. Weil diese Form der Übernachtung eines für uns symbolisierte: sich aufs Wesentliche zu beschränken. Ständig lenkt uns Schickimicki im Alltag ab – und das mag auch ich manchmal ganz gern. Aber ein Aufenthalt auf einer Nordseeinsel mit all den wunderbaren Orten, der frischen Luft, dem frischen Fisch und dem entspannten Radeln durch Dünenlandschaften bedeutet für uns allein schon so viel Luxus, dass wir ihn bei der Unterbringung nicht noch zelebrieren wollten. Zumal sich die Inhalte des Workshops nicht um fancy Kooperationen drehten, sondern eher um das Zurückbesinnen auf die ursprüngliche Motivation, einen Blog zu eröffnen.

Kurz gesagt: Wir wollten die TeilnehmerInnen nicht mit einem Designhotel locken, sondern mit den Themen. Daher also die Entscheidung für die Jugendherberge als Veranstaltungsort. Und die bereute ich schon nach einigen Mails mit Frau Böttcher, der Hausleitung, nicht: Sie war bei jeder Rückfrage stets so kooperativ und lösungsorientiert, dass ich schon vor der Ankunft das Gefühl hatte, dass dort alles gut klappen würde. Und das tat es auch.

djh borkum schaukeln

Katja und ich landeten am Dienstagnachmittag der vergangenen Woche also auf Borkum und zogen unser mächtiges Gepäck vom Fähranleger bis zur Jugendherberge. Das sind nur 350 Meter, was echt praktisch ist – wenn man allerdings fünf Koffer und Taschen vollgepackt mit Workshop-Kram hat, können 350 Meter sehr lang werden.

Das erste, was wir auf dem Gelände erblickten: Schaukeln! Und eine Kartbahn! Wir waren baff, wie groß das Gelände ist. Später stellte sich heraus, warum: Früher war das mal ein Marinestützpunkt und die Jugendherberge noch am Nordstrand. Damit also mehr im Geschehen, aber genau das war problematisch. Denn wie wir in den vergangenen Tagen selbst feststellten, sind Horden von Schülern nicht weniger lebendig und laut als früher. Das war inmitten des touristischen Trubels am Nordstrand für alle Menschen eher anstrengend. Für die Schüler auch, denn die wurden ständig ermahnt, sich mal anständig und leise zu verhalten. Auf dem jetzigen Gelände können sie sich austoben ohne Ende. Und das tun sie auch.

Eins hat sich ebenfalls nicht geändert: Klassenfahrten sind gespickt von heimlichen Schwärmereien. So hörten wir unter unserem Fenster zwei Jungs darüber sprechen, dass man „Leon jetzt bei seinem Date bloß nicht stören dürfte“. Und wir lernten, dass zu 13jährigen enorm aufgeblickt wird, weil sie so cool sind. Es war unglaublich spannend, all das zu beobachten – und sich an die eigenen Klassenfahrten zu erinnern. Statt Zetteln mit „Willst Du mit mir gehen“ werden allerdings heute SMS verteilt.

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Die Jugendherberge Borkum liegt – wie es der Name verspricht – direkt am Wattenmeer. War haben also unsere Koffer abgestellt und danach gleich mal über den kleinen Deich geguckt. Und was sieht man da? Entweder eben tolles Watt, in das man direkt mal barfuss laufen kann, oder bei Flut dies hier:

djh borkum wattenmeer

Mit etwas Glück erwischt man wie wir auch Zimmer, von denen aus man Meerblick hat – dann gibt es morgens wunderschöne Farbspiele zu beobachten!

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Für das Feierabend-Absacker-Pils sorgt die gemütliche „Pinte“, für das passende Zweirad unterm Popo der Fahrradverleih. Der ließ sich auch von 17 Bloggern mit individuellen Wünschen nicht aus der Ruhe bringen, sondern versorgte uns alle mit dem richtigen Rad. Ich durfte dabei in die Rolle der Oberlehrerin schlüpfen, die brav Schüler-… äh Bloggername inklusive Rad-Nummer vermerkt.

djh borkum fahrradverleih

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Das für Katja und mich markanteste Erlebnis unseres Jugendherbergsaufenthalt bleibt aber  der Abreisetag. Innerhalb einer Stunde wird ein Schalter umgelegt: Während gerade noch Stimmengewirr, Tellergeklapper und Liebeskummer das gesamte Gelände überstrahlte, ist es im nächsten Moment plötzlich

 

 

totenstill!

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Es war verrückt und faszinierend. Plötzlich hallt nur noch das Echo der eigenen Schritte durch die Gänge und lediglich ein paar Pärchen und Familien huschen durch den Speisesaal. Daher meine dringende Empfehlung (vor allem für Familien): Nutzt die Jugendherberge Borkum an Wochenenden bzw. zu auslastungsschwachen Zeiten.  Gerade mit Kindern ist man dort super aufgehoben: Spielplätze, Fußballwiesen und Kletterhalle sorgen bei den jungen Reisenden für Beschäftigung, während man selbst im Grünen oder am Deich sitzen kann. Mit dem Rad ist man schneller im Hauptort als man denkt. Echt perfekt. Ich habe der besseren Hälfte jedenfalls schon gesagt, dass wir da zu viert mal hinfahren.

Es lohnt sich also, eine Jugendherberge-Übernachtung bei der nächsten Urlaubsplanung zumindest mal mitzudenken. Je nachdem, wohin es geht, kann es eine gute Option sein. Was Borkum betrifft, in jedem Fall. Und weil ich wissen will, wie das sonst noch so im Norden ausschaut, guck ich mir nächste Woche mal die Herbergen in Leer und Schillighörn an. Ich halte Euch auf dem Laufenden, wie es da so ausschaut. Und berichte Euch im nächsten Beitrag mal, mit wem ihr das Watt hinter der Jugendherberge unbedingt mal erobern solltet. Ich verrate nur eins: Die Person ist Werder Bremen-Fan!

Aber vorher lasst mich mal wissen, was Ihr so für Erinnerungen an Eure Klassenfahrten habt! Und gibt es eine Jugendherberge, die Ihr für Erwachsene und/ oder Familien empfehlen könnt? Oder habt Ihr das gar nicht mehr auf dem Schirm? Her mit den Tipps und Erfahrungen!

P.s. Hier geht´s zum bisher erschienen Borkum-Konfetti:

Los geht´s mit #bloggenmitherz

Gastro-Tipp: Strandbistro Dünenbutje 

Auf der Suche nach dem echten Borkumer Leuchtturm

Erste Impressionen des Workshop-Wochenendes

About Sandra

Ich schreibe hier über drei Dinge, die mich jeden Tag aufs Neue beschäftigen: meine Heimatstadt Bremen, meine berufliche Selbständigkeit und mein Alltag als Mutter eines Kleinkindes. Was mir am Herzen liegt: Euch anzustiften! Zu Unternehmungen an der Weser, zu Mut im Berufsleben und zu einem humorvoll-offenen Herzen für Eure Kinder. Allen Herausforderungen zum Trotz. Dass es nicht immer einfach ist, Familie und Job zu vereinbaren, darum geht es hier nämlich auch ab und zu.

2 thoughts on “Klassenfahrtfeeling am Wattenmeer | Borkum-Konfetti #5

  1. Toller Bericht liebe Sandra. Ich fühlte mich jedenfalls direkt bei Ankunft in meine Kindheit zurückversetzt und war trotzdem ziemlich überrascht, dass die heutigen Jugendherbergen doch mehr ans Hotel rangerückt sind, als früher. Oder vielleicht hat sich auch nur meine Wahrnehmung verändert. Mein persönliches Highlight … wir durften in den Betreuerzimmern schlafen. Was hätte ich früher darum gegeben nicht in den 10 Bett Zimmern schlafen zu müssen, in denen es immer so wahnsinnig wuselig und laut war. Obwohl .. ich hätte letztes Wochenende mit den lieben anderen Bloggerkolleginnen auch gerne ein 3 oder 4 Bett Zimmer geteilt, dass wäre bestimmt sehr lustig geworden und hätte uns wirklich komplett in die Kindheit zurückgebeamt.. Dann wäre es wohl nur im Bad etwas eng geworden 🙂 Hhmmm, vielleicht beim nächsten Mal.

    Viele liebe Grüße,
    Sanna

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